Der selbstbewusste Zürcher mit extravagantem Stil besitzt Medaillen-Potenzial.
Bei der olympischen Premiere in Nagano befasste sich die nationale Nummer 1 der aktuellen Boarder-Generation noch während keiner Minute mit seinem Sport: «Nein, Snowboarden interessierte mich damals nicht.» 1998, als Gian Simmen seine Gold-Geschichte schrieb, suchte der gebürtige Moskowiter in einem Zürcher Quartier (sprachlichen) Anschluss.
Der Sohn eines Geophysikers zog die geteerte Unterlage der weissen vor. Mit dem Skateboard lernte er coole «Dudes» und rasch viele neue Tricks kennen. Noch heute profitiert der Allrounder in der Pipe davon. Entdeckt wurde er in Winterthur in einer Skater-Halle ausgerechnet von Simmen. Bis zum heutigen Tag hört «I-Pod» auf die Ratschläge des ersten Halfpipe-Olympiasiegers.
Im internationalen Ranking ist Podladtchikov aber längst Dutzende von Positionen vor Simmen einzustufen. Er fliegt nicht nur hoch, sondern auch virtuos. Kein Schweizer Rider zeigte den spektakulären «Double Cork» in einem Wettkampf-Run vor ihm. Zusammen mit seinem Freund und Trainingspartner Christian Haller beschleunigte er den Entwicklungsprozess in den letzten zwölf Monaten enorm.
Auch neben dem Snowboard-Zirkus legte der Stadtzürcher spürbar zu. Seine Auftritte sind gefragt, seine kaum je stromlinienförmigen Aussagen werden geschätzt. Die Industrie hat sein Potenzial längst erkannt. Er gilt als idealer Imageträger - ein urbaner Typ, sportlich erfolgreich und trotzdem nie ganz einzuordnen.Zusammen mit Shaun White gehört er zum Top-Team eines führenden Energy-Getränkeherstellers. Und Podladtchikov kennt seinen Marktwert. Er verdient mindestens so gut wie ein Schweizer Ski-Star.
Das Preisgeld der letzten Saison investierte der Brettkünstler in einen Porsche. «Ich bin so viel im Auto. Da will ich es auch ein wenig geniessen.» Ein bisschen Fahrspass muss sein.Spass will Iouri auch in Vancouver haben. Im Vorfeld hielt er sich verbal (bewusst) zurück. Er mochte das Thema Olympia nicht überbewerten. Die letzten Spiele in Turin hat er in negativer Erinnerung. Damals gehörte der Teenager zum Kader der Russen. «Das abgeschottete Leben löschte mir ab. Das ständige Nationendenken nervte»
Insgeheim hat sich der Schweizer mit kurzer russischer Vergangenheit aber längst mit seinem Programm in Kanada befasst. Er ist kein 08/15-Typ. Deshalb sind ihm durchschnittliche Performances zuwider. Im engen Kreis gab er mehr preis. Podladtchikov will - und wird - Shaun White ganz naherücken. (si)
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