Swiss Swimming vor besserer Zukunft

SCHWIMMEN ⋅ Der Schweizer Schwimmsport wird durch den Nachschub von Jahrzehnt-Talenten belebt.
10. April 2018, 08:00

Seit 2008 und Flavia Rigamontis Rücktritt verfügt Swiss Swimming über kein Aushängeschild mehr, das an Grossanlässen regelmässig Medaillen gewonnen hat.

Die Lücke will der Genfer Jérémy Desplanches füllen. Zudem stossen im Juniorenbereich Jahrzehnttalente nach.

Im aktuellen Leistungssport-Bulletin von Swiss Swimming wird explizit dargelegt, dass die Langbahn-Europameisterschaften für den Verband der wichtigste Wettkampf sind, um die von Swiss Olympic und der Sporthilfe geforderten Zielvorgaben zu erreichen. Da die (Becken-)Schwimmer erst seit 2016 wieder - und nur eher knapp - im obersten Fördertopf eingestuft sind, ist ein gutes Abschneiden an den kommenden Titelkämpfen in Schottland (3. bis 9. August) quasi Pflicht, um sich auch künftig der maximalen Unterstützung sicher zu sein. "Ohne ihm zusätzlich Druck auferlegen zu wollen: Jérémy Desplanches ist natürlich unsere grösste Hoffnung für Glasgow", sagt Markus Buck, der Leistungssport-Chef von Swiss Swimming.

Gefragt, ob eine EM-Medaille für ihn ein Traum oder ein Ziel sei, sagt der in Nizza trainierende Desplanches: "Ein bisschen von beidem. Vor einigen Jahren war es noch unrealistisch, von einem Podestplatz zu sprechen. Nun erscheint mir eine Medaille zwar nicht als logische Folge, so aber doch als möglich." Die WM im letzten Sommer zeigte dem 23-Jährigen auf, dass er gerade über 200 m Lagen auf dem europäischen Kontinent zu den Allerbesten gehört. Als WM-Achter in Budapest war er der drittbeste Europäer.

Dünne Spitze

Ebenfalls über 200 m Lagen darf sich Maria Ugolkova Aussenseiterchancen ausrechnen. Bei der Kurzbahn-EM im letzten Dezember in Kopenhagen fehlten der gebürtigen Russin als Vierter bloss 21 Hundertstel zur Bronzemedaille. Im Februar allerdings musste die Schwimmerin des SC Uster-Wallisellen einen krankheitsbedingten Rückschlag hinnehmen. An den Folgen des erlittenen Substanzverlustes hatte Ugolkova auch an den vergangenen Tagen noch zu kämpfen, doch bis zum Erreichen der Topform bleiben ihr noch fast vier Monate Zeit.

Einiges zuzutrauen ist auch Yannick Käser, der schon 2012 erstmals in einem EM-Final (über 200 m) sowie an Olympischen Spielen dabei war. Gerade über die vier Bahnlängen ist dem Aargauer Brustspezialisten einiges zuzutrauen. Mit seinem letztjährigen Landesrekord von 2:10,37 gehört er in Glasgow zum erweiterten Kreis der Medaillenanwärter. "Wir befinden uns auf dem richtigen Weg. Doch unser Kader ist nach wie vor dünn. Wenn einer unserer Spitzenschwimmer verletzt ist oder gar aufhört, dann ist dieser nicht sofort und gleichwertig ersetzbar", ist sich Buck bewusst.

Vier Überflieger im Nachwuchs

Mittlerweile verfügt Swiss-Swimming immerhin auch auf Stufe Nachwuchs wieder über einige sehr interessante Schwimmer. Der Zürcher Antonio Djakovic (15), der Tessiner Noè Ponti (16), der Genfer Roman Mityukov (17) und der Berner Thierry Bollin (18) haben letzte Woche an den Schweizer Meisterschaften in Genf mindestens einmal gewonnen. Diese vier seien "aus Schweizer Sicht Überflieger", sagt Dave Burkhardt. Auch wenn das Quartett im Juniorenbereich "leider nicht" (Burkhardt) die Normalität darstelle, "so ist die Entwicklung beim Verband in den vergangenen Jahren doch positiv", so der Swiss-Swimming-Nachwuchschef.

Burkhardt freut sich, dass sein Top-Quartett die Junioren-Europameisterschaften Anfang Juli in Helsinki prioritär zum Ziel erklärt hat. Die eine oder andere Schweizer Medaille dürfte, ja müsste in Finnland also resultieren - umso mehr, als Bollin bereits im vergangenen Sommer in Israel über 100 m Rücken Bronze gewonnen hat. Einen Monat nach der Nachwuchs-Schau stehen für drei der vier Swiss-Swimming-Überflieger die ersten Elite-Titelkämpfe im 50-m-Becken an. Einzig Djakovic konnte in Genf trotz vier Schweizer Meistertiteln, drei davon im Einzel, die geforderte Limite für Glasgow nicht erfüllen. Dafür könnte der grossgewachsene Zürcher Teenager die olympischen Jugend-Spiele im Oktober in Buenos Aires ins Auge fassen. (sda)


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