Tagblatt Online, 07. Juli 2007 00:30:59
«Eine nicht gerade einfache Situation»
Freunde des Warteggparks überreichen dem Gemeinderat 1331 Unterschriften
Gemeindepräsident Ernst Tobler nimmt die Unterschriftenliste von Felicitas Würth-Zoller entgegen. (Bild: Bild: Arne Goebel)
Rorschacherberg. Der Gemeinderat ist in der Zwickmühle: Es gilt sowohl die Interessen der Öffentlichkeit als auch jene der Grundeigentümer zu wahren, wie sich anlässlich der Übergabe der Unterschriftenliste zeigte.
Arne Goebel
Der Einstieg ist feierlich. Im Foyer des Schlosses Wartegg umrahmt das Trio Meridian die Unterschriftenübergabe der Freunde des Warteggparks an Vertreter des Gemeinderats und den Schlossbesitzer musikalisch. Und tatsächlich gibt es für die Initianten Grund zum Feiern: Mehr als 1300 Unterschriften haben die Freunde des Warteggparks bis zum Donnerstagnachmittag gesammelt – ein respektables Etappenziel.
Auch Nachbarn unterschreiben
Farbige Wimpel, die die Namen der Unterschreibenden tragen, flattern im Schlosspark an Leinen entlang der Allee zwischen den beiden Bauparzellen. «Sie werden noch einige Zeit dort hängen bleiben», sagt Mitinitiantin Eva Lobeck und fügt hinzu: «Wir sammeln weiter, bis eine befriedigende Lösung gefunden wurde.» Die Unterschriftenliste, die Peter Unseld, Präsident des örtlichen Naturschutzvereins und Freund des Warteggparks, im Frühjahr startete, erzeugte Resonanz in der Schweiz und im benachbarten Ausland – es kamen mehr als 500 Unterschriften zusammen. In Rorschacherberg wurden zudem 254, in den Nachbargemeinden 340 und in St. Gallen 209 Unterschriften gesammelt. Der Ordner mit den Adresslisten und Unterschriften ist einsehbar. «Wir wollen nicht die Faust im Sack machen und anschliessend auf den Gemeinderat schimpfen», begründet Eva Lobeck die Initiative.
CVP-Kantonsrätin Felicitas Würth-Zoller bezeichnet Schloss Wartegg mit dem Park als geschichtsträchtigen Ort und lobte die Besitzer Angelika und Christoph Mijnissen für die stilvolle Renovation des Gebäudes in den Neunzigerjahren. Der Gemeinderat trage Verantwortung für die Entwicklung der Gemeinde und die Mitgestaltung der Region. «Wenn früher die Bedeutung der Anlage anders eingeschätzt worden ist, so muss das jetzt korrigiert werden», betont Felicitas Würth-Zoller.
Von öffentlichem Wert
Spätestens seit dem europäischen Gartenjahr seien breite Teile der Bevölkerung für die Erhaltung solcher Parks sensibilisiert. Man erkenne den Wert dieser Anlagen für die Öffentlichkeit. «Wir wollen den ganzen Park ohne Überbauung erhalten», so das Ziel. Es gebe genügend Bauland in der Gemeinde, man müsse keine Parklandschaften an historischen Orten überbauen. Mit der Übergabe der Unterschriften «wollen wir den Gemeinderat bestärken, eine kluge umsichtige Lösung für den früheren Kompromiss zu finden. Der frühere Grund zur Einzonung zur Rettung des Schlosses ist heute hinfällig», betont Felicitas Würth-Zoller und spielt auf die ursprüngliche Idee an, die Sanierung des Schlosses durch eine Überbauung zu finanzieren.
Gemeindepräsident Ernst Tobler nahm die Namenliste von Felicitas Würth-Zoller entgegen. «In der Tat präsentiert sich dem Gemeinderat eine nicht gerade einfache Situation», erklärt Tobler in seiner Ansprache. Auch der Gemeinderat ist um eine Lösung bemüht, um die Interessen der Öffentlichkeit bestmöglich zu wahren. Daneben geht es auch um diejenigen der Grundeigentümer, die Bauland gekauft haben, um es zu bebauen. «Ich kann Ihnen mitteilen, dass sich für Wartegg Süd eine Ersatzlösung abzeichnet. Wenn dies gelingen würde, wäre der Gestaltungsplan ganz oder teilweise hinfällig.» Für den nördlichen Teil bestehe ein Anspruch auf Baubewilligung. «Ich stehe unter dem Eindruck, dass die Grundeigentümerin unter Umständen auch bereit wäre, das Land zu verkaufen und das Gebiet nicht zu überbauen», hält der Gemeindepräsident fest. Seit längerem halte er Ausschau nach Interessenten. Auf Nachfrage grenzt Tobler den Wert des Baulandes auf einen einstelligen Millionenbetrag ein.
Mit Herz, Hand und Verstand
Schlossbesitzer Christoph Mijnissen dankt dem Gemeinderat, dass er die Anliegen ernst nehme. Er wünscht sich, dass beim Warteggpark neben Herz, auch Hand und Verstand eingesetzt werden. «Der Park soll in seiner Struktur erhalten bleiben – aber es sind grosse Gelder investiert worden. Die Landbesitzer haben den Preis gezahlt und ein Anrecht auf eine Entschädigung.»
Eva Lobeck bezeichnet das Vorhaben als eine komplexe Sache, die mit Begeisterung allein kaum zu lösen ist. Bereits vor fünf Jahren habe Naturschutz-Präsident Peter Unseld in einem Brief an den Gemeinderat den Antrag gestellt, die integrale Erhaltung des Warteggparks in den Richtplan der Gemeinde aufzunehmen. «Wir hoffen, dass wir nun fünf Jahre später einen neuen Kurs zu Erhaltung der gesamten Anlage einschlagen können», so Eva Lobeck.
Stichwort
Initiative
Die Freunde des Warteggparks haben sich den integralen Erhalt der historischen Parkanlage zum Ziel gesetzt. Nachdem Visiere im westlichen Parkteil für Verunsicherung gesorgt hatten, wurde Mitte April an einer Führung durch den Warteggpark eine Unterschriftensammlung gestartet. Als Etappenziel vor den Sommerferien wurden am Donnerstagnachmittag die Namenlisten Vertretern des Gemeinderates sowie den Schlossbesitzern übergeben. (goe)
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