Tagblatt Online, 22. November 2006 00:30:59
Kugl bleibt am Montag zu
Das «Leschwu» verlässt das Kugl - Betreiber suchen ein neues Lokal
Im «Leschwu» kommen Schwule, Lesben und Heteros locker ins Gespräch. Weil der Anlass aber schlecht besucht war, findet er am Montag zum letzten Mal statt. An der Abschiedsparty singt die Travestie-Diva Nora Düster.
Melissa Müller
Zwei Männer küssen sich zur Begrüssung auf den Mund. Auf dem Sofa flüstern sich zwei Frauen etwas zu. Dazu legt Sister Jayn nostalgische Musik aus den Fünfzigern auf. Wer an die Bar lehnt, bleibt nicht lange allein – Mann oder Frau wird schnell in ein flottes Gespräch verwickelt. Es ist Montagabend im Kugl; «Leschwu» steht auf dem Programm. Der schwul-lesbische Abend hat sich in der Szene etabliert, allerdings fehlte es in letzter Zeit an Publikum. Im «Leschwu» hat es sich bald ausgetanzt.
Vielleicht liegt es am Wochentag
Die Veranstalter Beatrice Huber und Simon Härter ziehen die Konsequenzen: Ab Dezember bleibt das Kugl am Montag vorübergehend geschlossen. «Es rentiert einfach nicht. Das ist für das Kugl und auch für uns unbefriedigend», sagt Beatrice Huber. Vielleicht liegt es am Wochentag. «Am Montag sind die meisten müde vom Wochenende und gönnen sich lieber einen Fernsehabend», vermutet Simon Härter.
Nächsten Montag wird der schwul-lesbische Abend zum letzten Mal durchgeführt. Mit einer ordentlichen Party will sich das «Leschwu»-Team verabschieden: Auftreten wird die Travestie-Diva Nora Düster aus Zürich. Ihre Show – die Künstlerin spielt «Crazy Cyber-Sissy-Electro-Trash» – dürfte dem Fest eine morbid-glamouröse Note verleihen.
Auch Heteros willkommen
Einige Stammgäste sind über die bevorstehende Schliessung betrübt. «Im "Leschwu" funktionieren Schwule, Lesben und Heteros nebeneinander», sagt ein Mann. Das sei nicht selbstverständlich. «Viele Schwule betrachten ihre Szenekneipe als Refugium, als verlängertes Wohnzimmer. Dort werden Heteros von einer Randgruppe zur Randgruppe gemacht.» Er sinniert weiter: «Früher hatte ich Beziehungen zu Männern, heute bin ich mit einer Frau zusammen. So was ist hier egal. Das "Leschwu" verträgt ein gewisses Mass an Heterosexualität.» Ein Freund von ihm ergänzt: Ins «Leschwu» komme er, um zu reden. «Es interessiert uns nicht, was andere für sexuelle Interessen haben.»
Neue Pläne
Das «Leschwu»-Team bleibt guter Dinge. Von Beatrice Huber und Simon Härter wird man in Zukunft wieder hören. Sie haben das «Leschwu» letzten Sommer von Barfrau Katharina Marx übernommen. Den jungen Idealisten ist der Schnauf noch lange nicht ausgegangen: Sie sind entschlossen, das «Leschwu» an einem anderen Ort weiterzuführen.
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