Tagblatt Online, 28. November 2005 00:30:59
Rote Rosen für Rorschach
Den Alltag aufgelockert - von Studentinnen und Studenten der Fachhochschule für Soziale Arbeit
Fünfzig Butler haben im Zentrum der Hafenstadt Rorschach in verschiedenen Bereichen des Alltagslebens interveniert. Sie ernteten dafür viel Lob und nochmehr Lächeln.
In einer Zeit, in der oft jede Minute und Sekunde zählt, haben Studierende der FHS St. Gallen, Fachbereich Soziale Arbeit, während einer Stunde und in eisiger Kälte am vergangenen Dienstag den Passanten in der Rorschacher Innenstadt ihre Dienste als Butler angeboten. Die Aktion stand unter dem Titel «Eine Stadt verzaubern». Zusammen mit der Butler-Agentur Passione war es das Ziel, die Menschen aus ihrer Alltagsroutine für einen Moment herauszuholen und etwas gegen die äussere und innere Kälte zu tun.
Lachende Passanten
Ausgestattet mit weissem Hemd, weissen Handschuhen und der obligaten Fliege haben die Butlerinnen und Butler als Schuhputzer, Vorleserin, Flaneure, Windfang, Komplimente-Verteiler, Handföhner, Türaufhalter, Musikanten, Kaffee-Servierer, Grüsser und vieles mehr gearbeitet. Ein grosser Teil der angetroffenen Personen war über die Butleraktion informiert. Sie wurden mit einem Glas Punsch oder mit einer roten Rose aus ihrem Alltagstrott herausgeholt.
Zufriedener Stadtrat
Aus den Begegnungen haben sich Gespräche entwickelt. So hat eine Frau davon erzählt, dass sie in jüngeren Jahren auf einem Gut in England als Butlerin gearbeitet habe. Sie sei extra nach Rorschach gereist, um die heutigen, modernen Butler erleben zu können. Mit dabei hatte sie ein Bild ihres ehemaligen Arbeitsortes. Eine andere Frau staunte nicht wenig, als sie zusah, wie zwei Butler eine Leiter hochkletterten, um durch Wohnungsfenster Glücksbotschaften zu verschenken. Andere Menschen waren den Butlern sehr dankbar, dass sie ihnen über die Strasse halfen oder schwere Tragtaschen abnahmen. Die Aktion der Butler hatte bereits am Dienstagmorgen angefangen. Als die Stadträte der Stadt Rorschach das Rathaus betraten, waren sie nicht wenig überrascht, dass sie mit Celloklängen vom ersten Cellokurier der Schweiz begrüsst wurden. Der Cellokurier habe sich gegenüber den Tönen, die vom momentanen Umbau des Rathauses hergekommen seien, gut behaupten können. Die Sitzung hat dann selbstverständlich ohne die Butler stattgefunden.Stadtrat Paul Müller betrachtet die Butler als eine gelungene Erfindung gegen die Kälte. Als die Anfrage für diese Idee dem Stadtrat vorgelegt worden sei, habe er zuerst misstrauisch reagiert. Er habe die Erfahrung gemacht, dass gute Ideen oft mit finanziellen Verpflichtungen seitens der Stadt verbunden seien. Umso erfreuter sei er gewesen, als ihm die Organisatoren mitgeteilt hätten, dass die Aktion den Rorschacher Steuerzahler keinen Rappen koste. Wenn es das Ziel gewesen sei, die Leute zum Lachen und Schmunzeln zu bringen, so sei die Aktion ein voller Erfolg gewesen.
Tourismusattraktion?
Stadtpräsident Thomas Müller hat vor allem die Fröhlichkeit sehr gut gefallen, die während der Aktion vorgeherrscht habe. Ob die Butler als Tourismusattraktion für Rorschach institutionalisiert werden könnten, werde er sich noch überlegen. Anderseits habe die Aktion einmal mehr gezeigt, wie wenig es brauche, um mit den Rorschacherinnen und Rorschachern in Kontakt zu treten. Eine rote Rose für Rorschach reiche oftmals schon aus. (pd)
Der Artikel wurde von Curdin Casaulta, einem Studenten der FHS St. Gallen, verfasst. Der Text wurde im Rahmen eines Medienseminars an der FHS geschrieben.
- Artikel empfehlen:





