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Tagblatt Online, 10. März 2008 00:30:59

Hymnen in den Händen

Solo und im Trio: Fabian Müller begeistert im Palace

St. Gallen. Fabian Müller belegte am Freitagabend im Palace eindrücklich, wieso er zu den spannendsten Ostschweizer Musikern zählt: Solo und später mit seinem FM Trio überzeugte er restlos.

michael hasler

Gegen 20.30 Uhr war es, als am Freitag ein altersmässig und soziologisch gut gemischtes Publikum den Weg ins Palace fand. Ein konzeptionell gewagtes Projekt mit dem Titel «a part of…», das Fabian Müllers Piano-Rezital mit der Visual Art von Roland von Tessin verbinden sollte, eröffnete den Abend. Pragmatisch ausgedeutscht bedeutete dies, dass Müller Klavier spielte, während von Tessin auf zwei überdimensionalen Projektionswänden auf der Palace-Bühne Lichtbilder improvisierte. Was zum plumpen Visual-Brimborium hätte verkommen können, erwies sich bereits nach den ersten Klavierakkorden als sich wundersam befruchtendes Gesamtkunstwerk.

Nager, Tokyo, Ecuador

Erstaunlich, dass sich Fabian Müller, weitgehend Autodidakt und altersmässig erst Mitte zwanzig, derart souverän an ein solch ungewöhnliches Solowerk heranwagt. «Der Rahmen ist in etwa gegeben. Aber ich und Roland von Tessin improvisieren weitgehend frei mit Bildern und Klängen», versichert Fabian Müller glaubhaft.

Dreigeteilt in die jeweiligen Themen «Nager», «Tokyo» und «Ecuador» entwickeln Müller und von Tessin mehrfach sinnliche Räume, spielen mit Metrik und Intensität, ohne dabei je den Blick auf ein sinnstiftendes Ganzes zu verlieren. Fabian Müller, seit längerer Zeit ein grosses Versprechen der Ostschweizer Musikszene, bleibt bei seinem klangschön angelegten Rezital so unerhört souverän, dass man sich wünschte, er würde sich häufiger solo vor sein Publikum setzen. Es ist eine hymnische Schönheit, die der Verehrer von Keith Jarrett in ebensolchem Habitus in den Raum verteilt. Nach einer Dreiviertelstunde sind Augen und Ohren liebevoll stimuliert, hat sich Ruhe und eine schöne Schwere im eigenen Körper verteilt. Das Projekt «a part of…» ist durchaus eines der spannendsten Konzepte, welches das noch junge Kulturjahr 2008 bisher bescherte und in seiner Grundanlage so unsanktgallisch offen, dass die Symbiose aus Bild und Ton auch schweizweit funktionieren müsste.

Ignorantes Publikum

Gegen halb elf vermengt sich das jazzwillige Konzertpublikum mit dem Palace-Ausgehpublikum. Für das FM Trio – Fabian Müllers erstklassiger Formation – verkommt dieser Umstand bei der anstehenden CD-Taufe zum Handicap.

Fabian Müller am Piano, Fabian Bürgi am Schlagzeug sowie Kaspar von Grünigen am Bass setzen die wunderbaren Songs ihrer CD «Moment» auch live hervorragend um, doch im Barbereich kreisen die Gespräche von Mützen- und Schalträgern längst nicht mehr um die Musik. Dass ist angesichts der Güte des Gebotenen mehr als ärgerlich. Zwar bringt das Trio sein Konzert auf höchstem Niveau zu Ende, doch die Ignoranz des Publikums ist geradezu penetrant.

Nach Claude Diallos Premiere als Jazzer im Palace müssen sich die Betreiber nun nach Fabian Müllers Gastspiel ernsthaft überlegen, den Barbetrieb – auch auf die Gefahr von Spiessigkeit hin – während konzertanten Aufführungen allenfalls einzustellen. Fabian Müller, ein Pianist, der Hymnen in den Händen hat, hätte dies zuallererst verdient. Und andere vor und nach ihm sicher auch.





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