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Tagblatt Online, 15. Januar 2007 00:30:59

«Heute sehe ich's»

Markus P. Baumeler veröffentlicht einen Band mit japanischer Dichtkunst

amriswil. Als einen Teil seines Lebens kann Markus Baumeler die Depression zwar akzeptieren. Sein Leben davon diktieren lassen, möchte der Amriswiler aber nicht. Sein jüngster Gedichtband zeugt davon.

rita kohn

In über 20 Jahren hat Markus Baumeler lernen müssen, mit seiner Krankheit zu leben. Die Depression hat ihm so zugesetzt, dass er seine berufliche Karriere aufgeben musste. Ein Schritt, der ihm nicht leicht gefallen ist. Geholfen, mit der ganzen Situation fertig zu werden, hat ihm das Schreiben. «Durch das Schreiben konnte ich mich mit den Tatsachen auseinander setzen», sagt Markus Baumeler. Entstanden sind zwei Gedichtbände, die von den dunklen und lichteren Momenten einer Krankheit erzählen, die das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen stark beeinträchtigt. Durch die Gedichte und Texte in Kurzprosa werden Momente sichtbar, die dem Betrachter ansonsten verborgen bleiben.

«Es geht mir gut»

Seit rund einem Jahr lebt Markus Baumeler fast beschwerdefrei. Er weiss zwar, dass die Depression irgendwo in ihm lauert und auch jederzeit wieder ausbrechen kann, aber er geniesst die neue Lebensqualität. «Es geht mir gut», sagt er denn auch, wird er auf seinen Zustand angesprochen. Inzwischen habe ein Umdenken stattgefunden, sagt Markus Baumeler. «Depression» ist kein Tabuthema mehr. Allerdings ist der Umgang mit der Krankheit für einen Mann nach wie vor schwieriger, auch wenn sich das traditionelle Rollenbild vom starken Mann und der zu beschützenden Frau gewandelt hat. «Einer Frau wird noch immer eine Erkrankung der Seele eher zugestanden als einem Mann.»

Ohne Depressionen

Dass es ihm besser geht, wird in den Gedichten von Markus Baumeler deutlich. Kürzlich konnte der Amriswiler, der teilweise in Goldach lebt, sein drittes Buch veröffentlichen. Unter dem Titel «Heute sehe ich's» hat der Asaro-Verlag Markus Baumelers japanische Dichtkunst publiziert. «Es ist ein Depression-freies Buch», sagt Markus Baumeler. Ihn hat die japanische Gedichtkunst, die mit 17 oder 31 Silben auskommt, gepackt. Er sei in verschiedenen Literaturforen und eines Tages auf einer speziellen Seite darauf gestossen, sagt Markus Baumeler. Wenn er sich heute in der Natur aufhält, formt er oft ein paar Sätze, die er zu Hause dann ausarbeitet und zu japanischen Gedichten formuliert. «Für mich ist es wichtig, dass es poetisch klingt und dass es mich selber überzeugt», freut er sich. Gelungen ist ihm das mit seinen Tankas, Haikus und Senryûs auf jeden Fall. Das zeigen auch die positiven Echos, die der Autor auf sein jüngstes Buch bekam. Sie machen ihm Mut und bekräftigen ihn auf seinem Weg. Dieser sieht auch vor, dass Baumeler dem Schreiben treu bleibt.

«Heute sehe ich's», Markus P. Baumeler, Asaro-Verlag, ISBN: 978-3-934625-99-0





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