Tagblatt Online, 11. Mai 2007 00:30:59
Wenn die Kaffeetasse zittert
Stadtpräsident und CVP-Nationalrat Thomas Müller äussert sich zur Güterlawine auf der Schiene
Arbon/rorschach. Die Seelinie dürfe kein Korridor werden als Zulaufstrecke für Güterzüge zur Neat, pocht die IG Seelinie.
Max Eichenberger
«Die Seelinie als Güterzug-Achse zu nutzen, ist absolut inakzeptabel. Gästezimmer entlang der Strecke lassen sich nicht mehr vermieten wegen des Zuglärms», wehrte sich der Rorschacher Stadtpräsident und CVP-Nationalrat Thomas Müller an einer Informationsveranstaltung der IG Seelinie in Arbon. Neben der Lärmplage häufen sich Berichte über Schäden an Häusern direkt an der Linie, wo die schweren Güterzüge zu allen (Un-)Zeiten durch rattern und Vibrationen erzeugen. Und weil jeder zehnte Zug Gefahrengüter transportiert, schwingt die Angst vor den Folgen eines möglichen Unfalls mit. «Was am Bodensee abläuft, hat mit einer nachhaltigen Verlagerung des Verkehrs auf die Schiene herzlich wenig zu tun», klagt Müller.
Noch mehr Güterzüge
Der diskriminierungsfreie Zugang zum Schienennetz macht die Seelinie als Nebenstrecke insbesondere für deutsche Transporteure interessant. Ohne Traktions- und Lokführerwechsel könnten sie die Züge von Stuttgart über Konstanz nach Wolfurt fahren lassen. Ihr Argument, dass sie nicht freiwillig auf gesetzlich mögliche Verkehre verzichten wollen, zeige die verwerfliche Geisteshaltung der Zugproduzenten. Im Gegensatz zum Strassengüterverkehr sei ein Nacht- und Sonntagsfahrverbot auf der Schiene auch kaum verhandelbar. «Wir stehen erst am Anfang des politischen Kampfes», betont Müller.
Kleinen Erfolgen – so die Späterlegung des ersten Güterzuges um eine halbe Stunde und das Versprechen, auf das Bedürfnis nach Nachtruhe mehr Rücksicht zu nehmen – stehen neue Befürchtungen entgegen: «Wir müssen uns auf zusätzliche Güterzüge im Transit Deutschland–Italien gefasst machen.» DB AG und SBB beabsichtigten, als Zulauf zur Neat zwanzig Trassees zur Verfügung zu stellen. Ein Korridor könnte die Strecke via St. Margrethen–Rorschach–Romanshorn–Thurtal sein.
Doppelspur öffnete Schleuse
Die Alarmglocken läuten bei Müller, weil der Ausbau der Seelinie zwischen Rorschach und Romanshorn auf Doppelspur erklärte Option der SBB sei. «Sie darf nicht Eingang finden in die kantonalen Richtplanungen. Sonst wird die Seelinie definitiv eine internationale Güterzugsstrecke.»
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