Tagblatt Online, 20. Oktober 2007 00:30:59
Lichtblick für den Warteggpark
Gemeinde arbeitet an Lösung, die sowohl Recht auf Bauland als auch Wunsch nach Freihaltung des Parks erfüllt
Park und Freiraum ums Schloss bewahren: Von den beiden Projekten für Mehrfamilienhäuser soll mindestens dieses im südlichen Teil nicht hier verwirklicht werden, sondern ausserhalb von Wartegg.
Rorschacherberg. Seit einem Jahr läuft ein weiterer Versuch, im Warteggpark zu bauen ? und wird aufgerufen, das zu verhindern. Die Gemeinde verhandelt über Alternative mit Bauland ausserhalb des Parks, die sie mitfinanzieren würde.
Fritz Bichsel
Die neuen Eigentümer, die für die beiden rechtsgültigen Bauflächen im Park mehrere Millionen Franken bezahlten, müssen ihr Recht ausüben können, Mehrfamilienhäuser zu bauen. Aber auch der verbreitete Wunsch, den Park und das Schloss vor Neubauten zu verschonen, soll möglichst erfüllt werden. Das ist das Ziel der Standortgemeinde Rorschacherberg. Was wie die Quadratur des Kreises klingt, geht der Gemeinderat mit einem nicht alltäglichen Vorschlag an, vorerst für etwa die Hälfte des Baulandes, für die Parzelle südlich der früheren Zufahrt zum Schloss. Vermittelt durch die Gemeinde sollen die Eigentümer andernorts in Rorschacherberg gleich viel Bauland erhalten.
Günstiger als Auszonung
Solches verschenkt niemand. Also wird ein Aufpreis fällig für diese Alternative zu Bauten im Park. Um sie zu ermöglichen, würde die Gemeinde mitfinanzieren, ist von Gemeindepräsident Ernst Tobler zu erfahren. Weil weitere Verhandlungen nötig sind, kann er über das Ersatz-Bauland, das Privaten gehört, noch nicht informieren und ist noch offen, wie viel die Gemeinde zahlen müsste. «Sicher wäre es deutlich weniger, als wenn wir Bauland im Park kaufen würden, um es freizuhalten, oder wenn wir die Eigentümer für eine Auszonung entschädigen müssten.» Weiter zur Finanzierung beitragen könnte, im Park noch den Bau eines Einfamilienhauses zu ermöglichen. Wenn die Ersatzlösung gelingt, kann diese Parzelle weitgehend oder ganz umgeteilt werden von der Bau- in die Grünzone.
«Und dann ist auch eine Alternative zur geplanten Überbauung im nördlichen Teil nicht ausgeschlossen», sagt der Gemeindepräsident. Mit «hoher Intensität» arbeite die Behörde vorerst an der Lösung für den südlichen Teil, wo Neubauten das Schloss stärker beeinträchtigen würden.
Zwei Verfahren gleichzeitig
Rechtlich ist die Situation einigermassen klar: Es besteht ein Gestaltungsplan, der öffentlich aufgelegt war und akzeptiert wurde. Wenn die beiden Baugesuche diesem Plan und den weiteren Bauvorschriften entsprechen, muss der Gemeinderat Baubewilligungen erteilen. Allerdings: Der Gestaltungsplan ist über zehn Jahre alt, womit er geändert werden könnte. Und gegen die Bauprojekte erheben Anstösser und Heimatschutz Einsprache. Nach langem Verfahren dürfte allenfalls etwas weniger gebaut werden.
Politisch geht es um mehr. Bürger, Parteien und Umweltverbände rufen auf, den Park ganz zu erhalten. 1300 «Freunde von Wartegg» bekräftigen das mit ihrer Unterschrift. Auch der Gemeinde ist es ein Anliegen, dass der Betrieb des zu einem Hotel umgebauten Schlosses möglichst nicht beeinträchtigt wird.
Der Gemeinderat prüft die Baugesuche gemäss gesetzlicher Pflicht. Er beschränkt sich aber nicht darauf. «Wir schliessen aus der Stimmung, dass der Bevölkerung die Erhaltung des Warteggparks ein wichtiges Anliegen ist, und versuchen, das zu einem tragbaren Preis zu ermöglichen», sagt Ernst Tobler. Parallel wird deshalb an Ersatzlösungen gearbeitet.
Rechtlich allseits absichern
Die gesetzlichen Vorgaben lassen dafür nicht mehr viel Zeit. Bis dahin muss auch rechtlich abgesichert sein, dass die Eigentümer für Bauten auf Boden ausserhalb des Parks die Bewilligung erhalten und die Gemeinde Bauland im Park ohne Entschädigungspflicht auszonen kann. Änderungen am Zonenplan und je nach Höhe auch der Kredit müssen der Bürgerschaft vorgelegt werden.
Die Parteien
informieren
Dass der Warteggpark «vor einer Überbauung möglichst geschützt wird», ist auch ein Anliegen der Parteien von Rorschacherberg. CVP, FDP, SP und SVP laden auf Donnerstag, 25. Oktober, 20 Uhr im Haus zum Seeblick ein zu Information durch Fachleute. Dabei geht es um Grundsätzliches: Geschichte von Wartegg, Garten-Denkmalpflege, Bedeutung von Überbauungs- und Gestaltungsplänen. (fbi.)
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