Weniger HC Davos beim HC Thurgau

START IN DER NLB ⋅ Der HC Thurgau hat das Zeug, um in der Saison 2017/18 Platz sechs der NLB ins Visier zu nehmen. Das Kader ist dank der Neuzuzüge spannend wie lange nicht mehr.
12. September 2017, 20:42
Matthias Hafen
Neues Logo, neuer Name, neue Ziele: So präsentiert sich die Ausgangslage des HC Thurgau vor dem Saisonstart am Freitag um 20 Uhr mit dem Heimspiel gegen Rapperswil-Jona. Vorbei ist die Zeit von Hockey Thurgau, das Präsident Hansjörg Stahel unverblümt als «Marketing-Fehlpass» bezeichnet. Vorbei soll es auch mit dem Zittern sein. Das Playoff auf den letzten Drücker zu erreichen war schön, fortan darf die Teilnahme aber gerne früher gesichert werden. So lautet der Tenor aus dem Verwaltungsrat.
Dafür investierte der HC Thurgau. Nicht viel, aber viel schlauer als auch schon. Goalie Janick Schwendener, der während der vergangenen Saison von Rapperswil-Jona gekommen war, konnte weiterverpflichtet werden. Damit ist dem HCT ein Punkt mehr pro Spiel sicher. Denn genau diese Differenz machte Schwendener vergangene Saison statistisch aus.
 

Wieder von Anfang an mit zwei Ausländern

Die Thurgauer erkannten auch, dass ohne ausländische Profis in der NLB kein Blumentopf zu gewinnen ist – und zusätzliche Besucher auf den Zuschauerrampen schon gar nicht. Deshalb steigt der HCT im Gegensatz zum Vorjahr wieder mit zwei Ausländern in die Meisterschaft. Cam Braes und Jaedon Descheneau heissen die beiden, die in der Saisonvorbereitung schon mehrfach auf sich aufmerksam gemacht haben. «Sie passen charakterlich hervorragend ins Kader», sagt Trainer Stephan Mair. «Und je länger die Testspiel-Phase dauerte, desto besser sind sie ins Spiel gekommen.» Wer die beiden in jüngster Zeit live erlebt hat, der wird erkannt haben, dass Braes und Descheneau dem HC Thurgau noch viel Freude bereiten können.
Auch Thomas Studer, David Rattaggi und Lars Neher sind geschickte Transfers in der Offensive. Studer, so gross wie ein Mammutbaum, ist als Center ein Denker und Lenker. Neher hat die Fähigkeit, auf dem Eis zu zaubern. Und Rattaggi, nach der Ausbildung in der EVZ Academy im entwicklungsfähigsten Alter, strotzt vor Potenzial. Dann wären da auch die Bisherigen Toms Andersons, Eric Arnold, Adrian Brunner oder Andri Spiller. Nicht auszudenken, wenn jetzt noch die Verpflichtung des langjährigen NLA-Profis Daniel Steiner zustande käme, wovon eigentlich ausgegangen werden kann. Bis Mitte dieser Woche wollten sich beide Seiten entschieden haben.
 

Nicht mehr so stark abhängig vom HC Davos

«Wir haben die Spieler, um einen Schritt vorwärts machen zu können», sagt Captain und Verteidiger Patrick Parati. Dass die Abwehr die Achillesferse der Mannschaft ist, wird auch der Routinier nicht ganz kaschieren können. Dank der Zuzüge von Mike Küng und Simon Schnyder sind die Thurgauer aber auch hinten nicht mehr zwingend auf Verstärkung des NLA-Partnerteams Davos angewiesen. «Wir sind diese Saison breiter aufgestellt», sagt Parati. Das schlage sich direkt in der Trainingsqualität nieder. «Wir trainieren viel intensiver. Wir werden nicht mehr so lange brauchen, um in die Meisterschaft zu kommen, wie noch in der vergangenen Saison.»

Mit der Verbreiterung des Kaders wurde Thurgaus Abhängigkeit vom HC Davos drastisch gesenkt, die Erwartungen an die funktionierende Partnerschaft auf ein realistisches Mass gedrückt. Das war nur möglich, weil der HC Thurgau in der Saison 2016/17 einen Gewinn von 140000 Franken erwirtschaftet hat. Tönt nicht nach viel, ist aber eine Leistung in einer Liga, in der Konkurrent Martigny im gleichen Zeitraum Konkurs ging. «Die rigorose Kostenkontrolle zahlt sich aus», sagt Präsident Stahel. Der HCT werde weiterhin nicht mehr Geld ausgeben, als er habe. «Aber je mehr Zuschauer in die Güttingersreuti kommen, desto mehr Geld können wir in die Zukunft investieren.»Tipp: 6.



 

Thurgaus Gegner

SC Rapperswil-Jona
Kein NLB-Club hat ein so breites, bis in die hintersten Positionen stark besetztes Kader wie die St. Galler. Das kommt nicht von ungefähr. Die Lakers bestreiten ihre dritte Saison in der NLB seit dem Abstieg 2015. Und kehren sie nicht ins Oberhaus zurück, muss das Budget entscheidend gekürzt und die Zukunft hinterfragt werden. Zweimal verlor Rapperswil-Jona zuletzt den NLB-Final, 2016 gegen Ajoie und 2017 gegen Langenthal. In dieser Saison wird Trainer Jeff Tomlinson erstmals so richtig den Erfolgsdruck spüren.Tipp: 1.

