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Tagblatt Online, 02. Juni 2006 00:30:59

«Eine echte, ernst zu nehmende Alternative»

Bereits heute beherbergt das Alcan-Areal in Rorschach eine Fachhochschule, nämlich jene für soziale Arbeit. Und beim Gang durch die bestehenden Gebäude, vor allem durch das erst im März eröffnete, frisch sanierte Gebäude Süd, das mit Mediathek, Mensa, Cafeteria, Hörsälen, Schulungsräumen und modernster Technik ausgestattet ist, wird leicht erkennbar, wie die bestehenden, grosszügigen Industriegebäude durch geschickte Architektur in lichtdurchflutete Räume umgewandelt werden können, die – auch durch die Farbgebung – ein äusserst angenehmes Wohn- bzw. Lernklima entfalten.

Enormes Sparpotenzial

Eine Subfraktionssitzung der CVP Rorschach/St. Gallen, in genau diesem Gebäude abgehalten, hat laut Thomas Würth denn auch den Ausschlag dafür gegeben, dass die von SP-Kantonsrätin Felicitas Würth eingebrachte Idee, das Fachhochschulzentrum St. Gallen in Rorschach zu realisieren, genauer von der Gruppe, bestehend aus Kantonsräten, Stadtpräsident, Architekt und Investor, geprüft wurde. Felicitas Würth hatte im Vorfeld unter anderem mit dem Baudepartement St. Gallen Gespräche über einen Standort Rorschach geführt, doch habe eine Überprüfung durch den Gewinner des Projektwettbewerbes in St. Gallen ein nur minimales Sparpotenzial ergeben. Dies wohl auch deshalb, da sich das St. Galler Projekt nicht einfach 1:1 auf Rorschach übertragen lässt. Das Ergebnis habe sie nicht befriedigt und nach weiteren Möglichkeiten suchen lassen. Die nachfolgende Zusammenarbeit mit der erwähnten Gruppe und die ausgearbeitete Studie würden ja nun auch ein markant anderes Bild mit doch erheblichem Sparpotenzial durch das Alcan-Projekt aufzeigen.

Verlässliche Kostenschätzung

Dass Rorschach und auch die Region vom Fachhochschulzentrum profitieren würden, wie dies Othmar Thoma von der Selectivbau AG erwähnt, stellt Thomas Würth zwar nicht in Abrede, er stellt aber auch klar, dass der finanzielle Aspekt in erster Linie der treibende Punkt für seine Motivation ist. «Ich war dem Projekt gegenüber zu Beginn sehr kritisch eingestellt, denn der Hauptbahnhof St. Gallen ist ein fantastischer Standort, doch 30 Millionen Franken sind ein Betrag, bei dem ich mich auch als Politiker verpflichtet sehe, den Standort zu hinterfragen.» Bezüglich Kostensicherheit hat man sich bei der Alcan-Studie laut Architekt Hans Bereuter am Wettbewerbsprogramm «Haupt-bahnhof Nord in St. Gallen» orientiert und für Rorschach sogar noch etwas zusätzlichen Raum berechnet. Ausserdem verfüge man über Abrechnungen der bisher erstellten Umbauten, weshalb man sehr genaue Rückschlüsse auf die noch anfallenden Kosten ziehen könne. «Es braucht zwar etwas Vorstellungskraft, um zu erkennen, was aus den alten Industriegebäuden gemacht werden kann, doch das Gebäude Süd zeigt, dass einer modernen und zweckmässigen Nutzung nichts im Wege steht, wobei eine räumliche Grosszügigkeit möglich ist, die bei einem reinen Neubau heute nicht mehr finanzierbar ist.»

Gute Gründe für Rorschach

Damit das Rorschacher Projekt eine Chance hat, darf man es auch nach Meinung von Stadtpräsident Thomas Müller nicht zu einem Standortförderungsprojekt hochstilisieren. Unter dem Gesichtspunkt «Stadt am See» wäre es zwar ein deutlicher Imagegewinn und eine gute Zukunftsinvestition für die Stadt Rorschach, doch auch aus kantonalen Gesichtspunkten gebe es genügend gute Gründe – geringere Kosten, minimiertes Raumrisiko –, um das Fachhochschulzentrum am Bodensee zu realisieren. Nur Wirbel machen des Wirbels wegen wolle man nicht, stellt Thomas Würth klar. Dafür hätten sie weder Zeit noch Energie. Rorschach sei eine echte, ernst zu nehmende Alternative, weshalb man sich entschlossen habe, das Projekt nun an die Öffentlichkeit zu tragen.

Rudolf Hirtl





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