Tagblatt Online, 07. Dezember 2006 00:30:59
Ewig lockt Wartegg-Bauland
Zwei neue Baugesuche für Wohnhäuser im Park und wieder Einsprachen
Rorschacherberg. Für den Bau von Mehrfamilienhäusern im Warteggpark lag ein Gesuch öffentlich auf ? worauf Einsprachen eingingen ? und künden weitere Visiere ein zweites an.
Fritz Bichsel
Das bereits aufgelegte Baugesuch gilt der Baulandfläche südlich des Weges von der Alten Wilenstrasse zum Schloss (der ursprünglichen Zufahrt). Eigentümerinnen dieses Teils sind inzwischen Abess AG, Loyani AG und Licoda AG, bauen will die Genero AG, Tübach: unterhalb der Kapelle und des ehemaligen Swisscom-Gebäudes vier Mehrfamilienhäuser und eine Tiefgarage. Der Umgebungsplan sieht vor, dass im oberen Bereich etliche Bäume gefällt werden, damit mehr freie Fläche zum Bauen entsteht, und dafür Ersatz gepflanzt wird am Rand des Bauareals: gegen die Alte Wilenstrasse und den Von-Blarer-Weg (die heutige Zufahrt ab der Thalerstrasse). Zudem soll der Wilenbach wieder offen gelegt werden.
Sorge um Bäume
Im unteren Teil kämen die beiden in West-Ost-Richtung längs des Weges projektierten Häuser nahe an die Baumallee zu stehen. Naturfreunde befürchten, die geschützten Bäume und besonders ihre Wurzeln würden durch Bauarbeiten geschädigt. Im Umgebungsplan sind spezielle Schutzmassnahmen für diese Bäume und ihre Wurzeln vorgesehen.
Die öffentliche Auflage für das Bauprojekt südlich des Weges ist abgeschlossen. Innerhalb dieser Frist sind gemäss Auskunft der Bauverwaltung Rorschacherberg Einsprachen eingegangen. Im nächsten Schritt hat nun der Gemeinderat zu entscheiden über die Einsprachen und eine allfällige Baubewilligung – sofern der Baumschutz und die besonderen Bauvorschriften im Gestaltungsplan eingehalten sind.
Zweites Bauprojekt
Hinzugekommene Visiere zeigen an, dass auch die weitere Baulandfläche im Warteggpark genutzt werden soll: nördlich des Weges sind ebenfalls Mehrfamilienhäuser ausgesteckt. Hier projektiert eine andere Bauherrschaft. Die öffentliche Auflage ihres Baugesuchs – für Häuser, die bis in die Baumkronen der nördlichen Allee reichen – steht bevor.
Mehrere Projekte gescheitert
Der über hunderttausend Quadratmeter grosse Warteggpark im Osten von Rorschacherberg und teilweise auf Thaler Gebiet war einst als Bauland vorgesehen, und das Schloss sollte abgebrochen werden. Aus einem langen Verfahren auch auf Kantons- und Bundesebene resultierte, dass der Grossteil des Parks und der Baumbestand geschützt ist, das Schloss erhalten bleiben muss und 19 000 Quadratmeter überbaut werden dürfen. Für dieses Bauland blieb es seit Jahrzehnten beim Versuch, Wohnhäuser zu erstellen. Zuerst waren Wohnungen in Verbindung mit Bootsplätzen am nahen Rorschacherberger Seeufer geplant. Neue Eigentümer versuchten es ebenfalls mit Mehrfamilienhäusern, dann teilweise mit Einfamilienhäusern. Dazwischen lehnte die Bürgerschaft – angesichts denkbarer Millionenforderungen – eine Initiative zur Auszonung der Bauflächen ab. Schliesslich lag wieder ein Projekt für 40 Eigentumswohnungen vor. Doch die Nachfrage war zu gering – «wegen der Bäume, die vor Sonne und Seesicht stehen», sagte der Eigentümer. Das Bauland wurde vor fünf Jahren versteigert; die Thurgauer Kantonalbank in Weinfelden als Kreditgeberin musste es selber übernehmen. Jetzt konnte sie es in zwei Teilen verkaufen – an die Swisscanto Anlagestiftung der Kantonalbanken und an die erwähnten Gesellschaften.
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