EHC Olten
Die Solothurner haben den Anspruch, bald in der höchsten Liga zu spielen. Mit dem NLA-Goalie Simon Rytz – er wechselte von Biel zu Olten – wurde eine Schlüsselposition verstärkt. Den Ligakonkurrenten Ajoie und Thurgau luchsten sie die wertvollen B-Lizenz-Spieler Stanislav Horansky beziehungsweise Silvan Wyss ab. Die Amerikaner Tim Stapleton und Ryan Vesce werden eine Bereicherung sein. Stapleton spielte 2016/17 für Spartak Moskau und Färjestad.Tipp: 2.

SC Langenthal
Der NLB-Meister setzt in dieser Saison auf dieselben Teamstützen: Goalie Marco Mathis aus der Kaderschmiede des HC Davos sowie die beiden Kanadier Brent Kelly und Jeff Campbell. Alleine damit sind die Berner Anwärter auf einen Spitzenplatz. Mit Per Hanberg steht jedoch ein neuer Cheftrainer an der Bande. Der 50-jährige Schwede coachte vergangene Saison Karlskrona in der höchsten schwedischen Liga und löste in Langenthal Meistertrainer Jason O’Leary ab, der zu Servette in die NLA wechselte. Wie geht die Mannschaft damit um?Tipp: 3.

HC Ajoie
Wie viel zwei gute Ausländer in der NLB ausmachen, dafür sind die Jurassier der beste Beweis. Die Kanadier Jonathan Hazen und Philip-Michael Devos realisierten in den vergangenen zwei Saisons sagenhafte 392 Skorerpunkte und führten die Jurassier 2016 zum Meistertitel. Ajoie kann auch in der neuen Saison Spektakel bieten, zumal die Offensive dank der Neuzugänge Melvin Merola (Martigny), Philipp Wüst (Olten) und Reto Schmutz (Rapperswil-Jona) weiter verstärkt wurde.Tipp: 4.

HC La Chaux-de-Fonds
Die Neuenburger haben mit Adam Hasani (Servette), Laurent Meunier (Fribourg) und Devin Muller (Olten) zwar drei ihrer fünf besten Skorer der vergangenen Saison verloren. Entscheidend wird aber vor allem sein, ob Goalie Tim Wolf aus der Zürcher Lions-Organisation nach dem Abgang von Remo Giovannini (Bordeaux/FRA) der erhoffte Rückhalt sein wird. Es stehen die Positionen von Trainer Alex Reinhard und Sportchef Christian Weber auf dem Spiel.Tipp: 5.

EHC Visp
Wie Olten zählen auch die Walliser auf zwei neue amerikanische Stürmer. Mark van Guilder und Dan Kissel spielten in der vergangenen Saison in Norwegen für die Stavanger Oilers und realisierten in 59 Partien 177 Skorerpunkte (76 Tore). Brillieren die beiden auch in der Schweiz, ist für Visp und den neuen Trainer Matti Alatalo einiges möglich. Mit dem Davoser Ruben Rampazzo, zuletzt bei Thurgau Aushilfe, wurde in der Verteidigung Wasserverdrängung verpflichtet. Grosser Schwachpunkt: In Visp ist es hinter den Kulissen nicht ruhig geworden.Tipp: 7.

EVZ Academy
Obwohl der NLA-Club Zug mit der Academy primär ausbilden will, hat der neue schwedische Trainer Stefan Hedlund die Vorgabe, sein Team ins NLB-Playoff zu führen. Mit einem Altersdurchschnitt von nicht einmal 20 Jahren hat seine Equipe eigentlich kein Gesicht. Eigentlich. Denn nebst dem 20-jährigen schwedischen Stürmer Philip Rondahl gehört auch der langjährige NLA-Profi Josh Holden zum Kader der EVZ Academy. Damit kommt auch das Spektakel nicht zu kurz.Tipp: 8.

EHC Winterthur
Als Neuling entzückten die Zürcher vergangene Saison die NLB. Zu Beginn der Saison stand Winterthur lange als Leader da, ehe der tiefe Fall begann. Michel Zeiter durfte seinen Trainerposten dennoch behalten und strebt erneut die erste Playoff-Qualifikation an. Schwer zu glauben, dass dies mit nur einem Ausländer, dem 30-jährigen slowakischen Center Marek Zagrapan, gelingt. Im Tor von Klotens Partnerteam steht der Frauenfelder Remo Oehninger. Stürmer Tim Wieser gehörte vergangene Saison noch Thurgau an.Tipp: 9.

GCK Lions
Das Farmteam der ZSC Lions hat nach dem letzten Platz 2016/17 etwas gutzumachen. Mit dem 34-jährigen Kanadier Pascal Pelletier und dem 28-jährigen Amerikaner Ryan Hayes stehen zwei neue Ausländer im Kader. Pelletier, von 2010 bis 2013 Captain des NLA-Clubs Langnau, weist die Erfahrung aus fast 100 KHL-Partien auf. Hayes spielte zuletzt in Norwegen und Schottland. Den Sprung ins NLB-Team schaffte Rihards Puide. Der lettische Nationalspieler mit Schweizer Lizenz wechselte 2013 von den Pikes zu den Lions.Tipp: 10.

Ticino Rockets
Das Farmteam der NLA-Clubs Ambri-Piotta und Lugano steigt in seine zweite Saison. Es hatte 2016/17 einen schwierigen Start in der zweithöchsten Liga, nahm gegen Ende der Saison aber Fahrt auf. Eine Bereicherung für die Liga werden die Tessiner auch in diesem Winter kaum sein. Spannend ist jedoch die Besetzung der Goalieposition mit dem 21-jährigen Schweiz-Kanadier Connor Hughes (Ambri) und dem gleichaltrigen Österreicher Stefan Müller (Lugano), der fünf Jahre im Nachwuchs der Pikes Oberthurgau spielte.Tipp: 11.


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