Super-Bowl-Triumph statt früher Rücktritt

AMERICAN FOOTBALL ⋅ Philadelphias Quarterback Nick Foles (29) schreibt ein neues Kapitel eines amerikanischen Sportmärchens: vom fast Zurückgetretenen zum Matchwinner und wertvollsten Spieler der Super Bowl.
06. Februar 2018, 07:00

Ein Skript, das Philadelphias legendärer Filmfigur Rocky Balboa aus der Boxer-Saga des Underdogs "Rocky" alle Ehre macht. Für Matchwinner Foles, der als erster Spielmacher in einer Super Bowl selbst ein Zuspiel zu einem Touchdown abfing, war es ein filmreifer Aufstieg. Vom abgehalfterten Spieler zum eingesprungenen Ersatzmann und schliesslich zum Super-Bowl-Sieggaranten.

Foles galt ehedem als extrem wankelmütig und unkonstant. 2013 verzeichnete er eine famose Saison: ein Spiel mit 22 von 28 Pässen im Ziel, den Rekord von sieben Touchdowns in einer Partie eingestellt, imponierende 411 Yards Raumgewinn.

Foles berühmt wie Frazier

Dann verletzte sich Nick Foles an der Schulter. Er erlitt eine beträchtliche Leistungseinbusse, wechselte nach St. Louis und Kansas und verschwand derart tief in der Versenkung, dass er mit 26 Jahren an den Rücktritt dachte. Im März 2017 kehrte er mit einem Zweijahresvertrag zu den Eagles zurück - und erhielt nach der Verletzung des Nummer-1-Quarterbacks im Dezember seine Chance.

"Wir hatten einfach alles Vertrauen der Welt in ihn. Er ist ein fantastischer Mensch und ein grossartiger Spieler", lobte Teamkollege Zach Ertz den Quarterback nach dem Triumph überschwänglich. "Wir spielen dieses Spiel, seit wir Kinder waren, und haben von diesem Moment geträumt", schwärmte Spielmacher Foles, der nunmehr zum berühmtesten Sohn der Stadt avancierte - seit dem 2011 verstorbenen Joe Frazier, der von 1970 bis 1973 unumstrittener Schwergewichts-Boxweltmeister gewesen war.

Im bunten Konfetti-Regen suchte Foles vergeblich nach seinem Rivalen Tom Brady, der voller Frust zügig in die Kabine geeilt war. "Verlieren ist Mist. Du trittst an, du versuchst zu gewinnen, und manchmal verlierst du. So ist es halt", sagte Brady.

Vom "Rocky"- zum "Eagle"-Run

In der Vor-Super-Bowl-Ära hatten die siegreichen Eagles dreimal die NFL gewonnen, letztmals 1960. Doch der Triumph in der Neuzeit stellt die Vergangenheit in den Schatten. Für die Stadt Philadelphia, die in den grossen US-Teamsportarten Football, Baseball, Basketball und Eishockey zwischen 1983 (NBA-Champion) und 2008 (Gewinner World Series im Baseball) 25 Jahre ohne grossen Titel geblieben war, gab es nach der rekordverdächtigen Erfolgsflaute nun einen Befreiungsschlag.

Verdient hat es die Stadt allemal, schliesslich zeigte sich schon die unlängst zurückgetretene Schweizer Hockey-Ikone Mark Streit als früherer Spieler der Flyers (2013 bis 2017) von der "unglaublichen Sportbegeisterung der Menschen" in Philadelphia tief beeindruckt.

Die Organisatoren des legendären "Rocky"-Runs im November in Philadelphia haben derweil angekündigt, dass ihre Laufwettbewerbe in der nächsten Ausgabe um einen "Eagles"-Run erweitert wird. Viel mehr Ehre kann einem Super-Bowl-Champion für einen Legenden-Status nicht mehr zuteil werden. (sda/ap/reu/dpa/apa)


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