Ammann hofft auf einen Lucky Punch

SKI NORDISCH ⋅ Simon Ammann stösst heute Samstag bei seinen sechsten Olympischen Spielen als Aussenseiter vom Balken der Normalschanze ab. Nur ein Lucky Punch kann ihm die Medaille bringen.
10. Februar 2018, 05:00

Eigentlich würde wieder ein olympisches Ammann-Jahr anstehen. Alle acht Jahre schlug der Toggenburger zu: Nach seinem Debüt 1998 in Nagano folgte der Coup 2002 in Salt Lake City, nach einer verpfuschten Saison 2006 holte er 2010 in Vancouver zum erneuten Doppelschlag aus, und nach einem enttäuschenden Sotschi 2014 wäre nun wieder ein Exploit fällig. Allerdings deutet einiges darauf hin, dass der 36-Jährige diesen Zyklus nicht durchziehen kann.

Seit seinem Sturz am 6. Januar 2015 in Bischofshofen kämpft der Toggenburger um den Anschluss. Den roten Faden, der ihn vor dem verhängnisvollen Sturz zuverlässig in die Top Ten führte, konnte er seither nicht wieder aufnehmen.

Fortschritte, aber...

Diesen Winter stellten sich zwar tatsächlich Fortschritte ein: Für die verbesserte Telemark-Landung erhält er bessere Stilnoten, in Sachen Flugweite verkürzte er den Rückstand auf die Besten und der Januar mit einem Podestplatz im Skifliegen oder einem 5. Rang in Zakopane hielt die Hoffnung aufrecht, dass es in Pyeongchang doch noch klappen könnte.

Der 10. Rang in der Qualifikation vom Donnerstag widerspiegelt Ammanns derzeitige Position im Feld der Flieger nicht schlecht. Er hält sich im Pulk der Verfolger auf, die Medaillenkandidaten sind zwei Schritte voraus. Die Polen Kamil Stoch und Dawid Kubacki, die Deutschen Richard Freitag und Andreas Wellinger oder die starken Norweger um den Skiflug-Weltmeister Daniel-André Tande fliegen fast immer weiter und zeigen auch unten im Hang noch astreine Landungen.

Entscheidet der Wind?

Neben den Punkten für die Weite und für den Stil fliesst auch ein Durchschnittswert für die Windbedingungen in die Wertung ein. Bei Aufwind, der den Sprung begünstigt, werden Punkte abgezogen. Geht ein Springer bei Rückenwind von der Schanze, erhält er Bonus-Punkte. Doch der Durchschnittswert kann den Faktor Glück nicht gänzlich aufheben: Wer günstigere Winde vorfindet, ist nach wie vor im Vorteil.

Wer von keinen Seitenwinden - diese werden gar nicht berechnet - gestört wird, kann sein Flugsystem besser auf Weite trimmen, oder wer den Aufwind erst ganz unten im Hang erwischt, ist gegenüber einem Springer bevorzugt, der gleich beim Absprung durch eine Aufwind-Böe leicht gebremst wird.

Ammann hofft auf die Hilfe von Petrus, und zwar in beiden Sprüngen. Die Buchmacher geben dem Toggenburger für einen Podestplatz die Quote 12:1, für einen Sieg 70:1. Gregor Deschwanden, der zweite Schweizer auf den Schanzen in Pyeongchang, wird nicht aufgeführt. Nach den bisher gezeigt Leistungen in Südkorea wäre bereits die Qualifikation für den Finaldurchgang ein kleiner Erfolg.

Der Favorit heisst Kamil Stoch - Weltcup-Leader, Triumphator der Vierschanzentournee, zweifacher Olympiasieger von Sotschi und ehemaliger Weltmeister. Der Mann aus Zakopane und aktuell Polens beliebtester Sportler ist bei Grossanlässen fast immer bereit. Aber auch er braucht im windigen Pyeongchang ein Quäntchen Glück. (sda)


Anzeige: