Tagblatt Online, 07. Februar 2006 00:30:59
Mehrdeutigkeit im Duett
Operation Shakespeare: «Ein Sommernachtstraum» als Zweipersonenstück im «Keller zur Rose»
Nach «Romeo & Julia» bringt Erich Furrer nun auch noch Shakespeares beliebtestes Lustspiel in einer eigenen Bearbeitung und Dichtung auf die Bühne. Morgen ist Premiere im «Keller zur Rose».
andreas stock
Zwei Männer lieben eine Frau, diese ist nur dem einen zugetan, zudem liebt ihre beste Freundin den anderen verzweifelt und ohne Hoffnung. Und da sind auch noch die Elfen, die alles beobachten und ihren Schabernack treiben . . . Shakespeares «Sommernachtstraum» ist eines seiner am meisten gespielten Stücke und war zuletzt auch am Theater St. Gallen zu sehen. Es diente als Vorlage für Opern, Kompositionen, Filme oder allerlei Variationen und wurde über die Jahrhunderte auf unterschiedlichste Art inszeniert.
Neu gedichtet
Die virtuose Komödie hat es auch dem St. Galler Schauspieler und Regisseur Erich Furrer angetan. Nach seiner Bearbeitung von «Romeo & Julia» bringt er mit seiner «Operation Shakespeare» auch diesen Klassiker in eigener Bearbeitung auf die Bühne. Dabei hat Furrer das Stück nicht nur in eine Fassung für zwei Schauspieler umgearbeitet – was ob des reichen Personals des Originalstoffs eine Herausforderung darstellte. Er hat in viermonatiger Arbeit zudem eine eigene Dichtung anhand der direkten deutschen Übersetzung vorgenommen. «In englischer Sprache ist dieser Text Musik in vollendeter Form», schwärmt Furrer, «und sprachlich können die Übersetzungen eigentlich immer nur scheitern, weil es fast nicht gelingt, die Mehrdeutigkeit zu bewahren.» Als Beispiel erwähnt er die Figur des Handwerkers Bottom, der von Puck verzaubert wird und einen Eselskopf bekommt, was im Englischen mit vielfältigen Wortbedeutungen einhergehe. In der deutschen Übersetzung heisse diese Figur Zettel, womit bereits viele der Anspielungen verloren gingen.
Zeitgemäss, nicht modisch
Erich Furrer hat versucht, diese Mehrdeutigkeit in seine Dichtung einfliessen zu lassen, wobei er die Metrik von Shakespeare übernommen hat. Daraus ist nun ein Stück mit einer zeitgemässeren Sprache entstanden, die dem Zuschauer auf «einfache und direkte Weise» einen Zugang zum Stück verschaffen möchte. Trotzdem: Eine Modernisierung nur der Mode wegen hat Furrer nicht beabsichtigt: Er habe eine «Aktualisierung nicht gesucht», sie habe sich vielmehr «durch selbstverständliche Assoziationen ergeben». So kommen zwar Wörter wie Kreditkarte, Spekulanten oder Waschmaschine vor, der lustvoll-romantische Märchencharakter des Stücks werde dadurch aber nicht verändert. Neben der Kraft von Shakespeares Text, die Erich Furrer am «Sommernachtstraum» begeistert, faszinierten ihn auch die Dramaturgie des Lustspiels und die Charakterisierung der Figuren; er habe bei der Bearbeitung viel gelernt. «Das Stück ist genial, weil es das Kleine im Grossen und umgekehrt spiegelt, und weil darin jeder Narr ein König und jeder König ein Narr ist».
Armes Theater, reiche Fantasie
Erich Furrer und Kuska Cáceres spielen alle Rollen: Die verliebten Männer, die verblendeten Frauen, die Elfen und die Handwerker. Anders als bei «Romeo & Julia», wo Furrer die Handlung mit eingeschobenen Interviews straffte, werden diesmal längere Teile der Geschichte in Erzählform vermittelt. «Wir haben nur Geld für zwei Schauspieler, wir machen ein armes Theater», scherzt Furrer – und versucht aus der Not eine Tugend zu machen: «Die Erzählmethode hat ihren Reiz, weil man mit wenig doch viel erreichen kann.» Mit reduzierten Mitteln möglichst viel Wirkung zu erzielen, das ist auch bühnentechnisch das erklärte Ziel: Es gibt kein aufwendiges Bühnenbild und praktisch keine Requisiten. Eine stimmungsvolle Lichtregie, das turbulente Stück, die Sprache Shakespeares und das lustvolle Spiel sollen die Fantasie des Publikums beflügeln.
Premiere morgen Mi, Keller zur Rose, Gallusstrasse 18, 20 Uhr; weitere Aufführungen: 9., 10., 12.2. sowie 14.–18.2., je 20 Uhr; So, 19.2., um 11 Uhr; VV: Tel. 071 244 12 84 oder info@netzwerkbuehne.ch
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