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Tagblatt Online, 31. März 2007 00:30:59

Ende einer langen Tradition

Pyrotechnische Fabrik stellt Produktion ein

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Nach wie vor geöffnet: Verkaufsladen der pyrotechnischen Fabrik Müller. (Bild: Bild: Susann Basler)

Kreuzlingen. Nach 167 Jahren stellt die pyrotechnische Fabrik Müller in Emmishofen die Produktion ein. Der Handel mit Feuerwerkartikeln wird aber weitergeführt.

MARTINA EGGENBERGER

Die pyrotechnische Fabrik Müller hat bereits eine lange, bewegte Geschichte hinter sich. 1840 gründete Aloys Müller das Unternehmen, das in den ersten Jahren noch im Tägermoos beheimatet war. Dort hat die Firma nicht nur gewöhnliche Feuerwerkartikel hergestellt, sondern auch Signalraketen für das Schweizer Militär. Anfang des letzten Jahrhunderts wurde die Feuerwerkfabrik an die Konstanzerstrasse gezügelt, wo sie bis heute domiziliert ist. Nebst Schwärmern, Sünneli und anderen Zaubereien produzierten die Müllers hier bis in die 70er-Jahre auch Hagelraketen.

Noch heute wird die Firma von Nachkommen des Aloys Müller geführt. Seit Mitte Monat ist die pyrotechnische Fabrik aber keine eigentliche Fabrik mehr, sondern nur noch ein Handelsbetrieb. Die starke Konkurrenz aus dem asiatischen Raum und die zunehmenden Vorschriften haben die Gebrüder Werner und Peter Koch sowie Ferry Brühwiler bewogen, die Produktion aufzugeben.

Stadt ist kein idealer Standort

Anfang Jahr wurden Teile des Fabrikareals an eine Immobilienfirma verkauft. Seither ist die pyrotechnische Fabrik in ihren Räumen eingemietet. «Der Standort inmitten der Stadt ist denkbar schlecht», sagt Ferry Brühwiler. Die Auflagen seien massiv, das Lager musste schon lange nach Tägerwilen und Ellighausen ausgegliedert werden. Würde man, was aus betriebswirtschaftlicher Sicht notwendig geworden wäre, erweitern, müssten Produktion und Lager zwingend an einem Ort vereint werden, meint auch Werner Koch. «Früher haben wir 500 Vulkane gemacht, heute müssten es 500 000 sein.»

Die Suche nach einem neuen Standort habe sich als schwierig erwiesen, was an der Materie liege, mit der die pyrotechnische Fabrik arbeite. «Sobald die Leute jeweils erfuhren, dass wir Feuerwerk machen, haben sie uns eine Absage erteilt.» Erstmals aufgekommen ist die Diskussion um eine Verlegung des Standortes 1972. Damals ereignete sich in der Feuerwerkfabrik ein Unfall. Ein Blitz schlug – zum Glück nach Feierabend – in einen Baum ein, das Feuer sprang auf das Betriebsgebäude über und dieses explodierte.

Die alten Zeiten waren besser

Leicht ist es den Müller-Nachfahren nicht gefallen, die Produktion aufzugeben. Noch vor einem halben Jahrhundert habe man 80 Prozent der Ware selbst hergestellt und ein gutes Dutzend Mitarbeiter beschäftigt, erzählt Werner Koch. In Zukunft wird man sich auf den Handel konzentrieren. Dafür haben die drei «vergifteten Feuerwerkler», die alle das 60. Lebensjahr bereits überschritten haben, nun mehr Zeit für Hobbies. Den alten Zeiten, in denen die Welt noch in Ordnung war, trauern sie dennoch nach.


Stichwort

Beim Seenachtsfest weiter dabei

Nach wie vor organisiert die

pyrotechnische Fabrik Müller das Feuerwerk am Kreuzlinger Fantastical. Regie führt Ferry Brühwiler. «Das Seenachtsfest ist für uns ein besonders schöner Auftrag.» Wenn er von der Bodensee-Arena aus sein Gemälde ans nächtliche Himmelszelt malt, kann er seiner Kreativität freien Lauf lassen. Sechs bis acht freie Mitarbeiter sind für einen reibungslosen

Ablauf des Spektakels besorgt. Nur letztes Jahr mussten sie sich über eine Panne ärgern: Es gab einen längeren Unterbruch.

Jemand habe das Funksignal gestört», so Ferry Brühwiler, der klar von einem Sabotageakt ausgeht. Er vermutet, dass das Störsignal von einer Amateur-Funkanlage aus gesendet wurde. Um solche Pannen in Zukunft zu vermeiden, wird der Befehl zur Zündung des Feuerwerks in Zukunft wieder

wie in früheren Jahren mittels

Sprechfunk an die Schiffe übermittelt. Mitarbeiter vor Ort lösen dann elektrisch die Zündung der Feuerwerkskörper aus. (meg.)





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