Alain Berset in Südkorea: "Ski alpin begeistert mich"

OLYMPISCHE WINTERSPIELE ⋅ Der Schweizer Bundespräsident Alain Berset unterhält sich mit der Nachrichtenagentur sda im House of Switzerland über die politische Kraft der Winterspiele in Südkorea.
10. Februar 2018, 10:32

Im Interview äusserte sich der SP-Bundesrat auch zur Rolle seines Landes im Weltsport - und der Freiburger hob den Stellenwert einer gesunden nationalen Basis hervor. "Sion 2026" hält der Magistrat für realistisch, dem verletzten Snowboard-Star Iouri Podladtchikov rät er, "dranzubleiben, dranzubleiben, dranzubleiben".
 

Bundespräsident Alain Berset erwartet "ein bisschen mehr Medaillen" von den Schweizer Winterolympioniken als in Sotschi vor vier Jahren. (Sarah Ennemoser)

Das politische Klima in Korea hat sich im Vorfeld der Winterspiele vorübergehend entspannt. Was passiert, wenn die olympische Karawane weiterzieht? Ist der Spirit von Olympia nachhaltig?
"Das ist eine zentrale Diskussion. Diesen Punkt habe ich auch mit Präsident Moon besprochen in Seoul vor zwei Tagen. Aber ohne diesen Anfang, ohne das Treffen mit den Nordkoreanern am Freitag, ohne das gemeinsame Team im Eishockey kann der zweite Schritt sicher nicht stattfinden. Es braucht nun auch den Versuch, die positive Entwicklung auf politischer Ebene fortzusetzen. Da kann die Schweiz auch eine bescheidene Rolle spielen, sie kann da aktiv werden, wo sie am stärksten ist: Plattformen für Dialoge anbieten."

Die Schweiz kann auch im Sport bemerkenswert viel bewegen. In Pyeongchang ist sie mit einer Rekordzahl von Athleten vertreten - ein Zeichen für den hohen Stellenwert des Sports?
"Interessanterweise ist das Team nicht nur gross, die Hälfte des Teams nimmt zum ersten Mal teil. Das sagt viel über den Wandel und die Entwicklung des Schweizer Wintersports."

Es gibt das Walliser Bestreben, 2026 die Winterspiele zu organisieren. Wie schätzen Sie die Ausgangslage ein? Wie ist die offizielle Haltung in Bern?
"Der Bundesrat hat sich schon mehrfach positioniert und klar gesagt, unter welchen Bedingungen sich die Schweiz für die Spiele engagieren könnte. Es wäre wünschenswert, Winterspiele zu organisieren, für die wir das Knowhow und die Infrastruktur besitzen - mit einem Konzept, die bestehenden Installationen zu nutzen. Aber wir benötigen zuerst einen Entscheid der betroffenen Kantone, ein Commitment der Basis."

Gibt es Persönlichkeiten wie die mehrfachen Olympiasieger Dario Cologna oder Simon Ammann, die Sie speziell im Fokus haben?
"Ich verfolge sie via die Medien aufmerksam. Aber auch die Curler habe ich regelmässig im Auge, obschon ich kein grosser Fachmann bin. Ein sehr interessanter und taktischer Sport. Ski alpin begeistert mich, ich war beim Lauberhornrennen vor Ort."

Für einen prominenten Schweizer Sportler endeten die Spiele am Tag der Eröffnung: Iouri Podladtchikov musste seinen Verzicht bekannt geben. Welche Message geben Sie ihm mit auf den Heimweg?
"Es ist traurig, sich so lange auf die Spiele vorzubereiten und seine Goldmedaille dann nicht verteidigen zu können. Manchmal gibt es wie im übrigen Leben auch weniger positive Überraschungen. Wichtig wird sein, dranzubleiben, dranzubleiben, dranzubleiben. Es bleiben ihm noch viele andere schöne Ziele in seinem Sport."

Der Sport und seine Geschichten beschäftigt Sie?
"Ich war früher 800-m-Läufer. Die Bewegung berührt mich in der Tat, ich habe als Jugendlicher sehr viel Zeit und Passion in den Sport investiert. Er war und bleibt ein Teil meines Lebens."

Bei seinem Besuch im House of Switzerland in der Olympia-Region Pyeongchang versucht sich Alain Berset als Eishockeyspieler. "Das kann ich nicht so gut", meint der Bundespräsident. (Sarah Ennemoser)

Glauben Sie, dass der Faktor Sport eine Gesellschaft positiv beeinflussen kann? Erfüllen die vielen Klubs mit Ehrenamtlichen an der Spitze eine übergeordnete Rolle?
"Ich finde eine sportliche Basis wichtig. Bei meinem Leichtathletik-Klub in Belfaux habe ich zum einen profitiert und später versucht, als Trainer etwas zurückzugeben. Ich organisierte während vier, fünf Jahren Lager für unsere Athleten. Man darf nie vergessen: Es gibt keine Spitze ohne Breite. Deshalb sind die unzähligen Freiwilligen der Vereine entscheidend, die sich täglich engagieren. Das ist alles sehr schweizerisch - es kommt von der Basis." (sda)
 


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