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Tagblatt Online
6. September 2016, 02:40 Uhr

Die Desperados aus dem Osten

Ohne Geld, ohne Ausländer, aber dafür mit viel Mut steigt Thurgau am Freitag in die NLB-Saison. Und egal, wie gut Italiens Nationalcoach Stephan Mair mit dem Team arbeitet: Der Erfolg hängt so stark wie noch nie vom HC Davos ab.

MATTHIAS HAFEN

EISHOCKEY. Der finanzielle Kollaps ist abgewendet. Hockey Thurgau kann die NLB-Meisterschaft 2016/17 am Freitag komplett schuldenfrei in Angriff nehmen. Soweit die gute Nachricht des turbulenten Sommers. Doch Spitzeneishockey gibt's im Thurgau nur noch dank des HC Davos, der sich als Partner aus der NLA zur Verfügung stellt und in Weinfelden permanent einen Block mit Nachwuchsspielern parkiert. Es ist das Erbe des früheren Trainers und Sportchefs Christian Weber, der die Zusammenarbeit mit dem Rekordmeister vor seiner Demission noch eingefädelt hat.

Und auch wenn Thurgau mit Adrian Brunner, Patrick Parati, Eric Arnold oder Andreas Küng nach wie vor gute Argumente besitzt, um in der NLB eigenständig mithalten zu können, so wird der mittelfristige Erfolg der Mannschaft zweifellos auch von den Spielern des HC Davos abhängen. Denn um Hockey Thurgau finanziell wieder auf Kurs zu bringen, mussten sich die Ostschweizer im Sommer von den Nordamerikanern Derek Damon und Evan McGrath trennen sowie vom früheren Schweizer Nationalspieler Adrian Wichser.

Alles neu macht der Mair

Insgesamt haben im Sommer 17 Spieler den Club verlassen. Auch bei den Trainern wurde eine neue Ära eingeläutet – mit dem italienischen Nationalcoach Stephan Mair und dessen Assistent Benjamin Winkler anstelle von Christian Weber und Mario Kogler. Dazwischen gab es noch das Kürzest-Engagement von Christian Wohlwend, der neuer Headcoach hätte werden sollen, nach wenigen Trainings aber dem Lockruf des nationalen Verbands folgte.

Was vom turbulenten Sommer übrig bleibt, sind die Desperados der NLB. Mit dem aktuellen Kader, dessen Altersdurchschnitt 23 Jahre beträgt, ist Thurgau im Bereich der neuen Farmteam EVZ Academy aus Zug oder Ticino Rockets aus Biasca einzustufen, also am Ende der Tabelle. Doch tragen die Spieler einen nicht zu unterschätzenden Stolz in sich. «Wir wollen allen zeigen, was wir draufhaben», sagt Verteidiger Parati, der in diesen Tagen wohl zum Teamcaptain ernannt wird. «Wir besitzen das Potenzial, um auch einem Grossen das Bein zu stellen.»

Zuschauer entscheiden mit

Zwar hat Thurgau seine Ambitionen zugunsten des Fortbestehens des Clubs etwas zurücknehmen müssen, doch sind sie noch lange nicht begraben. Das Ziel heisst unmissverständlich Playoff. Und: «Wenn diese Saison ertragreich sein sollte, würden wir das Geld sofort wieder in den Club investieren», nährt der neue Präsident Hansjörg Stahel Hoffnung auf eine erfolgreiche Zukunft. Will heissen: Strömen die Zuschauer zahlreich ins Stadion, sind bei Thurgau vielleicht schon bald auch wieder zwei ausländische Spieler zu sehen.



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