Tagblatt Online, 14. März 2007 00:30:59
Amputation des Warteggparks
Überbauung Warteggpark in SF 1, «Schweiz aktuell»
In der am 9. März auf SF 1 ausgestrahlten Sendung äusserte sich Gemeindepräsident Ernst Tobler dahingehend, dass nicht so sehr die Kostenfolgen einer Rückzonung entgegenstanden, sondern das gute Augenmass eines Bürgerentscheides vom 5. Dezember 1990. Dabei ging es aber sehr wohl ums Geld. Die Umzonungs-Initiative, für die sich auch der Naturschutzverein einsetzte, wurde damals in erster Linie angesichts der immensen Folgekosten abgelehnt. Diese wurden erdrückend an die Wand gemalt.
Auch mehr als ein Jahrzehnt später spielte das Geld wieder eine grosse Rolle. Der Naturschutzverein verfolgte die Vorgänge im Warteggpark auch weiter: bei der Erstellung der Schutzverordnung und bei den Bemühungen um die Überbauung der als Bauland eingezonten Parzellen. Völlig verändert wurde die Situation durch den sehr geglückten restaurativen Umbau und die Neubelebung des Schlosses durch die Familie Mijnssen und ihr kulturelles Engagement.
Dies veranlasste uns, nach dem Scheitern der ersten Überbauungsvorhaben und im Vorfeld der konkursamtlichen Versteigerung der Baulandparzellen am 8. Februar 2002 an den Gemeinderat zu gelangen. Wir haben angeregt, dass sich die Gemeinde an der Freihaltung des gesamten Parkareals engagiere und beantragten die Aufnahme entsprechender Ziele in den neuen kantonalen Richtplan.
Unsere Anregung hatte aber keine Chance. Dies mit dem Verweis auf die «erheblichen finanziellen Folgen». In diesem Zeitraum wäre wohl nicht nur eine Umzonung, sondern gar der Erwerb für relativ wenig Geld möglich gewesen. Von einem guten Augenmass für die Erhaltung eines für die Region einmaligen Kulturgutes war beim Gemeinderat aber nichts zu spüren. Dazu passt unseres Erachtens schlecht, dass sich die Behörden zur Repräsentation gerne des Schloss-Ambientes bedienten. Persönlich empfinde ich das fehlende Engagement der Gemeinde als beschämend undankbar gegenüber den heutigen Schlossbesitzern.
Wir sind überzeugt, die Gemeindebehörden von Rorschacherberg zusammen mit dem Kanton und der Thurgauer Kantonalbank als zwischenzeitliche Eigentümerin hätten es in der Hand gehabt, das Kulturgut Warteggpark aus den Klauen einer blinden und verantwortungslosen Bodenspekulation zu lösen. Nun signalisieren Bauvisiere sichtbar die Zerstörung der repräsentativen Parkanlage. Bei einer Realisierung der Bauvorhaben muss auch mit dem Eingehen der geschützten alten Allee-Bäume gerechnet werden. Heute können alle mit eigenen Augen die Amputation des Warteggparks ermessen. An einem guten Augenmass der Behörden in dieser Sache darf gezweifelt werden. – Oder sorgen sie für das «Wunder»? Oder eine neue Bürgerinitiative?
Peter Unseld Präsident Naturschutzverein Rorschach und Umgebung Sonnenbergstrasse 4 9404 Rorschacherberg
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