Tagblatt Online, 03. Dezember 2007 00:30:59
Richtig urgeknalltes Theater
Die Mammutjäger gastierten in Flawil
Flawil. Ein brillantes Schauspiel über die Aspekte der Menschheitsgeschichte erlebten zahlreiche Besucher im Oberstufenzentrum Feld am vergangenen Samstag.
In fünf Minuten eindrucksvoll durch die Evolution der Menschheit führten die beiden Schauspieler der Netzwerkbühne Erich Furrer und Erich Hufschmid ihr Flawiler Publikum. Mit Händen und Füssen, mit allen erdenklichen Lautmalereien, die kaum möglich scheinen, mit pantomimischen Einlagen und witzigen Pointen vermochten es die Akteure, ihr Publikum in Atem zu halten. Es war zwar fürwahr keine leichte Kost, die die zwei freiberuflichen Schauspieler ihren Gästen auf der Bühne des Singsaals im Oberstufenzentrum Feld boten. Dafür war ihr Programm aber spannend, temporeich und manchmal sogar genial.
Der Mensch als nackter Affe
Die Mammutjäger liessen dem Publikum kaum Zeit zu verschnaufen. Mit vollem Körpereinsatz sangen, sprangen und gestikulierten sie auf der Bühne. Dabei nahmen sie ihre Gäste mit auf die Reise durch die Zeit. «Am Anfang war die Suppe», so Erich Erich unisono. «Und wo kommt eigentlich der Homo sapiens her?» Quantenphysik und Relativitätstheorie zu verbinden, dies gelang dem kongenialen Schauspielerduo an diesem Abend nicht, aber dafür vermochten sie es umso mehr, den anwesenden Gästen einmal einen wohltuenden Blick über den Tellerrand des Menschendaseins zu gewähren. Mit pantomimischen Einlagen, zeigten sie die oft sinnlose Hetze der Menschen nach Geld, Ruhm und Schönheit auf. Arbeit und Freizeit verrichtet der Mensch oft marionettenhaft, wie ferngesteuert und nur wenig selbstbestimmt. Dabei sah alles am Anfang so rosig aus. Und hatte der Mensch mit der Erfindung der Jagd nicht ein vielversprechendes Territorium betreten? Nein, heute sind Menschen nichts anderes als haarlose, also nackte Affen.
Die Mammutjagd
Die prähistorischen Leckerbissen der Mammutjäger liessen sich nicht leicht verdauen. Wenn man sich als Zuschauer zwischendurch einmal eine kurze Pause gewünscht hätte, wurde man prompt mit intellektuellen, in ungeheurer Geschwindigkeit vorgetragenen Texten konfrontiert, die wiederum stets in geniale Momente der Erkenntnis übergingen. So öffnete ein Bericht über eine Afrikareise den Zuschauern die Augen, als die Mammutjäger einen Wald in einem afrikanischen Tal beschrieben. Einige Töne auf dem Keyboard, leiser Gesang und Worte der Erkenntnis. «Warum sind unsere Vorfahren eigentlich von diesen schönen Bäumen herabgestiegen?»
Mit den Mammutjäger ist dem organisierenden Flawiler Kulturverein Touch ein grosser Wurf gelungen. Wunderbar, dabei gewesen zu sein. (bm.)
- Artikel empfehlen:





