Im Sauber-Team herrscht weiter Funkstille

AUTOMOBIL ⋅ Der Sauber-Rennstall hat als einziges Team noch keinen Fahrer für die Saison 2018 bestätigt. Wann dies bei den Hinwilern geschehen wird, hängt vor allem von Ferrari ab.
25. November 2017, 07:00

Frédéric Vasseur, der mitten in der Saison im Zürcher Oberland die entlassene Teamchefin Monisha Kaltenborn abgelöst hatte, kündigte als erstes den Honda-Deal für die kommenden drei Jahre und verlängerte die Vereinbarung mit den Roten aus Maranello. "Für mich passte zu vieles nicht zusammen, es gab einfach zu viele Fragezeichen", begründete der Franzose seine Massnahme.

Fest zugesichert ist, dass Sauber 2018 mit den aktuellen Ferrari-Motoren ausgerüstet wird. "Nur damit werden wir schon einige Zehntelsekunden pro Runde schneller sein", erklärte Vasseur vor dem Grand Prix von Abu Dhabi vom kommenden Sonntag. "Den grösseren Schritt nach vorne erwarte ich aber vom Chassis. Jörg Zander (Technikchef bei Sauber - Red.) und sein Team konnten schon sehr früh und mit Volldampf daran arbeiten."

Kein Geheimnis ist, dass Ferrari zwei seiner Nachwuchsfahrer in der Formel 1 unterbringen will. Der Monegasse Charles Leclerc scheint als Nachfolger des Deutschen Pascal Wehrlein gesetzt. Und Antonio Giovinazzi hat wohl die besseren Karten als der Schwede Marcus Ericsson. Grund: Ferrari könnte seine Zusammenarbeit mit Sauber noch mehr vertiefen.

Ferrari-Präsident Sergio Marchionne denkt ernsthaft daran, den Namen Alfa Romeo wieder in der Formel 1 zu etablieren. Und da wäre Sauber als "Versuchskaninchen" die ideale Lösung. Gut möglich also, dass der viertälteste Rennstall in der Formel 1 schon 2018 (trotz Ferrari-Power im Heck) Sauber-Alfa Romeo heissen wird. Das hängt nur davon ab, ob Marchionne sein Alfa-Romeo-Projekt durchziehen wird.

Das wäre gleichbedeutend mit dem Abgang für beide aktuellen Sauber-Fahrer. Ericsson würde die finanzielle Unterstützung der neuen schwedischen Sauber-Besitzer Longbow nichts mehr nützen. Der 26-Jährige müsste sich nach vier (erfolglosen) Jahren genauso aus der Formel 1 verabschieden wie Mercedes-Junior Wehrlein nach zwei Jahren.

Beide haben die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben. Doch ihre Aussagen in der Medienrunde vor dem letzten Saisonrennen in Abu Dhabi tönten eher hilflos. Ericsson: "Klar bin ich nervös, weil ich zum Saisonende nicht weiss, wie es weitergeht. Auch wenn Ferrari Druck macht, zwei seiner Fahrer ins Sauber-Cockpit zu setzen, glaube daran, bei Sauber bleiben zu können."

Wehrlein erklärte: "Ich will unbedingt in der Formel 1 bleiben und kann mir kaum vorstellen, in einer anderen Serie zu fahren." Allerdings sind die Chancen, dass der 23-Jährige das drittletzte freie Formel-1-Cockpit besetzen kann, sehr gering. Williams-Mercedes hat für die zweitägigen Pirelli-Testfahrten von kommender Woche neben dem Kanadier Lance Stroll die Testfahrer Robert Kubica und Sergej Sirotkin gemeldet. (sda)


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