Tagblatt Online, 18. Oktober 2006 00:30:59
«Es hat sich alles so ergeben»
Der Theaterschaffende Erich Furrer wohnt in Bazenheid und arbeitet mit der «Netzwerkbühne» zusammen
Bazenheid. Erich Furrer hat am Schauspielhaus Zürich gespielt, bei Parfin de Siècle und am Stadttheater St. Gallen. Ein Faible hat er für Shakespeare.
Michael Hug
Erich Furrer wurde 1964 in Wien geboren. Nach vier Jahren kam er zu seinem Vater nach Rorschach. Sein Traumberuf war Fussballer. Niemals würde ihm sein Vater das ermöglichen, wusste er, deshalb entschied er sich für eine Lehre als Fotolaborant. «Weil ein Freund sich anschickte, diesen Beruf zu lernen. Also konnte das für mich ja auch nicht schlecht sein!». Furrer arbeitete nach der Lehre noch einige Jahre im grafischen Gewerbe und war Reprofotograf. Die Schauspielerei war noch weit weg.
Zuerst Statist in St. Gallen
Doch irgendwie verlief ihm alles in zu unspektakulären Bahnen, der Alltag, die Arbeit – irgend etwas musste da noch geschehen. Also ging er als Statist zum St. Galler Stadttheater, hielt in «My Fair Lady» dreissig Mal ein Silbertablett hin – wortlos – und war fasziniert. Ein, zwei weitere Produktionen folgten in gleichem Stil.
Da dachte sich der Neo-Statist: «Entweder stehe ich jetzt da vorne oder ich verlasse die Bühne für immer!» Was die können, könne er auch, aber dazu müsste er erst mal eine solide Ausbildung auf sich nehmen. Er kündigte Job und Wohnung, schrieb sich an drei Schauspielschulen für die Aufnahmeprüfung ein und wurde schliesslich in Bern aufgenommen. «Es kam dann alles so, wie es kommen musste. Ich hatte ja nichts bis ins Detail geplant. Ich habe mir keine Gedanken gemacht, was ich nachher tue!» Nach dem Studium kam das Vorsprechen an Theatern im ganzen deutschen Sprachraum. Da und dort gab es Engagements – aber das befriedigte den Jungschauspieler nicht. Er jobbte nebenbei als Portier, spielte, was er kriegen konnte. Er wohnte in Zürich und verkehrte in der lokalen Theaterszene. Da ergaben sich plötzlich neue Kontakte, Kontakte in der freien Theaterszene, und so wechselte er bald von den grossen Häusern zu den kleinen Projektbühnen. «Aber warum mache ich nicht selber was?», fragte er sich. Nun waren die Würfel endlich gefallen. Erich Furrer riss mit einem Schauspielerkollegen ein eigenes Projekt an. «Mammutjäger in der S-Bahn» hiess es. Es ging um Herrn Felix, der sich eines Tages aufmacht, die Evolution des Lebens zu durchforsten. Drei weitere Mammutjäger-Produktionen sind mittlerweile dazugekommen, und viele weitere Projekte mit übersichtlichen Besetzungen. Furrer ist dabei abwechselnd Schauspieler, Autor, Dramaturg, Regisseur und Produzent. «Romeo und Julia» von Shakespeare hat er komplett neu gedichtet, er hat Molière gespielt, Sartre, Genet und viele weitere.
Netzwerk Bühne
Zwölf Jahre dauert nun Furrers Theaterlaufbahn an, und wie er sagt, kann er davon leben. Das Unternehmens-Vehikel heisst «Netzwerkbühne», ein Verein, der die Aktivitäten von ihm und drei weiteren professionellen Theaterschaffenden zusammenfasst. Seine Spielorte sind die grossen Städte der Schweiz. «Wir würden aber gerne auch aufs Land gehen. Es fehlt dort aber etwas an Mut, uns zu buchen!», sagt er.
Furrers Wohnort ist seit drei Monaten Bazenheid. Verkehrstechnisch günstig gelegen. Doch hierher gezogen ist er nicht der Umfahrung, sondern der Liebe wegen.
Die Premiere des neusten Mammutjäger-Stücks «Urgeknallt» ist am 2. November im Naturmuseum St. Gallen.
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