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Tagblatt Online, 30. März 2007 00:30:59

Gesundheit ist auch Firmensache

Der Kanton St. Gallen forciert das betriebliche Gesundheitsmanagement

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Gesundheitschefin Heidi Hanselmann im Gespräch mit Präventionsfachfrau Annette Nitsche und Präventivmediziner Gaudenz Bachmann. Links Zepra-Leiter Stefan Christen.

St. Gallen. Ein Unternehmen, das etwas für die Gesundheit seiner Mitarbeitenden tut, hat auch selber einen Nutzen ? gesündere Mitarbeiter, weniger Ausfallzeiten, ein gutes Arbeitsklima, eine höhere Produktivität.

Markus Löliger

Eine alte Volksweisheit sagt, Arbeit sei das halbe Leben. Die St. Galler Gesundheitschefin Heidi Hanselmann geht einen Schritt weiter: «Heute ist es mehr. Karriere und Erfolg im Beruf sind für viele Menschen zum Lebensinhalt geworden.» Auf der Strecke blieben dann meist die Lebensqualität und die eigene Gesundheit. Dieses Zusammenspiel von Arbeit und Gesundheit endet für die Arbeitenden nicht selten negativ – mit Stress, in einem Burn-out, mit einem Herzinfarkt oder Stellenverlust. Dem wollen der Kanton St. Gallen und das neu gegründete «Forum Betriebliches Gesundheitsmanagement im Kanton St. Gallen» etwas entgegenstellen.

Gestern hat sich das Forum an der nationalen Tagung für betriebliche Gesundheitsförderung an der Universität erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

«Wissen schafft Gesundheit»

Gesundheitschefin Heidi Hanselmann ist im Beirat des neuen Forums, weil sie von der betrieblichen Gesundheitsförderung überzeugt sei: «Wissen schafft eben nicht nur Macht, sondern auch Gesundheit. Und weil gesunde, sich wohl fühlende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bessere Leistungen erbringen, entsteht bei dieser Förderung eine echte Win-win-Situation.» Die Regierungsrätin geht auch im eigenen «Unternehmen» mit gutem Beispiel voran: Heute ist die Verwaltung rauchfrei, Sicherheit wird geschult, die Arbeitsplätze regelmässig überprüft. Hanselmann hat vor einiger Zeit die Regierungsrats- und viele Kantonsratsmitglieder auf die Waage gebracht zur Feststellung des Body-Mass-Indexes, sie hat der Regierung – als «Motivation für Bewegung» – Schrittzähler verpasst und sie kürzlich in corpore zum Unterricht in Herzdruckmassage und Beatmung in die Notfallaufnahme des Kantonsspitals geführt.

Gesundheitsvorsorge liegt der Gesundheitschefin zweifellos im Blut und am Herzen. Sie freut sich deshalb auch besonders über den Start des neuen Forums, das sich mit seinen Botschaften an alle 23 000 KMU (Klein- und Mittelgrosse Unternehmen) im Kanton St. Gallen richtet: «Die betriebliche Gesundheitsförderung ist jetzt umfassend aufgegleist und gut gestartet. Ich bin sehr optimistisch, dass sie ihre Ziele erreichen wird.»

Latte hoch gelegt

Ihre Ziele hat die Gesundheitschefin hoch gesteckt: Sie sei zufrieden, wenn die Hälfte der 23 000 Unternehmen informiert sind und sich diese «aktiv Gedanken über die Vorsorge im eigenen Betrieb machen».

Annette Nitsche von der kantonalen Fachstelle Zepra und fachliche Leiterin des Forums Betriebliches Gesundheitsmanagement hat insbesondere die Unternehmen mit 50 bis 250 Mitarbeitenden im Visier. Die grösseren Unternehmen haben die Gesundheitsförderung und deren Vorteile für Mitarbeitende und Unternehmen längst entdeckt.

Dennoch – die Information der KMU-Betriebe sei «intensive Arbeit, weil der Nutzen nicht so offensichtlich ist», weiss Nitsche aus vielen Gesprächen mit Unternehmern. Das sei auch einer der Gründe für die Bildung des Forums. Nitsche: «Dem Gesundheitsmanagement kommt in der Arbeitswelt eine neue, wichtige Rolle zu. Mit dem Forum soll dies unterstützt und gefördert werden.»

Eine Allianz der Information

Erfahrungen aus andern Kantonen und Ländern zeigten, sagt der kantonale Präventivmediziner Gaudenz Bachmann, dass die Ziele der Prävention besser erreicht werden könnten, wenn sich die verschiedenen Beteiligten – Unternehmer, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Fachleute aus Bildung und Forschung – zusammenschliessen.

Diese Allianz der Akteure im Kanton soll mit dem Forum erreicht werden. Das Forum versteht sich als Plattform für Information und Vermittlerin von Wissen, nicht aber als direkte Anbieterin von Leistungen an interessierte Unternehmen, sagt Annette Nitsche. Das Forum vermittelt aber Adressen und Kontakte zu Fachinstitutionen in den verschiedensten Bereichen – von der Veränderung betrieblicher Arbeitsbedingungen und Strukturen bis zu individuellen Verhaltensänderungen der Mitarbeitenden.


Lohnende Balance

Die Nationale Tagung für betriebliche Gesundheitsförderung an der HSG hatte die «Work-Life-Balance als Gewinn für Betriebe und Mitarbeitende» zum Thema. Weil es immer schwieriger werde, diese Balance zu halten, zeigten gestern Fachleute praxisgerechte Methoden und Beispiele, deren Realisierung sich auch wirtschaftlich lohne. (lö)





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