Tagblatt Online, 04. Mai 2007 00:30:59
Ein Liebespaar für Peking
In Lissabon beginnt für Reto Hug und Nicola Spirig die europäische Weltcup-Saison
Nicola Spirig und Reto Hug: Die gegenseitige Unterstützung wirkt leistungsfördernd. (Bild: Bild: Urs Huwyler)
Triathlon. Obwohl Reto Hug und Nicola Spirig ein Paar sind, zusammenleben und oft zusammen trainieren, starten sie am Sonntag aus unterschiedlichen Positionen zum Weltcup in Lissabon.
Urs Huwyler
Der WM-Zweite Reto Hug weiss derzeit nicht, was auf ihn zukommt. Die Trainingsleistungen lassen auf einen hochstehenden Wettkampf hoffen. «Doch weil die Vergleiche fehlen, weiss ich nicht, wo ich wirklich stehe.» Eher unkonventionell steigt er mit einem Weltcup-Rennen in die Saison ein. «Normal ist das nicht. Aber wegen der Physiotherapie-Ausbildung muss ich Kompromisse eingehen.» Wobei Reto Hug, der in Buchs aufgewachsen ist, seit Ende des Praktikums wieder etwas mehr Luft hat.
Seine studierende Freundin Nicola Spirig kann das Zeitmanagement etwas ruhiger angehen. Sie hat mit dem sechsten Rang am Weltcup in Japan bereits einen Anhaltspunkt. «In Lissabon gilt es das Resultat zu bestätigen», sagt die 25-Jährige. Die Steigerung im Schwimmen und ihre ausgezeichnete Form auf dem Velo lassen sie hoffen. «Ich habe nun die Möglichkeit, mit der ersten Gruppe aus dem Wasser zu kommen. Das eröffnet mir neue Perspektiven.»
Mit Kompromissen leben
Im Winter waren die österreichischen Skirennfahrer Benjamin Raich und Marlies Schild als Liebespaar mit guten Resultaten in den Schlagzeilen. Die Schweizer Triathlon-Antwort auf Raich/Schild ist auf dem besten Weg, ebenfalls gemeinsam Erfolg zu haben. «Ich laufe mich jeweils nahe der Strecke warm, um das Frauen-Rennen am Rande mitzuverfolgen», sagt der 32-jährige Hug und bedauert, Nicola im Ziel nicht empfangen zu können. Sie wiederum kann mitfühlen, was er mit der Doppelbelastung auf sich nimmt. Oft ist jede Minute durchgeplant. Weil er sich in der Schule nicht einfach abmelden kann, fliegt das Duo von Lissabon aus nach Hause, bevor es am Donnerstag zum Weltcup nach Südafrika geht. «Wer Triathlon betreibt, muss mit Kompromissen leben lernen. Es ist unmöglich, alle Disziplinen gleich intensiv zu betreiben», sagen die beiden in Dielsdorf wohnhaften Athleten.
Komfortable Ausgangslage
Die auf Berufssportler ausgerichtete Terminplanung des Weltcups nimmt keine Rücksicht auf die Situation bei Hug und Spirig. Die Athletinnen und Athleten reisen jeweils für ein Rennen quer durch die Welt. Von Australien via Japan nach Lissabon, via Südafrika nach Madrid, von dort nach Kanada, die USA, zurück nach Kanada und wieder Europa (Kitzbühel). Ab September geht es nach Peking, Brasilien, Mexiko und Israel. Weil seit Monaten die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Peking 2008 die Planung jedes Sportlers bestimmt, gibt es den Zwang, präsent zu sein und Punkte zu sammeln. «Aufgrund der bisherigen Resultate können wir die Olympia-Selektion aus eigener Kraft schaffen. Das ist eine komfortable Ausgangslage», sagen die beiden. Sowohl Nicola Spirig als auch Reto Hug zählen in der Schweiz zu den besten drei. Ein Trio sollte pro Disziplin für Peking selektioniert werden.
«Vorne mitmischen»
Im Hause Hug/Spirig, also dort, wo das Privatleben oft etwas zu kurz kommt, dreht sich sportlich schon fast alles um Olympia. Bei Olympischen Spielen dabei gewesen sind beide schon. Hug hat ein Diplom mit nach Hause gebracht, doch das reicht ihnen nicht. «Wir wollen in Peking nicht nur dabei sein, sondern vorne mitmischen. Dafür nehmen wir einiges auf uns.» Raich/Schild haben es aufgrund ihres Umfeldes und der Voraussetzungen einfacher. Martina Hingis und Radek Stepanek auch. Dafür sei, sagen die Triathleten, die Genugtuung umso grösser, wenn beide ihre Ziele trotz eines nicht immer stressfreien Lebens nach 1,5 km Schwimmen, 40 km auf dem Velo und 10 km laufend erreichen würden. Die gegenseitige Unterstützung, das Wissen, jemanden um sich zu haben, der nachvollziehen könne, was in einem abgehe, wirke sich leistungsfördernd aus. Vielleicht auch in Lissabon.
Triathlon in Stettfurt
Wer von der Schweizer Triathlon-Elite nicht beim Weltcup in Lissabon an den Start geht, bestreitet kommenden Sonntagnachmittag ab 14.30 Uhr zum nationalen Saisonauftakt den Thurgauer Triathlon in Stettfurt. Gemeldet sind in Abwesenheit von Titelverteidigerin Nicola Spirig die Spitzenathleten Stefan Riesen und Ronnie Schildknecht. Weil die Athleten drei Runden à 200 Meter Schwimmen, acht Kilometer Velo und zwei Kilometer Laufen zurückzulegen haben, ist der Kurz-Triathlon auch für die Zuschauer attraktiv. (uhu)
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