Tagblatt Online, 12. September 2006 00:30:59
Musik ertönt aus Löchern
Mit der «Forscherkiste» des «Didaktischen Zentrums Rorschach» begaben sich die Jugendlichen in eine andere Welt
Grub. Einen Abstecher ins Reich der Sinne machten vergangene Woche die Kindergärtler und Schülerinnen und Schüler der Schule Grub AR.
Das Didaktische Zentrum Rorschach (RDZ) stellte der Schule Grub AR während fünf Tagen eine sogenannte «Forscherkiste» in Form eines PW-Anhängers mit Laderampe zur Verfügung. In dem vier Meter langen Gefährt werden über 200 Experimente aufbewahrt, welche einen Abstecher in die Welt der Sinne und der Mathematik ermöglichen.
Nachdem sich die Lehrer an einem Einführungskurs in Rorschach entsprechend vorbereitet hatten, wurde das mobile Forschungszentrum auf dem Pausenplatz stationiert. Ein von den Lehrkräften erarbeiteter «Spezial-Stundenplan» erlaubte es allen Klassen und den Kindergärtlern, sich in dieser Projektwoche intensiv dem Thema «Forschung» zu widmen.
Die Qual der Wahl
In kleinen Gruppen machten sich die neugierigen Schüler ans Werk. Erst galt, sich für eines der vielen Themenbereiche zu entscheiden, was gar nicht so einfach zu sein schien. Möchten wir sehen, hören, riechen, schmecken, fühlen oder uns mit Mathematik beschäftigen?
Das Erschnüffeln diverser Gerüche in Fläschchen zog die meisten Kinder gleichermassen in seinen Bann. Kein Problem, den Duft einer Zitrone zu erraten. Aber wie riechen Geranien oder Zedernholz? Das war schon schwieriger herauszufinden, und auch eine Mandarine war nicht immer auf Anhieb am Geschmack zu erkennen, da die Augen ja bei diesem Versuch keine Hilfe leisten konnten.
Die Knaben fühlten sich natürlich von Projekten wie der Wasserrakete und dem Erwärmen von Wasser in einem Behälter aus Papier besonders angesprochen. Aber auch den Mädchen bereiteten diese Tests viel Spass und so manch erstauntes Gesicht war ob den erarbeiteten Ergebnissen zu beobachten. Dass Löcher, auf einen Streifen gestanzt und durch ein kleines Kurbelgerät gedreht, Musik erzeugen, war auch immer wieder ein tolles, akustisches Erlebnis. Aber auch Fragen wie: Mit welchen Hilfsmitteln liessen die französischen Könige ihre ovalen Gartenbeete erstellen oder: Wie konstruierten die Römer ihre Brücken, spornten die Jung-Forscher immer wieder zum Nachdenken und Knobeln an.
Verbunden mit viel Spass
Spass gemacht hat es auf jeden Fall allen Beteiligten, ob Gross oder Klein, und dazu noch zu erkennen, wie erschwert Dinge unserer Umgebung wahrzunehmen sind, wenn eines der fünf Sinnesorgane nicht mehr oder nur noch teilweise funktionstüchtig ist, war sicherlich ein weiterer positiver Aspekt dieser speziellen Woche in der Schule Grub.
Einige Regeln
Die goldene Regel des Comenius (17. Jahrhundert): «Es ist erforderlich, alles in möglichst grossem Umfang den Sinnen vorzuführen; nämlich das Sichtbare dem Gesicht, das Hörbare dem Gehör, das Riechbare dem Geruch, das Schmeckbare dem Geschmack, das Fühlbare dem Tastsinn, und wenn sich etwas mit mehreren Sinnen zugleich erfassen lässt, soll es mehreren zugleich dargeboten werden.»
Die goldenen Regeln von Albert Einstein (20. Jahrhundert): «Ich halte es für besonders wichtig, dass sich der junge Geist zunächst seinen Weg in der Welt der Phänomene sucht und ihm Formeln ganz und gar erspart bleiben. Die Fantasie ist wichtiger als das Wissen.» Carmen Stucki
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