Keine falschen Versprechen

Stefan Mair ist in der Ostschweiz angekommen. Der italienische Nationalcoach trainiert 2016/17 auch den NLB-Club Thurgau. Seine Visionen sind nicht revolutionär, dafür aber realistisch.

09. August 2016, 02:40
MATTHIAS HAFEN

EISHOCKEY. In der Schweiz hat Stefan Mair noch keinen Namen. Im italienischen Eishockey aber, da wird er schon beinahe vergöttert. Der 49jährige Südtiroler führte das Nationalteam in diesem Frühjahr an die A-WM zurück – und noch hat er sogar die Chance, Italien auch an die Olympischen Spiele 2018 in Pyeongchang zu bringen.

«Ich sage nicht, dass die Thurgauer Spieler etwas lernen können von Italiens Nationalmannschaft», so Mair, «aber meine Voraussetzungen sind ähnlicher, als man auf den ersten Blick meinen könnte.» Hier wie dort wird Mair mehr oder weniger vor vollendete Tatsachen gestellt, was das Kader betrifft. Bei Thurgau, wo er den unerwartet abgesprungenen Christian Wohlwend ersetzt, war die Kaderplanung bei der Unterzeichnung des Einjahresvertrags bereits abgeschlossen. Für Mair kein Grund zu klagen. «Wenn du ein Nationalteam trainierst, musst du auch mit den Spielern arbeiten, die dir zur Verfügung gestellt werden.» Dass er auch so das Optimum aus einer Equipe herausholen kann, hat der Bozner gezeigt.

In Italien neue Ära eingeläutet

Italiens Nationalteam machte unter Mair einen Paradigmenwechsel durch, setzt neuerdings hauptsächlich auf Italiener aus Italien und löst sich so langsam von der Abhängigkeit von Italokanadiern los. «Das hat gut funktioniert», sagt Thurgaus neuer Cheftrainer. Schliesslich wäre Italiens Aufstieg zurück in die internationale Elite nicht schon heuer vorgesehen gewesen.

Mit Thurgau hat Mair jedoch andere Ziele als den Aufstieg. «Mir ist wichtig, dass hier alle realistisch an die Aufgabe herangehen», sagt der Italiener zu seiner neuen Herausforderung in der Ostschweiz. «Ich werde keine Phrasen dreschen und keine falschen Versprechungen machen», so Mair, der aufgrund der finanziellen Voraussetzungen ohne ausländische Verstärkungsspieler in die Meisterschaft steigen muss. Auf eine sportliche Zielsetzung lässt er sich denn auch nicht ein.

Statistiken als Messwert

«Mein Ziel ist es, Thurgaus Mannschaft so weiterzubringen, dass eine Entwicklung nachvollziehbar ist. Statistiken der einzelnen Spieler sagen nicht alles aus, geben aber eine gute Rückmeldung – und zwar nicht nur Tore und Assists.»

Auch wenn sich sein Palmarès bislang auf Italien und Deutschland beschränkt, so hat Mair schon eine Ahnung von dem, was ihn in diesem Winter erwartet. «Ich habe mich schon immer vom Schweizer Eishockey inspirieren lassen», sagt er.


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