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Tagblatt Online, 21. April 2007 00:30:59

Visperterminen der Ostschweiz

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Wer auf der A13 oder im Rheintal-Express in Richtung Chur fährt, kann sie nicht übersehen, die sanft ansteigenden Rebgärten der Bündner Herrschaft auf der linken Seite. Dass auch auf der gegenüberliegenden Talseite, wo hoch über der Ebene majestätisch die Abtei Pfäfers thront, Weinbau betrieben wird, dürfte dagegen manchen überraschen. Dabei ist die Pfäferser Lage Porta Romana in der deutschen Schweiz einzigartig: Bis auf über 700 Meter über Meer reichen hier die Weinberge, so hoch wie nirgends sonst. Damit ist Pfäfers so etwas wie das Visperterminen der Ostschweiz; im Oberwallis liegt der höchste Weinberg der Schweiz.

Spezielles Mikroklima

Die Porta Romana fällt aber nicht nur durch ihre Höhe auf. Sie gilt auch als ältester Rebberg des Kantons St. Gallen. Laut dem «Lexikon des Schweizer Weins» betrieben die Benediktinermönche von Pfäfers schon im Mittelalter Weinbau, andere Quellen berichten gar, dass der Weinberg oberhalb von Bad Ragaz aus der Römerzeit stamme. Sicher ist, dass die Porta Romana auf einen Römerweg zurückgeht. Er verband das Sarganserland über den Kunkelspass mit dem Süden und wurde als Ausweichroute genutzt, wenn die Handelswege im Tal überschwemmt waren.

«Weinbau auf dieser Höhe, das ginge gar nicht ohne ein spezielles Mikroklima und dem Föhn», sagt Heini Haubensak. Seine Weinkellerei steht zwar viel weiter unten im Rheintal, in Altstätten, dennoch ist Haubensak so etwas wie der Spezialist für Portaser (so heisst der Wein von der Porta Romana). Seit Anfang der 60er-Jahre kauft der traditionsreiche Familienbetrieb Blauburgundertrauben aus Pfäfers und vinifiziert sie in Altstätten.

Strohwein aus Pfäfers

Das Mikroklima, sagt Haubensak, sei gut für die Öchslegradation, die regelmässig Werte um rund hundert Grad erreicht. Die 2005er-Spätlese, die jetzt im Handel ist, hat Haubensak zu einem aromatischen Wein mit weichem und rundem Körper und 12,5 Volumenprozent Alkohol ausgebaut. Während manche Ostschweizer Winzer zunehmend kräftige Weine mit 14 oder sogar mehr Volumenprozent zu keltern versuchen, ist das ein wohltuendes Bekenntnis zum klassischen Ostschweizer Blauburgunder.

Der zweite Name, der zum Portaser gehört, ist jener des Weinbau- und Landwirtschaftsbetriebs von Elvira und Robert Schwitter in Pfäfers. Sie sind Haubensaks Lieferanten, lassen bei ihm aber auch die Mehrheit ihrer eigenen Marken keltern. Neben Blauburgunder kultivieren sie Müller Thurgau und die resistenten Sorten Regent, Marechal Foch und Léon Millot. Daraus entsteht eine Reihe von Portaser-Varietäten, vom Federweissen und einem Barrique bis zum Strohwein, für den die Trauben bis in den Winter in einem Tenn auf 1200 Metern über Meer ausgelegt werden. Die trockene Luft über dem Nebel, ist Schwitter überzeugt, biete ideale Bedingungen. Es sei wie beim Bündnerfleisch: je trockener und je mehr Höhenluft, umso besser. (Hn.)

www.haubensak-weine.ch www.portaser.ch





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