Ryf schafft Eintrag in Geschichtsbücher

TRIATHLON ⋅ Daniela Ryf schafft als erste Triathletin der Geschichte den dritten WM-Titelgewinn über die halbe Ironman-Distanz.
Aktualisiert: 
09.09.2017, 18:12
09. September 2017, 17:45

In Chattanooga im amerikanischen Bundesstaat Tennessee siegt die Schweizerin überlegen.

Ryf gewann mit 6:37 Minuten Vorsprung auf die zweifache englische Duathlon-Weltmeisterin Emma Pallant, die mit der klar besten Laufzeit Zweite wurde. Bereits 7:42 Minuten zurück lag die drittklassierte Deutsche Laura Philipp.

Ryf realisierte in der seit 2006 ausgetragenen 70.3-Ironman-WM den dritten Triumph nach 2014 und 2015 über 1,9 km Schwimmen, 90 km Radfahren und 21,1 km Laufen.

Die 30-jährige Solothurnerin zeigte einmal mehr eine herausragende Gesamtleistung. Ryf deklassierte die Konkurrenz vorab im Radfahren. Dort erkämpfte sie sich bis zum Wechsel auf die abschliessende Laufstrecke über achteinhalb Minuten (!) Vorsprung auf eine neunköpfige Verfolgergruppe.

Die anspruchsvolle zweite Disziplin mit rund 1000 Höhenmetern spielte der überragenden Radfahrerin Daniela Ryf in die Karten. Als Sechste kam Ryf mit der Spitzengruppe aus dem Wasser. Und mit durchschnittlich über 250 Watt fuhr sie der Konkurrenz bereits nach wenigen Kilometern im Alleingang davon. Zur Hälfte der Radstrecke betrug Ryfs Vorsprung schon fast fünf Minuten auf eine sechsköpfige Verfolgergruppe.

Vorjahressiegerin Lawrence gab zermürbt auf

Wenige Kilometer vor der Halbzeitmarke war diese Verfolgergruppe noch von Holly Lawrence angeführt worden. Da die entthronte Titelverteidigerin aus England mitbekam, dass sich der Vorsprung von Ryf laufend vergrösserte, verlor Lawrence ihren Kampfwillen und stieg aus.

Ryf sagte nach ihrem Triumph: "Ich war am Tag des Wettkampfes in einer Verfassung, die man sich für ein WM-Rennen wünscht. Doch es war dennoch kein perfektes Race für mich. Ich verlor nach fünf Kilometern auf dem Rad meine Ernährung. Ich griff dann einfach nach allem, was ich an den Verpflegungsposten erhielt."

Ryf war "heiss" auf Revanche

Im Vorjahr hatte sich Ryf in Australien an der 70.3-Ironman-WM noch mit dem 4. Rang begnügen müssen. Nun schlug die von Brett Sutton trainierte Triathletin entschlossen zurück. Ryf fand schon im Vorfeld Gefallen an ihrer Rolle als Herausforderin: "Ich bin heiss auf diesen Wettkampf und freue mich darauf, diesmal nicht die Gejagte zu sein", betonte sie.

Ryf hatte ihre Topform bereits im letzten Testwettkampf vor drei Wochen an den deutschen Mitteldistanz-Meisterschaften im Allgäu unter Beweis gestellt. Über 1,9 km Schwimmen, 84 km Radfahren und 20 km Laufen musste Ryf in der Overall-Wertung nur vier Männern den Vortritt lassen. Männer-Sieger Jan Frodeno, der Olympiasieger von 2008 und zweifache Ironman-Weltmeister, erreichte das Ziel lediglich gut 13 Minuten vor Ryf.

Und bereits Ende Juli in einem sogenannten 5150-Triathlon mit Windschattenfahrverbot über die olympische Distanz in Zürich hatte Ryf eine Leistung im Bereich der Männer-Podestplätze abgeliefert.

Dabei war Ryf zu Saisonbeginn noch ausgebremst worden. Wegen Rückenproblemen konnte sie im Frühjahr über Wochen hinweg nur mit reduziertem Umfang trainieren. Dennoch gewann sie unter anderem die kontinentalen afrikanischen Ironman-Meisterschaften in Südafrika und verteidigte auch ihren Titel an der Challenge Roth (ebenfalls über die Ironman-Distanz) jeweils ungefährdet.

Der Saisonhöhepunkt steht für Ryf nun erst noch bevor. Am 14. Oktober strebt sie an der Ironman-WM auf Hawaii ihren dritten WM-Titelgewinn in Folge an. 2016 hatte sie mit Streckenrekord und über 20 Minuten Vorsprung ihren Titel von 2015 erfolgreich verteidigt. (sda)


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