"Ich war in den vergangenen Wochen nie in der Lage, hundertprozentig richtig zu trainieren", sagte Lambiel. Um eine Chance auf einen Titelgewinn zu haben, müsste dies aber sein, da reichen 90 Prozent nicht." Denn das neue Wertungssystem erfordere von den Läufern eine ganz enorme athletische Verfassung.
Ursprünglich hatte Lambiel noch bis nach der Olympia-Saison weitermachen wollen, um 2010 in Vancouver nach dem Gewinn der Silbermedaille 2006 in Turin seiner grossartigen Karriere das i-Tüpfelchen aufzusetzen. Um sein letzten grosses Ziel zu erreichen, entschloss er sich nach dem 5. WM-Rang in Göteborg im März zu einem Neuanfang. Er verliess seinen langjährigen Trainer Peter Grütter, um bei Viktor Petrenko, Olympiasieger 1992, und Galina Smijewska in Wayne, New Jersey, neue Impulse zu erhalten. Zwar fühlte sich Lambiel in den USA wohl, doch das Trainieren war eine Plackerei, da die an der WM in Göteborg erlittene Adduktorenverletzungen wieder ausbrach.
Lambiel unternahm alles, um wieder ganz fit zu werden - er ging mehrmals zu Bayern-Arzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt nach München. Zwar ging der Schmerz mehr und mehr zurück, aber nicht genügend. "Ich hoffe, dass man versteht, dass ich nach dem Gewinn von zwei Weltmeistertiteln (2005 in Moskau und 2006 in Calgary, die Red.) und einer Silbermedaille bei Olympia nichts anderes als Goldmedaillen anvisieren wollte", erklärte der achtfache Schweizer Meister. Da dies seiner Meinung nach unter den gegebenen Umständen nicht möglich ist, zog er nun den Schlussstrich.
Das Ende seiner Amateurkarriere bedeudetet für den Sport einen herben Schlag. Lambiel war einer der wenigen Läufer, dem es nicht nur primär darum ging, möglichst viele Punkte zu sammeln, sondern der das Publikum unterhalten wollte. Bestes Beispiel dafür war seine in den letzten beiden Saisons gelaufene Flamenco-Kür, die ein wahres Kunstwerk war. Der zweifache EM-Silbermedaillengewinner betrieb dafür einen immensen Aufwand.
Trotz seines Rücktritts können ihn die Fans jedoch weiter bewundern. Lambiel will auch künftig bei Eis-Galas auftreten. So wird er 2009 beispielsweise bei Art on Ice in Zürich (29. Januar bis 1. Februar) und Lausanne (3./4. Februar) laufen. (si)
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