Unerklärlicher Einbruch kostet zwei Punkte

HC THURGAU ⋅ Während 50 Minuten war der HC Thurgau am Samstag bei Leader EHC Winterthur das klar bessere Team und führte mit 5:1. Was dann aber folgte, ist unfassbar. Das Verdikt umso härter, denn die Gastgeber gingen am Ende jubelnd als 6:5-Sieger nach Verlängerung vom Eis.
24. September 2017, 21:22
Markus Rutishauser

Nach den unbefriedigenden Resultaten im Swiss League-Startmatch gegen die Rapperswil-Jona Lakers (0:3) und im Cup gegen das damals punktelose NL-Schlusslicht Kloten (2:6) war das Team von Headcoach Stephan Mair im Gastspiel beim Überraschungsleader Winterthur gefordert. Mehr Dehmut und kollektiven Einsatz hatte Mair von seinem Team im Vorfeld gefordert. Und in den ersten 50 Minuten schien die Mannschaft diese klare Botschaft verstanden zu haben . Sie zeigte ihre bis dato beste Saisonleistung. Leader Winterthur war komplett von der Rolle und musste sich von den Thurgauern vor 1383 Zuschauern phasenweise richtiggehend vorführen lassen. Die Leuen waren spielerisch sowie läuferisch überlegen.

Leader vorgeführt

Drei ihrer fünf Treffer zum zwischenzeitlichen 0:5 in der 28. Minute erzielten die Thurgauer in Überzahl. Das erste Meisterschaftstor des HCT durch Adrian Brunner in der 11. Minute doppelte der Kanadier Cam Braes kurz vor der ersten Sirene nach. Dieses 0:2 zeigte beim Leader grosse mentale Wirkung. Beim Team von Michel Zeiter, das ohne Ausländer antrat, passte nun gar nichts mehr zusammen. Alan Bahar und zweimal der Kanadier Jaedon Descheneau schraubten das Skore zu Beginn des Mitteldrittels innerhalb von knapp drei Minuten auf 0:5. Andrin Seifert, der nach dem 0:4 für den glücklosen Stammkeeper Remo Oehninger das Zürcher Tor hütete, war ebenfalls schnell bezwungen. Die Entscheidung schien früh gefallen zu sein.

Nachlassen bestraft

Das 1:5-Anschlusstor von Reto Kobach in Überzahl vor der zweiten Pause schien nicht mehr als ein Betriebsunfall und primär ärgerlich für den bis dahin unterbeschäftigten HCT-Schlussmann Janick Schwendener. Die Zuschauer diskutierten in der zweiten Pause bestensfalls noch über die Höhe des Thurgauer Sieges. Das 2:5 durch Tim Wieser im Powerplay in der 51. Minute beunruhigte die zahlreich mitgereisten HCT-Fans immer noch nicht. Auch nicht die Tatsache, dass ihr Team bereits einen Gang zurückgeschaltet hatte. Aber sie hatten die Rechnung ohne die Winterthurer gemacht. 50 Minuten lang praktisch chancenlos, entfachte spätestens das 3:5 durch Patrick Zahner fünf Minuten vor Schluss ein gewaltiges Schlussfeuerwerk, bei dem die Thurgauer nur noch staunende Zuschauer waren. Zahners zweiter Treffer 161 Sekunden vor der Sirene setzte bei den Gastgeber weitere Kräfte frei. Ausgerechnet einem Thurgauer Routinier unterlief dann jener fatale Fehler, der 62 Sekunden vor Schluss zum Ausgleich führte. Patrick Parati missglückte unbedrängt ein einfacher Befreiungsschlag, was Anthony Staiger nach Vorlage von Jan Lee Hartmann mit einem wuchtigen Slapshot nahe der blauen Linie mit dem 5:5 bestrafte.

In der fünfminütigen Verlängerung war dann allerdings wieder Thurgau mehrheitlich am Drücker und besass die beste Möglichkeit, doch scheiterte Eric Arnold alleine vor Keeper Seifert. 21 Sekunden vor Ablauf der Extra-time verursachte Daniel Steiner einen Penalty, den Tim Wieser gekonnt an Schwendener vorbei verwertete und so den Winterthurern den zweiten Punkt sicherte.

Am Mittwoch gegen Tabellennachbarn

Man darf gespannt sein, wie der HC Thurgau diese bittere Erfahrung bis am Mittwoch verdaut haben wird. Dann gastiert um 19.45 Uhr der punktgleiche EHC Visp in der Weinfelder Güttingersreuti. Der Druck auf das Team von Stephan Mair ist weiter gewachsen.

EHC Winterthur - HC Thurgau 6:5 n.V. (0:2, 1:3, 4:0, 1:0)
Zielbau-Arena. - 1383 Zuschauer. - SR Unterfinger/Weber, Dreyfus/Huguet.
Tore: 11. Brunner (Parati, Neher; Ausschluss Keller) 0:1. 19. Braes (Steiner; Ausschluss Wieser) 0:2. 25. Bahar (Loosli) 0:3. 25. Descheneau 0:4. 28. Descheneau (Spiller, Küng; Ausschluss Zwissler) 0:5. 39. Kobach (Ranov, Wieser; Ausschluss Arnold) 1:5. 51. Wieser (Leu) 2:5. 55. Zahner (Theodoridis) 3:5. 58. Zahner (Theodoridis, Roos) 4:5. 59. Staiger (Egli, Bozon) 5:5. 65. Wieser (Penalty) 6:5.
Strafen: 5-mal 2 Minuten gegen Winterthur, 7-mal 2 Minuten gegen Thurgau.
Winterthur: Oehninger (ab 24:56 Seifert); Kobach, Molina; Roos, Blatter; Leu, Egli; Keller; Wieser, Homberger, Ranov; Bozon, Wichser (C), Staiger; Hartmann, Theodoridis, Zahner; Zwissler, Schärer, Devaja.
Thurgau: Schwendener (Bertsche); Parati (C), Wildhaber; Schnyder, M. Küng; Blaser, Hänggi; Seiler, Moser; Descheneau, Braes, Steiner; Spiller, Neher, Andersons; Arnold, A. Brunner, Rattaggi; Bahar, Brändli, Loosli.
Bemerkungen: Thurgau ohne Studer (krank), Kellenberger (verletzt) und Wollgast (private Gründe).


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