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Tagblatt Online, 29. April 2008 00:30:59

Das Geheimnis einer Männerflüsterin

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Eine Männerflüsterin kann viel aus ihrem Partner herausholen. (Bild: Bild: Corinne Bromundt)

Er soll regelmässig Blumen heimbringen, grosszügig und romantisch sein und sich freiwillig um den Abwasch kümmern – welche Frau wünscht sich nicht einen solchen Partner. Können Sie haben! Und Sie müssen nicht einmal einen neuen Mann suchen. Gigi Sage weiss, wie Frauen mit Männern umgehen müssen, damit Träume in Erfüllung gehen.

Gigi Sage glaubt an das Gute im Mann. Sie glaubt, dass Männer Frauen sehr gerne Wünsche erfüllen. Vorausgesetzt, er kann sein Mannsein richtig ausleben und bekommt in Beziehungsfragen da und dort etwas Hilfe von seiner Partnerin. Er wird gecoacht, wie die amerikanische Beziehungs- und Lebensberaterin sagt. In ihrem Buch «Hallo Tarzan. Durch bessere Kommunikation zu einer glücklichen Beziehung» und Workshops, die sie anbietet, klärt sie Frauen über das Geheimnis einer Männerflüsterin auf – eine Frau, die mit Männern in deren Sprache spricht und damit die Nähe, das Vertrauen und die Unterstützung von ihnen erhält, die sie sich wünscht.

Liebenswerte Rennpferde

«Frauen müssen lernen, Männer als Männer zu verstehen und aufhören, sie zu weiblichen Wesen machen zu wollen», sagt Gigi Sage. Probleme in Beziehungen würden oft entstehen, weil Frauen und Männer sich gegenseitig ändern wollen, anstatt sich zu ergänzen und die unterschiedlichen Stärken gemeinsam zu nutzen. Damit eine solche Zusammenarbeit möglich sei, müssten die Unterschiede zwischen Mann und Frau zuerst einmal verstanden werden. Denn, sagt Gigi Sage, diese Unterschiede sind biologisch bedingt und durch Hormone gesteuert: «Zwar werden sie noch kulturell verstärkt, doch das Fundament von Frauen und Männern ist anders.» Daran lässt sich folglich nicht viel ändern.

Für Gigi Sage sind Männer, vereinfacht gesagt, ein bisschen wie Rennpferde. Sie lieben Herausforderungen, wollen gewinnen, sie wollen Aufmerksamkeit und von ihrem Umfeld akzeptiert werden. Zudem denken sie eher lösungsorientiert und analytisch. Darin sieht die Amerikanerin zahlreiche Stärken: «Männer sind erfolgreich im Beruf, können geschickt verhandeln, sind zielstrebig und finden rasch Lösungen für schwierige Probleme, auch in der Familie.» Frauen hingegen haben für Gigi Sage die Fähigkeit, zwischenmenschliche Beziehungen und die Stimmung in einem Raum genau analysieren zu können, sie können Männern helfen, sich zu entspannen, sie wollen eher verstanden als akzeptiert werden und denken intuitiv und prozessorientiert. Gigi Sage fügt an, dass dies natürlich stark vereinfacht sei und es unzählige Nuancen gebe.

Frau trainiert Mann

Schubladisieren zählt also nicht. Um eine Person zu verstehen, sei genaue Beobachtung nötig, sagt Gigi Sage. Unvoreingenommene, nicht interpretierende Beobachtung. Sie drückt es provokativ aus: «Frauen denken, sie wüssten alles über ihren Partner. In Wahrheit wissen sie nichts.» Beobachten heisst für sie, die Dinge aus einer gesunden inneren Distanz zu betrachten, bereits gemachte Meinungen beiseite zu legen. Mit einer solchen Haltung wird nicht alles Handeln des Gegenübers auf die eigene Person bezogen.

Nonverbal werde einem Gesprächspartner mitgeteilt, was wir über ihn denken. Das sollte positiv genutzt werden, findet Gigi Sage: «Wenn Sie das Beste von Ihrem Partner denken, motiviert ihn das, diesem Bild zu entsprechen.»

Beobachten ist die erste von sieben sogenannten Coaching Skills, Coaching-Fähigkeiten, in die Gigi Sage ihre Leser einführt. Die Skills sollen Frauen zu den Frauen machen, die sie schon immer sein wollten, und ihnen helfen, «artgerechter» mit Männern umzugehen. Damit können sie von ihren Partnern, Brüdern, Vätern und Arbeitskollegen alles bekommen, was sie sich wünschen.

Sieben Skills für mehr Glück

Ein verlockender Gedanke für eine Frau, mit sieben Schritten, die, wohlgemerkt, alle etwa einen Monat geübt werden müssen, Männerprobleme aus der Welt zu schaffen. Aber sind diese Veränderungen auch aus männlicher Sicht erwünscht? Flüchten Rennpferde nicht, wenn im Stall grosse Veränderungen anstehen? «Nein, ich habe die Erfahrung gemacht, dass Männer die neue Situation mögen. Ich bekomme viele positive Rückmeldungen, auch von männlichen Lesern. Ein Schweizer hat mir geschrieben, er habe mein Buch seiner Frau abends im Bett vorgelesen», sagt Gigi Sage.

Woher sie selber die Männer so gut kennt, erklärt sie mit einem Schmunzeln: «Ich habe die Begabung, Beziehungen zu verstehen. Und ich arbeite als Mentorin schon lange mit Frauen zusammen. Da bekommt man Einblick in viele Beziehungen.»

