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Tagblatt Online, 15. Juni 2007 00:30:59

Zugespitzt

Hüllenlos und zugeschandelt

Ich habe wieder einmal alles falsch verstanden. Die vom Schrauben-Urs (Thür) lancierte Idee eines Nackteinkaufs in Rorschach liess bei mir den Hormonspiegel merklich ansteigen. Bis ich darauf hingewiesen wurde, dass weder das Verkaufspersonal noch die Kundschaft hüllenlos durch die Regale flanieren wird. Es handle sich vielmehr um einen Vorschlag für Nachteinkauf in unserem Städtchen.

Neugierig wie ich bin, lasse ich mich gerne für einen Abend auf eine Testeinkaufsnacht ein. Doch ehrlich gesagt verspreche ich mir wenig von dieser Aktion. Dass ich mir an einem Tankstellenshop ein Sixpack Bier kaufe, ist logischer, als dass ich mir einrede, um 22 Uhr in einem Rorschacher Fachgeschäft unbedingt noch eine neue Krawatte erstehen zu müssen.

Da lob ich mir den Bummelsonntag. Zwar sind auch da der Tag des Herrn und die gebotene Ruhe nicht mehr gewährleistet, doch wenigstens ist der Rummel nach einem halben Tag pro Jahr wieder vorbei.

Nicht so beim Nachtverkauf. Müde schleppen sich Verkaufspersonal und Kundschaft Woche für Woche (angezogen) durch die Regale – es sei denn, das von Coop in dieser Woche vorgestellte Selberscannen der Einkäufe durch die Kundinnen und Kunden wird in Rorschach zum Standard. Dies würde das Verkaufspersonal praktisch überflüssig machen. Und wer sich tagsüber im Büro langweilt, kann sich beim Gewerbeverein gleich noch melden, um nächtens in den Verkaufsgeschäften die Gestelle aufzufüllen.

Gar nicht nackt präsentiert sich dieser Tage die Villa Lindenhof. Zugeschandelt von massigen Häuserblöcken, ist für mich diese Überbauung am See ein sichtbares Mahnmal, wie es dereinst im Warteggpark aussehen könnte. Um dies zu verhindern, würde ich mich freiwillig an einen Baum ketten lassen – wenn es sein muss auch hüllenlos. D'Hafeglogge





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