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Tagblatt Online, 02. Juni 2006 00:30:59

In Rorschach 30 Mio. Franken sparen

Das Fachhochschulzentrum St. Gallen könnte am Bodensee deutlich günstiger realisiert werden

rorschach. Eine Gruppe um Kantonsrat Thomas Würth lanciert am Dienstag eine Interpellation, mit der die Regierung aufgefordert wird, den Standort Rorschach für die FHS St. Gallen, Hochschule für Angewandte Wissenschaften, zu prüfen.

rudolf hirtl

Das neue Fachhochschulzentrum, das 2011 beim Hauptbahnhof St. Gallen bezugsbereit sein soll, käme auf rund 113 Mio. Franken zu stehen. Nach Abzug der durch die Stadt St. Gallen und die Cityparking St. Gallen AG beigesteuerten Beiträge, verblieben für Kanton (68) und Bund (20) Kosten von rund 90 Mio. Franken.

In Rorschach «nur» 60 Mio.

«Das geht auch deutlich günstiger» – dies die Botschaft der Gruppe um Kantonsrat Thomas Würth (CVP), der auch die Kantonsräte Monika Lehmann (CVP), Felicitas Würth (CVP), Michael Götte (SVP), Markus Blum (SVP), Felix Bischofberger (CVP) und Rorschachs Stadtpräsident Thomas Müller angehören. «Dass wir uns richtig verstehen», sagt Goldachs Gemeindepräsident Thomas Würth, der die Interpellation am Dienstag im Kantonsrat als Erster unterschreiben und einreichen wird, «St. Gallen ist durch die optimale Anbindung an den öffentlichen Verkehr zweifellos der beste Standort für das Fachhochschulzentrum, doch in Rorschach wäre im gleichen Leistungsumfang und in gleicher Qualität ein Fachhochschulzentrum für rund 60 Millionen Franken möglich, also um gegen 30 Millionen Franken weniger als in der Kantonshauptstadt.»

Diese deutliche Kostenminderung ist einer der Faktoren, die laut Würth den kleinen Standortnachteil von Rorschach wieder wettmachen. Es brauche zwei Punkte, damit das Projekt auf dem Alcan-Areal in Rorschach zum genannten Preis realisiert werden könne. Erstens dürfe es keinen Wettbewerb geben, da dadurch wieder bei Null begonnen werden müsse und die Kosten nicht in den Griff zu bekommen seien. Zweitens müsse man sich für einem privaten Investor entscheiden, der das Fachhochschulzentrum zu verbindlichen Kosten erstelle und anschliessend vermiete.

Kein Risiko für den Kanton

Während in St. Gallen der Kanton Investor und Vermieter mit allen Risiken wäre, hätte der Steuerzahler das Risiko einer unberechenbaren Entwicklung in Rorschach nicht zu tragen, was ganz klar ein grosser Vorteil des Rorschacher Projektes sei. Thomas Würth macht diesbezüglich auf den Umstand aufmerksam, dass es in den kommenden Jahren im Kanton St. Gallen 500 Schulklassen weniger geben werde und sich die geburtenschwachen Jahrgänge mittelfristig auch auf die Zahl der Studenten auswirken würden. Zudem würde sich die Bildungslandschaft im Fachhochschulbereich derart rasch ändern, dass eine längerfristige Entwicklung kaum vorhersehbar sei.

Die Suche nach einem privaten Investor erübrigt sich, denn der ist durch die Selectivbau AG, St. Gallen, die das 28 000 Quadratmeter umfassende Alcan-Fabrikareal im Juli 2005 gekauft hat, bereits gefunden. Dies ist mit ein Grund, weshalb das Rorschacher Projekt erst jetzt präsentiert wird, denn laut Verwaltungsratspräsident Othmar Thoma wollte man sich bei der Planung genügend Zeit lassen, um eine seriöse Kostenschätzung erstellen zu können.

Alt und Neu vermischen

Die Studie «Campus Fachhochschule St. Gallen auf dem Alcan Areal Rorschach» wurde vom Rorschacher Architekturbüro Bereuter erstellt. Die Kosten in Rorschach sind laut Hans Bereuter deshalb deutlich günstiger, da die renovierte und umgenutzte Infrastruktur des ehemaligen Alcan-Geländes bereits genutzt werden könne und die noch nicht sanierten Objekte in die neu zu erstellenden Baukörper leicht eingebunden werden könnten.

«Wir haben durchaus Überlegungen gemacht, ob es sinnvoll ist, unserer Projekt nun noch zu lancieren», sagt Würth. «Doch die Möglichkeiten für Kanton und Bund, damit für den Steuerzahler, derart viel Geld sparen zu können, rechtfertigt unserer Meinung, dass der Alternative Alcan-Areal Rorschach vertiefende Diskussionen gewidmet werden.»

rorschach und umgebung/49





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