Lektion vier: Anerkennung

Dabei hat sie herausgefunden, wie wichtig in einer Partnerschaft Anerkennung ist, und machte sie zur Coaching-Fähigkeit Nummer vier. Anerkennung sei nicht zu verwechseln mit Komplimenten. Die seien zwar schmeichelhaft, aber nicht wirklich befriedigend. Ehrliche Anerkennung hingegen erreiche das Herz, sagt Gigi Sage. Wenn beim Partner auf Stärken geachtet werde und er dafür Anerkennung bekomme, bestätige ihn das darin, dass sich sein Einsatz lohnt, was wiederum motiviert, weiter diesen Weg zu gehen. Wie Anerkennung richtig gemacht wird, schreibt Gigi Sage in ihrem Buch: «Beschreiben Sie die Aktion oder das Ereignis des Partners kurz und präzise und flechten Sie ein, in welcher Weise es Ihnen gut- getan hat.» Damit wird der Fokus auf das gerichtet, was stimmt: «Wir verbringen zu viel Zeit damit, uns zu überlegen, was nicht funktioniert in unserem Leben. Unsere Kultur hat uns gelernt, auf Schwächen und Probleme zu sehen. Das ist ein grosser Fehler, denn worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, das wächst.»

Frauen sollen weiblich bleiben

Die sieben Coaching Skills scheinen beim ersten Durchlesen ziemlich einfach. Doch bei genauerer Lektüre der Beispiele fühlt sich die Leserin ertappt, mehrere Situationen kommen all- zu bekannt vor. Die Schwierigkeiten bei der Umsetzung werden erahnt, doch Gigi Sage winkt ab: «Die Fähigkeiten sind feminin, Frauen sozusagen in die Wiege gelegt. Aber in der heutigen Zeit glauben viele, um zum Beispiel im Beruf erfolgreich zu sein, müssten sie zu Männern werden. Das ist die falsche Richtung.» Sie fügt an, dass das möglicherweise nötig war, um überhaupt in Männerberufe Einzug zu halten, aber es sei eine Position des Kampfes und des Ärgers, der den Frauen keinen Frieden bringe.

Trotzdem, mit der Annahme, dass Frauen besser darin sind, Partnerschaften aufzubauen und lebendig zu erhalten, sind die Aufgaben bereits verteilt: Gigi Sage ist der Meinung, es liege an den Frauen, Veränderungen in der Beziehung herbeizuführen. Damit provoziert sie jede, die nur ein Fünkchen Feminismus in sich trägt: «Fair ist es nicht, das stimmt. Aber es nützt nichts zu grollen. Wenn eine Frau glücklich sein will und sich eine Veränderung wünscht, sollte sie damit anfangen. Wir sind einfach besser darin, Beziehungen zu leiten, reagieren emotional verständnisvoller.»

Nicht feministisch, aber mächtig

Das wird auch bei der Fähigkeit Nummer sieben, der letzten und vielleicht auch schwierigsten Aufgabe erwartet: Nachgeben. «Nachgeben ist ein machtvolles Mittel. Indem jemand nachgibt, schaltet er oder sie von Kampf auf Kooperation und entschärft den Druck einer Situation. Damit bestimmt die Person die Richtung des Gespräches», sagt Gigi Sage. Sie fügt jedoch an, dass in ihrem Buch immer von einer gesunden Situation ausgegangen werde, das heisst, grundsätzlich beide Partner offen und interessiert sind am Gegenüber. Es gibt Grenzen, die Frauen klar definieren müssen.

Das ist Gigi Sage ein grosses Anliegen: «Zuallererst müssen sich Frauen fragen, was sie wollen. Sie müssen sich über ihre Ziele und Wünsche bewusst sein und täglich darauf hin arbeiten. Alles andere kommt nachher.» Für sie sind Frauen zu sehr gewohnt, zu geben und sich selbst dabei zu vergessen. Das führe dazu, dass sie unzufrieden werden. «Darum ist die Zeit für sich die wichtigste in der Woche. Wenn Frauen entspannt sind, können sie unglaublich viel erreichen.» Die Basis dafür sei Leidenschaft für eigene Projekte. «Das macht Frauen magnetisch, wirkt äusserst attraktiv.»

Übrigens, auch Männer sollen einen Ratgeber bekommen. Gigi Sage arbeitet zurzeit am Buch «Was Frauen Männern nie erzählen». Darin können Männer lesen, wie sie ihre Beziehungen zu Frauen verbessern können.

Bei so viel gegenseitigem Verständnis steht dem Frieden nichts mehr im Wege. Zumindest nicht für Gigi Sages Leser.

Stefanie Schnelli

Gigi Sage: Hallo Tarzan. Durch bessere Kommunikation zu einer glücklichen Beziehung. Wunderlich Verlag. Seminare mit Gigi Sage in St. Gallen: 28. Juni: Werde eine Männerflüsterin (für Frauen), 29. Juni: Was Frauen Männern nie erzählen (für Männer) Anmeldung unter: Monika.Graf@therapieteufen.ch


Die Männersprache

1. Sprechen Sie nur mit einem Mann, wenn er in einem Zustand von Offenheit und Neugier ist.

2. Drücken Sie sich klar und direkt aus. Machen Sie nicht bloss Andeutungen und vermeiden Sie lange Erklärungen.

3. Geben Sie ihm neue Chancen zu gewinnen. Blocken Sie nicht ab, wenn ihm ein Termin nicht passt, sondern schlagen Sie mit munterem Ton einen neuen vor.

4. Fragen Sie ziel- und lösungsorientiert.

5. Halten Sie Ihr Wort, seien Sie berechenbar.

6. Klönen Sie bei Freundinnen. Männer verlieren das Interesse am Zuhören, wenn ihr Gegenüber zu ichbezogen wird und sich in Gedankenschleifen verliert. (sts)

Gigi Sage: Hallo Tarzan. Durch bessere Kommunikation zu einer glücklichen Beziehung. Wunderlich Verlag.




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