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Tagblatt Online, 17. April 2007 00:30:59

Opposition gegen Parküberbauung

Zwist um geplante Wohnüberbauung nahe beim Rorschacherberger Schloss Wartegg

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Bauprojekte gefährden die zum Schloss Wartegg hinführenden Alleen. (Bild: Bild: Ruedi Hirtl)

Das Schloss Wartegg in Rorschacherberg ist seit bald zehn Jahren ein beliebtes Tagungs- und Ferienhotel. Westlich des Schlosses stehen im Park neuerdings Visiere für eine Wohnüberbauung. Opposition wird laut.

Ren HORNUNG

Als in den späten 70er-Jahren das Schloss Wartegg oberhalb von Staad immer mehr zur Ruine zerfiel, kam es zu verschiedenen Rettungsversuchen. Mehrmals ging es um die Frage, ob im Park das Bauland ausgezont oder umgekehrt noch mehr Bauland eingezont werden solle. Schliesslich blieb es wie zuvor: Bauland - in der Zone für zweigeschossige Bauten - im westlichen Teil. Der grössere Ostteil des Wartegg-Parks wurde als Grünzone ausgeschieden. Mit einer teilweisen Überbauung könne das Schloss gerettet werden, so hegte man damals die Hoffnung.

Mehrere Projekte ausgearbeitet

Zur Überbauung des eingezonten Teils kam es bisher nicht, obwohl dafür im Lauf der Jahre mehrere Projekte ausgearbeitet wurden. Im Gegenzug gab es auch immer wieder Bemühungen zur Erhaltung der Gesamtanlage. 1990 wurde aber eine Volksinitiative wuchtig verworfen, die die Gemeinde Rorschacherberg verpflichten wollte, das ganze Parkareal auszuzonen.

In der Folge wechselten die Bauparzellen mehrmals die Hand. Inzwischen war das ursprüngliche Argument für die Einzonung – mit Neubauten die Renovation des Schlosses zu finanzieren – obsolet geworden: Im Herbst 1994 kauften Christoph und Anna Angelika Mijnssen das Schloss und das übrige Gebiet des Parks und renovierten das Haus zum heutigen Hotel und Kurszentrum.

Für Verbesserungen eingesetzt

Als zwei Jahre später ein neuer Gestaltungsplan für den Westteil des Parks aufgelegt wurde, «gingen wir davon aus, dass dies nach Baureglement und Baugesetz möglich ist», erklärt Christoph Mijnssen die Tatsache, dass die neuen Schlossbesitzer damals nicht generell gegen die Überbauung opponierten. «Wir setzten uns aber intensiv für Verbesserungen und einen konkreter definierten Schutz der Alleen und Bäume ein.»

Als 1999 Visiere gestellt wurden, war allerdings rasch klar: Die Gebäudeabstände zu den Bäumen waren ungenügend, und die geplanten Tiefgaragen veränderten den Wasserhaushalt im Hang und gefährdeten die Parkbäume. Die Opposition – und nicht zuletzt die geplatzte Spekulationsblase – bereiteten dem Projekt dann ein vorzeitiges Ende: 2001 ersteigerte die Thurgauer Kantonalbank den eingezonten Teil des Parks als Hauptgläubigerin aus einem Konkurs.

Vorwurf des Wortbruchs

Jetzt stehen wieder Visiere, diesmal für Neubauten mit gegen 120 Wohnungen. Schlossgäste und -besitzer sind ob der Dimensionen erschrocken. Die Bauten sollen viergeschossig werden und stehen weiterhin sehr nahe an den Alleebäumen. Christoph Mijnssen wird wegen seiner aktuellen Opposition nun von den Befürwortern der Überbauung Wortbruch vorgeworfen, schliesslich habe er sich damals nicht grundsätzlich gegen die Überbauung gewehrt.

Mijnssen kontert: «Erst heute zeigt sich, dass der inzwischen mehr als zehn Jahre alte Gestaltungsplan mit seiner hohen Ausnutzung im Park die historische Anlage und die Bäume nicht genügend schützt.» Und schliesslich handle es sich um die im Original von 1860 erhaltene Parkanlage, um ein Objekt, das kantonal und national inventarisiert und geschützt sei.

In der Region hat sich Opposition formiert. In Leserbriefen wird zum Schutz des Parks aufgerufen. CVP-Kantonsrätin Felicitas Würth erreichte an der Gemeindeversammlung Rorschacherberg Anfang April eine Applaus-Abstimmung, die pro Wartegg-Park ausging.

Gemeindepräsident Ernst Tobler hatte die Neubauten kurz zuvor in einer Sendung von «Schweiz aktuell» des Schweizer Fernsehens noch verteidigt. An der Versammlung kündigte er dann aber die Einberufung eines runden Tisches an, an dem über die Baupläne nochmals diskutiert werden soll.

Rechtliche Auseinandersetzung

An diesen runden Tisch werden sich nicht nur Gemeinde und die Wartegg-Besitzer setzen. An den Tisch sind auch die zwei voneinander unabhängigen Baukonsortien gebeten, die im Park bauen wollen: Zum einen die Swisscanto, die Anlagestiftung der Kantonalbanken, zum anderen die Genero AG Tübach, hinter der die regionalen Investoren Philipp, Urs und Remo Bienz mit ihren Gesellschaften stehen.

Der Fall liegt aber auch schon auf dem Tisch der Juristen: Mit Einsprachen und Rekursen hat sich auch der Heimatschutz eingeschaltet. In der rechtlichen Auseinandersetzung geht es darum, ob in der zweigeschossigen Wohnzone ein Gestaltungsplan überhaupt zulässig ist, oder ob damit nicht gegen die Vorschriften des kantonalen Baugesetzes verstossen wird, die verbieten, dass über einen Gestaltungsplan eine eigentliche Aufzonung vorgenommen wird, ohne dass darüber abgestimmt werden könnte.





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