Thurgau ist angezählt

EISHOCKEY ⋅ Einmal mehr gelingt Hockey Thurgau in Langenthal beinahe ein Exploit. Doch beim 1:3 wird den Ostschweizern erneut die 54. Minute zum Verhängnis.
21. Februar 2017, 23:04
Matthias Hafen/Langenthal
Es gibt Zufälle, die gibt es gar nicht. Wie schon zum Auftakt der Viertelfinalserie gegen Langenthal zeigt Thurgau einen superben Auftritt beim haushoch favorisierten Qualifikationssieger. Gemessen am Spielverlauf ist die Mannschaft von Trainer Stephan Mair diesmal gar noch näher am Auswärtssieg als bei der 1:2-Niederlage am vergangenen Freitag. Doch wieder verliert sie das Spiel in der 54. Minute – zum genau gleichen Zeitpunkt also wie vor vier Tagen.

Langenthals Arnaud Montandon nutzte eine 5-gegen-3-Überzahl zum entscheidenden 2:1. Es war eine der zahlreichen Situationen, in denen die Thurgauer alles in die gegnerischen Schüsse warfen: Stöcke, Handschuhe und sich selber. Dennoch fand der Puck den Weg ins Tor. Dass es am Ende aus Thurgauer Sicht nicht wieder 1:2 hiess, lag daran, dass die Gäste den Ausgleich noch mit einem zusätzlichen Feldspieler anstelle von Goalie Janick Schwendener suchten. Das nutzte Langenthals Jeffrey Füglister zu einem Treffer ins leere Tor.

Vaskivuo nutzt Thurgaus doppelte Überzahl
Es war für Thurgau ein bitterer Abschluss eines Abends, der mit ein bisschen mehr Fortune die Rückkehr in die Best-of-7-Serie hätte bedeuten können. Nach Langenthals Führungstreffer durch Vincenzo Küng in der zwölften Minuten hatte Thurgau eigentlich keinen Stich. Der Aussenseiter schaffte es aber trotzdem, sich im Spiel zu halten.  Und nicht nur das: Nachdem Hockey Thurgau bei Spielmitte eine erste 3-gegen-5-Situation unbeschadet überstanden hatte, nutzte Mike Vaskivuo eine Minute vor der Pausensirene eine doppelte Überzahl zugunsten Thurgaus. Der Amerikaner drosch den Puck nach herrlichem Zuspiel von Sacha Wollgast mit voller Wucht ins Netz. Es war ein eindrückliches Lebenszeichen, nachdem Thurgau zuvor 30 Minuten lang klinisch tot gewesen war in dieser Partie.

Der Aussenseiter lag zwar die ganze Zeit in Rückstand, aber nur 0:1. Und das war trotz aller Ungenauigkeiten im Passspiel, trotz aller unfertigen Checks und trotz aller verursachten Strafminuten eine grossartige Leistung. Es zeigte sich einmal mehr, dass sich Thurgau in dieser Playoff-Serie wesentlich einfacher tut, wenn es auswärts antreten kann. Am Dienstag machten die mitgereisten Anhänger wieder so viel Lärm, dass man sich zeitweise an einem Heimspiel der Ostschweizer wähnte, zumal das Gros der 2539 Zuschauer in der Eishalle Schoren das Geschehen eher gelangweilt verfolgte. Weiterkommen gegen den Achten der NLB-Qualifikation ist für die ambitionierten Oberaargauer eben in erster Linie eine Pflichtaufgabe.

Letzte Chance am Freitag in Weinfelden
Diese Pflicht scheint der Qualifikationssieger nun auch zu erfüllen. Es würde jedenfalls verwundern, wenn die Thurgauer diese zwei bitteren Niederlagen in Langenthal so problemlos wegstecken und zur Aufholjagd blasen könnten.  Am Freitag um 20 Uhr findet in der Weinfelder Güttingersreuti das vierte Spiel statt. Es ist die letzte Gelegenheit für Thurgau, die Viertelfinalserie doch noch um mindestens ein Spiel zu verlängern.


Langenthal – Thurgau 3:1 (1:0, 0:1, 2:0)
Schoren – 2539 Zuschauer – Sr. Oggier/Staudenmann, Fuchs/Gurtner.
Tore: 12. Vincenzo Küng (Montandon) 1:0. 40. (39:00) Vaskivuo (Wollgast/Ausschluss Montandon, Kelly) 1:1. 54. Montandon (Rytz/Ausschluss Spiller, Himelfarb) 2:1. 60. (59:55) Füglister (Ahlström) 3:1 (ins leere Tor).
Strafen: 4mal 2 Minuten plus 5 Minuten (Cadonau) plus Matchstrafe (Cadonau) gegen Langenthal, 8mal 2 Minuten gegen Thurgau.
Langenthal: Mathis; Rytz, Cadonau; Marti, Völlmin; Mike Küng, Pienitz; Ahlström; Tschannen, Campbell, Kelly; Füglister, Dünner, Primeau; Vincenzo Küng, Montandon, Gerber; Kämpf, Kummer, Pivron; Kläy.
Thurgau: Schwendener; Gossweiler, Wollgast; Parati, Xeno Büsser; Rampazzo, Nater; Wildhaber; Vaskivuo, Aeschlimann, Spiller; Arnold, Himelfarb, Brunner; Engler, Wieser, Wyss; Schläpfer, Küng, Andersons; Bahar.
Bemerkungen: Langenthal ohne Schüpbach (verletzt) und Wolf (überzählig). Thurgau ohne Forrer (Davos/NLA), Glauser (verletzt), Bucher, Seiler und Rohner (alle überzählig). – 12. Pfostenschuss Vincenzo Küng. 45. Pfostenschuss Dünner. 45. Pfostenschuss Füglister.
 

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