Tagblatt Online, 13. August 2007 00:30:59
Inspiration und Improvisation
19. Jazztage Lichtensteig mit Zuschauererfolg
Indianischer Krieger: Norman Caesar, Keyboarder von Cyrill Nevilles Tribe 13. (Bild: Bild: Michael Hug)
LICHTENSTEIG. Zwei Abende und ein Vormittag, 27 Bands und acht Bühnen sowie Lichtensteigs Strassen sorgten am vergangenen Wochenende für ein rundum geglücktes Jazzfestival.
MICHAEL HUG
Headliner Vaya con Dios (Geh mit Gott) und beinahe göttliches Wetter sorgten für einen Zustrom, der über die drei Tage für mehr als 5500 zahlende Zuschauer sorgte. Doch insgesamt ist es wohl die Musikstil-Mischung im Programm, die für den regen Zuspruch des Publikums aus dem Toggenburg und aus der Region verantwortlich war. Acht Bühnen und der Platz davor, beides an Örtlichkeiten, die durch ein fest gebautes oder ein temporär erstelltes Dach vor etwaiger Wetterunbill geschützt sind, und die dazwischen liegenden Lichtensteiger Altstadtstrassen nahmen die Musikfans problemlos auf. Kleine Staus an den Eingängen und damit verbundener kurzzeitiger Ärger wurden durch die Alternativen im musikalischen und kulinarischen Programm schnell aufgelöst.
Headliner Geh mit Gott
Vaya con Dios hat sich in seiner ursprünglichen und äusserst erfolgreichen Zusammensetzung 1996 aufgelöst. 2004 hat sich Dani Klein, Belgierin und Stimme der damaligen Band, mit einer Handvoll neuer Musiker und den alten Songs selbständig gemacht. Mit dem neu arrangierten Material tourt sie nun «akustisch» durch die ganze Welt. Akustisch – für Klein bedeutet das nicht unplugged, sondern Konzerte im kleineren oder mittleren Rahmen. Diesen Rahmen bot ihr der Saal der «Krone» – für die Jazztage jeweils umbenannt in «Jazz Hall». Der Saal für etwa 400 stehende Personen bot diese gewünschte intime Atmosphäre – auch wenn sich Bewegungen im Publikum durch interessierten Neuzustrom und desinteressierte Abwanderung an einem Festival mit mehreren gleichzeitig stattfindenden Konzerten nicht vermeiden lassen.
Brennend vor Neugierde
Der Auftritt Dani Kleins in Lichtensteig bedeutete für viele ein kostengünstiges Erlebnis ohne langen Anfahrtsweg. Sie bot ihren Fans, was diese brennend erwarteten: Welthits wie «Nah Neh Nah» oder «Puerto Rico».
Auch einer wie Cyrill Neville, Jüngster der Neville Brothers, ist nicht alle Tage so hautnah anzutreffen. Er beehrte am Freitagabend mit seiner Band Tribe 13 (Stamm 13) das Publikum. Neville und sein Gitarrist Papa Mali gaben einen schwer einzuordnenden, aber höchst inspirierten Funk zum Besten, der der zierlichen und stimmgewaltigen Belgierin einen Kontrapunkt entgegensetzte. Ebenfalls im Kronensaal spielten, sangen und improvisierten auch der italienische Bluesgitarrist Rudy Rotta und die Newcomerin Jamie Wong-Li, die aus Hongkong stammt, aber den grössten Teil ihres Lebens im Bernbiet verbracht hat.
Jazzclub organisiert
Organisator des Grossanlasses mit rund 300 Helferinnen und Helfern ist der örtliche Jazzclub. Ueli Mauerhofer, Vorstandsmitglied und OK-Präsident, war am Sonntagvormittag zufrieden: «Das Wetter hat mitgespielt und für 5500 Zuschauer gesorgt. Dies wird sich auch in der Kasse bemerkbar machen!» Obwohl die Jazztage kein typischer Open-Air-Event sind, trägt das Wetter zum Erfolg bei, da sich die Festivalbesucher nicht ausschliesslich und permanent der Musik widmen, sondern den Anlass auch als gesellschaftliches Ereignis verstehen. Dazu beigetragen haben auch die zahlreichen Verpflegungsstände und die kostenlosen Sitzgelegenheiten unter den Lauben an Lichtensteigs Hauptgasse.
Laut Mauerhofer ist der Anlass ohne nennenswerte Zwischenfälle verlaufen. Dies, obwohl die Verkehrssituation im Städtli keine einfache sei und gewisse Strassen dem mobilen Verkehr entzogen würden. Das gelte allerdings nicht für die Durchfahrt zur Wasserfluh und damit die kürzeste Verbindung nach St. Gallen, die sich nicht sperren lasse. Das führt zur Tuchfühlung zwischen dem Verkehr und dem Publikum, das zwischen den Konzertorten in der Altstadt und zwei weiteren unmittelbar daneben hin- und herpendelt. Die Auflagen der Behörden bezüglich Sicherheit seien immer umfangreicher, lässt Mauerhofer durchblicken. Trotzdem wird im nächsten Jahr der 20. Durchlauf der Lichtensteiger Jazztage stattfinden. Start ist am 8. August – just zu Beginn der Olympischen Spiele.
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