Tagblatt Online, 26. November 2005 00:30:59
«Fachkompetenz versammelt»
Die St. Galler Gesundheitschefin Heidi Hanselmann zum neuen Verwaltungsrat für die Spitäler
St. Gallen. Der neue Verwaltungsrat über die vier Spitalregionen muss vielen Ansprüchen genügen. Die Fachkompetenz stand zuoberst, sagt Heidi Hanselmann, die das Gremium präsidieren wird. Wichtig sei ihr zudem die Innen- und Aussensicht gewesen.
Markus Löliger
«Es war eine grosse Herausforderung, den neuen Verwaltungsrat zusammenzustellen», sagt Heidi Hanselmann. «Es war aber kein Alleingang. Wir arbeiteten im kleinen Team und holten bei Bedarf Unterstützung von aussen.» Man spürt es im Gespräch: Die Gesundheitschefin und VR-Präsidentin von Amtes wegen freut sich auf die neue Aufgabe mit ihren Verwaltungsratsmitgliedern. Und «glücklich» ist sie, dass ein Drittel Frauen sind – «das brauchte einige Anstrengungen».
Zu den bekannten Vorgaben – medizinische, pflegerische, unternehmerische, ökonomische und juristische Fachkompetenz, angemessene Vertretung der Regionen und der Frauen – setzte Hanselmann zwei weitere hinzu: Die Innen- und die Aussensicht sollen im Gremium vertreten sein. Dieses soll einen Neustart signalisieren – Leistungskonzentration statt Spitalschliessungen. «Es ist wichtig, mit einem unbelasteten Verwaltungsrat in eine neue Ära starten zu können. Grundlage der Arbeit ist der Kantonsratsentscheid, das Gesundheitswesen ohne Spitalschliessungen weiterzuführen.» Das sei auch für das Personal ein wichtiges Signal.
Erfahrung mitnehmen
Aus den vier bisherigen Verwaltungsräten, die per Ende Jahr aufgelöst werden, sind lediglich zwei Personen im neuen Gremium. Beide kommen aus der Spitalregion St. Gallen-Rorschach, wo Spitalschliessungen nie ein Thema gewesen sind.
Leodegar Kaufmann und Guido Sutter sitzen wegen ihrer hohen Fachkompetenzen im Finanz- und Rechnungswesen im neuen VR. «Sie haben hervorragende Arbeit geleistet und bringen Erfahrungen aus dem grössten Spital mit.» Dieses Wissen sei für alle Spitalregionen von grossem Nutzen. Zudem, sagt Hanselmann, «können wir dank diesem Wissen ohne Verzug weiterfahren».
Bruno Urban Glaus ergänzt die Kompetenzen der beiden Bisherigen mit zusätzlichem Wissen und Erfahrungen im unternehmerischen und Finanz-Bereich.
Erfahrungen anderer Art bringen Monika Stalder und Hugo Gmür mit. Gmür als zuweisender Arzt kenne die «Schlüsselstelle zwischen Arzt und Spital, eine sehr wertvolle Erfahrung», sagt Hanselmann. Praxiserfahrung bringe Monika Stalder aus Spital und Spitex mit. Zudem habe sie einen Leistungsausweis aus der erfolgreichen Umstrukturierung eines Alters- und Pflegeheimes.
«Auswärtiger» Glücksfall
Neben der Innensicht ist Heidi Hanselmann die Aussensicht im Verwaltungsrat wichtig. «Es geht hier um Kenntnisse und Erfahrungen mit andern Gesundheitssystemen, um Vergleiche ziehen oder von den Erfahrungen andernorts lernen zu können.» Die drei auswärtigen Mitglieder des strategischen Führungsgremiums seien aber nicht «fremd», sondern hätten hier persönliche oder berufliche Wurzeln.
Hans Felix Sennhauser wohnt noch in St. Gallen und ist ärztlicher Direktor der Universitäts-Kinderklinik in Zürich. Er hat dort solche Projekt umgesetzt, wie sie nun in St. Gallen anstehen. «Das ist wertvolles Wissen und wichtige Erfahrung in der Umsetzung», sagt Hanselmann.
Erfahrungen in Personalführung – «auch in struben Zeiten» – bringt Walter Kohler mit, der zudem als KPT-Direktor Krankenkassen-Erfahrung hat. «Das ist wichtiges Know-how für die Verhandlungen mit den Krankenkassen. Sein Wissen als Wirtschaftsmediator ist im Personalbereich hilfreich, nicht nur bei Umstrukturierungen.»
Als «Glücksfall» bezeichnet die Gesundheitschefin, «dass wir für die Aussensicht der Pflege eine Wissenschafterin gefunden haben, die auch andere Gesundheitssysteme aus eigener Anschauung kennt». Bettina Kuster habe diese Kompetenzen und verbinde sie mit Praxiskenntnissen und mit den Erfahrungen, wie neue Systeme im Gesundheitswesen gestartet werden.
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