Langlauf: 05. Februar 2010, 11:49

Heute im Tagblatt
Dario Cologna auf Olympia-Medaillenjagd

Dario Cologna ist eine der grössten Schweizer Medaillenhoffnungen an den Olympischen Spielen
Dario Cologna ist eine der grössten Schweizer Medaillenhoffnungen an den Olympischen Spielen. Bild: Keystone

SKI NORDISCH. Mit der Schweizer Fahne in der Hand erklomm Dario Cologna vor 13 Monaten die letzten Meter zur Alpe Cermis und lief als Sieger der Tour de Ski ins Ziel.

Dieses Bild prägte das Bewusstsein, dass die Schweiz über ein Ausnahmetalent im Langlauf verfügt. "Ruhig, ausgeglichen, sehr cool und intelligent, selbstständig, ein Sportler mit Killer-Instinkt", antwortet Adriano Iseppi spontan auf die Frage nach den Charakterzügen des Burschen aus dem Val Müstair und fügt hinzu: "Dario könnte der Zwillingsbruder von Carlo Janka sein."

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Der ehemalige Disziplinenchef von Swiss-Ski kennt den bald 24-Jährigen bestens, als Freund und ehemaliger Vorgesetzter. Und er ist nicht der Einzige, der davon überzeugt ist, dass der dreifache U23-Weltmeister über Jahre hinaus im Langlauf eine bedeutende Rolle spielen wird. Cologna erbrachte bereits Leistungen, von denen andere Spitzensportler nur träumen. Nach der Tour de Ski setzte er sich im Kampf um den Gesamt-Weltcup in einem packenden Duell gegen Petter Northug durch. Als er vor dem Saisonfinale das gelbe Trikot abgeben musste, liess er den Kopf nicht hängen.

Im Gegenteil: Der Bündner glaubte stets an seine Chance und vermochte wider Erwarten im Duell gegen den übermächtig erscheinenden Norweger zu kontern.

Seine Trainer hatten den Schritt an die Weltspitze früh prophezeit. In seinem zweiten Juniorenjahr holte Cologna Bronze an den Junioren-Weltmeisterschaften und bei den U23-Titelkämpfen 2007 und 2008 sammelte er insgesamt drei Goldmedaillen. 2007 wurde er als jüngster Sieger des Engadin-Skimarathon gefeiert. Lauftechnisch ist er der Allrounder schlechthin.

Dies gereicht ihm bei Grossanlässen sogar zum Nachteil. Cologna wird sich gut überlegen, in welchen Disziplinen er es in Whistler mit den Spezialisten aufnimmt. Vor einem Jahr an den Weltmeisterschaften in Liberec verlief die Medaillenjagd nicht nach Wunsch. Dies motiviert zusätzlich: In Tschechien wurde ihm die Wurst durch den Mund gezogen, diesmal will er zubeissen.

Cologna stammt aus einer sportbegeisterten Familie aus dem Val Müstair. Zum Langlauf kam er erst mit 13 Jahren. Als kleiner Junge hatte er vor allem den Fussball im Kopf und durchlief beim FC Taufers im Vinschgau als Stürmer und Mittelfeld-Spieler sämtliche Juniorenstufen. Nebenbei fuhr er Rennvelo, machte Strassenläufe oder nahm an Skirennen teil. Er ist schweizerisch-italienischer Doppelbürger und wuchs zusammen mit zwei Geschwistern auf. Seinem Bruder Gianluca wird auf den schmalen Latten ebenfalls Talent bescheinigt.

Gianluca nahm Ende Januar an den Junioren-Weltmeisterschaften teil.

Dario Cologna absolvierte das Gymnasium am Hochalpinen Institut im bündnerischen Ftan und begann anschliessend eine Ausbildung zum Grenzwächter, die er nach wenigen Wochen wieder abbrach. Er wollte voll auf die Karte Sport setzen. Anfang 2008 öffnete sich dem Rätoromanen eine in der Schweiz seltene Tür der staatlichen Sportförderung. Er ist zu 50 Prozent als Zeitsoldat angestellt. Als Gegenleistung muss er sich ab und zu in Magglingen aufhalten, wo er normal weiter trainieren kann. Das Pilotprojekt läuft bis Vancouver 2010. An den Olympischen Spielen will Cologna mit Gold endgültig den Schritt zu den ganz Grossen schaffen. (si)



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