Tagblatt Online, 10. August 2006 00:30:59
Lichtensteiger Festival-Viren
Die Jazztage Lichtensteig - Ein Festival schreibt Geschichte
Lichtensteig. Am Wochenende finden in Lichtensteig die 18. Jazztage statt. Das stimmige Städtchen-Festival hat überregionale Bedeutung und langjährige Tradition.
Bettina Minder
Insgesamt rund 6000 Besucher zählt das Festival jährlich. Für einmal ist es also nicht die Grösse des Anlasses, welche zum Erfolg geführt hat. Im Gespräch mit dem Festival-Direktor Ueli Mauerhofer und dem Musikalischen Leiter Geni Scherrer nennen diese das Motto «Mehr Qualität statt Quantität» ihr Erfolgsrezept. Mit kontinuierlicher Arbeit und viel Herzblut habe die Leitung dem Festival einen festen Platz im Veranstaltungskalender der Ostschweiz gesichert, sagt Patrick Hartmann, Geschäftsleiter von Toggenburg Tourismus.
Nach zehn Jahren am Zenit
Rund zehn Jahre nach dem legendären Abendspaziergang, welcher zur Idee des Städtchen-Festivals geführt habe, sei grössenmässig der Zenit des Anlasses erreicht gewesen, erklärt Ueli Mauerhofer. Mit maximal neun Bühnen waren alle verfügbaren Plätze und Säle des Städtchens für Konzerte genutzt. Räume ausserhalb der Altstadt kamen für die Leitung nicht in Frage: «Das Festival lebt von der einmaligen Atmosphäre des mittelalterlichen Städtchens mitten in den Hügeln des Toggenburgs», sagt Scherrer. Stattdessen setzten die Organisatoren auf Verbesserungen im Programm und in der Infrastruktur.
Tradition und Veränderung
Nach den Anfangsjahren öffnete Scherrer das musikalische Programm für Ergänzungen aus Folklore, dem Afro- oder Latin-Jazz und später auch für Schweizer Mundartrock und Pop. Am Grundkonzept mit traditionellem Jazz, Blues, Swing und Dixieland hielt man fest.
Nicht nur musikalisch setzen die Jazztage auf Tradition: Die Festivalleitung ist seit den Anfängen im Jahre 1989 dieselbe, und die Mehrzahl der rund 300 freiwilligen Helfer gehört seit langen zur Crew. «Irgendwann Anfang Jahr packt einen jeweils der Festival-Virus», erklärt Mauerhofer sein langjähriges Engagement.
Inzwischen sind die Jazztage zum wichtigsten Anlass im Jahr avanciert, dem die Lichtensteiger mit einem Eintrag in die Chronik des Internetportals des Städtchens Ehre erweisen.
Auch wenn nach Festivalende regelmässig Katzenjammer herrscht im OK – Mauerhofer und Scherrer denken nicht ans Aufhören. Musikalisch, so Scherrer, gäbe es noch einige offene Wünsche zu erfüllen.
Musik und mehr
Lichtensteig ist nicht nur für Musikfans eine Destination am Wochenende: «Manche ignorieren das offizielle Musikprogramm und geniessen schlicht die Atmosphäre in den Gassen.» Dabei sind längst nicht alle Gäste aus der Ostschweiz: «Leute reisen aus Süddeutschland, dem Vorarlberg, dem Welschland oder beispielsweise aus Berlin an», sagt Mauerhofer. Neben dem kulturellen Anlass profitiert Lichtensteig auch in wirtschaftlicher sowie in touristischer Hinsicht.
Die Vorbereitungen in Lichtensteig laufen auf Hochtouren. Zeit für den Besuch eines ganzen Konzertes werden Scherrer und Mauerhofer wahrscheinlich auch dieses Jahr kaum haben.
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