Tagblatt Online, 02. März 2006 00:30:59
Stimmen flitzen ums Haus
Lerngarten «Klänge und Geräusche» im Regionalen Didaktischen Zentrum Rorschach
Rorschach. Rund ein Dutzend Lehrer probierten am Mittwoch aus, wie man im Haus Donnergrollen erzeugt oder mit den Händen Wasser zum Tönen bringt. Die Gruppe war begeistert.
Corinne Allenspach
Man nehme eine lange Kunststoffröhre, lege sie rund ums Schulhaus, halte das eine Ende ans Ohr und spreche ins andere seinen Namen.
«Kinder sind hell begeistert, wenn sie erleben, wie schnell ihre eigene Stimme ums Haus flitzt», sagt Gerd Oberdorfer vom Regionalen Didaktischen Zentrum (RDZ) Rorschach auf einem Rundgang durch den Lerngarten «Klänge und Geräusche».
Begeistert sind auch die Lehrer. «Ich bin top motiviert und habe das Gefühl, ich müsse gleich heimgehen und mit der Klasse alles ausprobieren», sagt Monica Keller aus Walzenhausen am Schluss des Nachmittags.
Kein Museum
Auszuprobieren gibt es viel: Mit einem grossen Stück Blech kann Donnergrollen erzeugt werden, in einer tibetischen Klangschale versucht eine Lehrerin mit den Händen Wasser zum Klingen zu bringen, durch das Streichen eines Cellobogens entstehen Sandbilder auf einer Metallplatte. «Je schräger der Ton, desto schöner das Sandbild», sagt Gerd Oberdorfer lachend, während sich der Zuhörerin die Nackenhaare sträuben.
Nebst Versuchen mit allerlei klangerzeugenden Geräten können auch Instrumente wie Didgeridoos oder Regenmacher gebaut und sogar CDs aufgenommen werden.
«Wir sind kein Museum und keine Ausstellung. Der Lerngarten soll Lehrer und Schüler anregen, selber kreativ zu werden», sagt Werner Hangartner, Leiter des RDZ. Bevor ein Lehrer mit seiner Klasse vorbeikomme, sei es ganz wichtig, genau zu überlegen, was man wolle. «Einen Morgen lang die Schüler Instrumente ausprobieren zu lassen, führt höchstwahrscheinlich ins Chaos.»
Zuhören im Dunkeln
Das Hörkino im Keller des RDZ dürfte wohl für viele Schüler und Lehrer der Höhepunkt des Lerngartens sein. «Liebeskummer lohnt sich nicht ...», scheppert es aus einem alten Grammofon, als sich die Lehrer auf den Weg ins Kino machen. Hauptziel eines Besuchs: Sich Zeit nehmen und zuhören. Sich in bequeme Stühle plumpsen lassen, Licht aus, CD an. Walgesänge, Naturgeräusche, Lieder aus den 80er-Jahren. Plötzlich entstehen im Kopf eigene Bilder, Erinnerungen werden wach. «Wichtig ist, dass man nachher mit den Schülern über das Erlebte redet, sie zeichnen oder schreiben lässt und nicht einfach heimgeht», sagt Gerd Oberdorfer.
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