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Tagblatt Online, 21. April 2008 00:30:59

Mammuts, Frauen und Wienerlieder

«Die Mammutjäger» gewinnen den Kleinkunstpreis der Appenzeller Kabarett-Tage: «De goldig Biberflade»

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appenzell. Eine prominente Jury hat am Samstag aus drei Nominationen die Gewinner des «Goldigen Biberfladens» gekürt. Die Juroren gaben den «Mammutjägern» vor Stefan Vögel und dem «Kollegium Kalksburg» den Vorzug.

corina Hugentobler

Die Verleihung des «Goldigen Biberfladens» am Samstagabend war ein humoristisches Duell «Schweiz gegen Österreich». Zum erstenmal hatten die Organisatoren nämlich auch Formationen aus dem Ausland nominiert: den Solo-Komiker Stefan Vögel aus Vorarlberg und das Wiener «Kollegium Kalksburg». Ein Heimspiel hatten die Schweizer «Mammutjäger».

Eigentlich war ja von Anfang an klar: Dieses Duell würde die Schweiz gewinnen. So zumindest sahen es Conférencier Theo Hitzig und sein vertrottelter Assistent Bruno, die als Duo «Lapsus» durch den Abend führten. Sie sollten recht bekommen – aber dazu später.

Keine Schenkelklopfer

Um den «Goldigen Biberflade» konkurrierten Mammuts, Frauen und Wienerlieder. Den Anfang machte das «Kollegium Kalksburg». Die Wiener Formation steht für eine Mischung aus zerknitterter Launigkeit und feinsinniger Ironie – und all das hochmusikalisch verpackt. Unter anderem präsentierten die drei Herren «das schönste Wienerlied, übersetzt auf Englisch». «If Jesus is busy, it's useless» heisst es da; oder in breitem Wienerisch: «Wenn da Heagott ned wüll, nutzt des goa nix.» All das ergab nicht eine Serie von Schenkelklopfern, sondern einen Auftritt voll leisem Witz – wohl zu leise für die Jury.

Glorioses Synchronschwimmen

Fast schon furios war dagegen der Auftritt der «Mammutjäger». Innert weniger Minuten würden die zwei Herren die Geschichte vom Urknall bis heute verbildlichen, versprach der Moderator. Was darauf folgte, war eine perfekte Choreographie von zwei Körpern und zwei Stimmen. Zischend, fauchend, grunzend, knorzend, ächzend und wild gestikulierend spielten die Mammutjäger so schnell mal ein paar Millionen Jahre Evolution nach. Mal glaubte man den Gesang von Walen oder anderem Wassergetier auszumachen, dieser aber wandelte sich plötzlich zum flatternden Vogel und schliesslich zum Affen, der im Eiltempo zum Urmenschen wurde, und dieser wiederum zum modernen, autofahrenden Bürger von heute, der sich im Fitnesscenter plagt und nicht weiss, was er mit seinem alten Bekannten reden soll. Die Geschichte gipfelte in einer sprachlichen Tournée um die ganze Welt – wer hätte gedacht, dass man vom (Pseudo-)Japanischen so fliessend ins Arabisch fallen kann? «Ein glorioses Synchronschwimmen», sollte später die Jury urteilen.

Ein Zug auf Schienen

Aber zuerst stand noch der dritte Nominierte auf dem Programm. Stefan Vögel, «ein Fachmann für Genderfragen», wie Conférencier Theo Hitzig ankündigte. Vögel sinnierte als «Klaus Egger» vor einem Bier am Wirtshaustisch über Frauen und Männer und die grosse Liebe. Die Ehe, so konstatierte der kürzlich Verlassene, sei wie ein Zug auf Schienen: «Man weiss nicht, wohin es geht – aber die Weichen sind gestellt.» Klaus Egger hat das grundlegende Problem ausgemacht, das Beziehungen zum Scheitern verurteilt: die Kommunikation. Eine glückliche Frau redet, ein glücklicher Mann schweigt. Und eine unglückliche Frau schweigt, während ein unglücklicher Mann redet. Daraus folgt: Damit man sich versteht, darf man nie zusammen glücklich sein. «Erfrischend auf der Bühne», befand die Jury, gab dann aber doch den «Mammutjägern» den Vorzug. Womit sich die Prophezeiung des Moderators bewahrheitet hatte.





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