Tagblatt Online, 07. Januar 2006 00:30:59
«Frühere Leben beeinflussen jetziges»
Rückführungen als Abenteuer und Therapieform
W er kennt es nicht, das «Déja-vue-Erlebnis»: «In dieser Situation war ich doch schon einmal.» Manchem schossen solche Gedanken schon durch den Kopf. Geht man davon aus, dass der Mensch oder zumindest seine Seele schon einmal oder gar mehrere Male auf dieser Erde existiert hat, wäre es doch sicher interessant, diese Leben zu beobachten. Und seis darum, daraus Erfahrungen zu gewinnen, um «es diesmal besser zu machen». «Rückführungen sind die Methode dazu», sagt Doris Widmer, seit einem Jahr Rückführungsleiterin in Brunnadern, «und es sind daraus auch Therapieformen entwickelt worden.»
Karmagesetze
In ihren Karmagesetzen gehen Buddhismus und Hinduismus davon aus, dass prägende Erlebnisse in der (unsterblichen) Seele haften bleiben, auch wenn der sie umhüllende Körper stirbt. Auch der christliche Glaube ging bis ins 6. Jahrhundert von der Wiedergeburt aus (Am 5. Allgemeinen Konzil 553 in Konstantinopel wurden auf Betreiben von Kaiser Justinius resp. seiner Frau Theodora alle auf die Reinkarnation verweisenden Stellen in der Bibel gelöscht). Wenn die Seele reinkarniert, trägt sie ein Karma mit sich, das sich unter Umständen auf das neue Leben negativ auswirken kann. Seltsame Verhaltensmuster, die man sich nicht erklären kann, oder psychische und psychosomatische Störungen können Auswirkungen auf den Alltag haben.
Geführte Rückreise
Die Rückführung ist eine geführte Meditationsform, in der die betreffende Person gedanklich in eines dieser früheren Leben zurückgeführt wird. Die Methode kann unter Hypnose oder im Trancezustand durchgeführt werden. Die Hypnose vermittelt ein deutlicheres Bild der gesuchten Ereignisse, aber die rückgeführte Person erlebt die Rückführung nicht bewusst und weiss nachher nichts über die zurückgeholten Erlebnisse. Rückführungen in der Meditation werden von Betroffenen halbwach erlebt und sie können sich nachher an das Erlebte erinnern. Solche Erinnerungen lassen sich unter Umständen erstaunlich genau historisch belegen. Rückgeführte haben Örtlichkeiten aus ihren früheren Leben aufgesucht und konnten sehr schnell Zusammenhänge feststellen (sofern diese Örtlichkeiten nahezu unverändert waren).
Vom Abenteuer zur Therapie
Mit dem «Leben vor dem Leben» und Reinkarnation setzten sich einst auch Platon und in der Moderne Carl C. Jung sowie Elisabeth Kübler-Ross auseinander. Seit mehreren Jahrzehnten haben sich Therapeuten der Rückführungstherapie gewidmet (Michael Newton, Ian Stevenson, Trutz Hardo). Sie sagten sich: Wenn die Ursache oder die Lösung für ein Problem oder Lebensthema im jetzigen Leben nicht gefunden werden kann, könnte es in einer ungelösten, karmischen Verflechtung begründet sein, die in einem früheren Leben stattgefunden hat. Gemäss Karmagesetz geht jegliches Opferverhalten von einem Täterverhalten aus (oder umgekehrt).
Ängste und Selbstvertrauen
Gemeint sind sind Ängste und Phobien wie Flug-, Platz- oder Höhenangst, Lampenfieber, Angst vor Verantwortung oder fehlendes Selbstvertrauen. Doris Widmer: «Die Erkenntnis und Heilung liegt darin, dass sich Rückgeführte in einer traumatisierenden Situation sehen, die ihre heutige Rolle erklärt.» Wenn die Rückführung kompetent durchgeführt wird, so Widmer, kann der Rückgeführte aus dem schrecklichsten Vorfall seine Erkenntnisse für heute ziehen. Selbstverständlich kann die Erfahrung aus einer Rückführung auch helfen, besondere Fähigkeiten und Talente im jetzigen Leben zu entdecken. Doris Widmer: «Es spielt dabei keine Rolle, ob der Betreffende an die Reinkarnation glaubt oder nicht.» Michael Hug
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