Torlos, aber nicht brotlos

EISHOCKEY ⋅ Der Saisonauftakt gegen Rapperswil-Jona verläuft so gar nicht nach dem Gusto des HC Thurgau. Beim 0:3 stellen die Ostschweizer jedoch ihren Kampfgeist unter Beweis.
15. September 2017, 23:25
Matthias Hafen
Natürlich hatte sich der HC Thurgau mehr erhofft. Und natürlich hatte er sich schon zu Beginn der Saison Punkte gewünscht. Am ersten Spielabend dieses Winters blieb es aber beim Wunsch. Rapperswil-Jona erwies sich als zu starker Gegner. Die St.Galler sind in der vierten Linie mit Spielern bestückt, die bei anderen NLB-Teams in der ersten Linie zum Einsatz kämen. Kein Wunder werden sie als Aufstiegskandidat Nummer eins gehandelt. Das bestätigte sich auch am Freitagabend in der Weinfelder Güttingersreuti.

Vor 1364 gutaufgelegten, lautstarken Zuschauern stellte sich der HC Thurgau dem übermächtigen Gegner von Anfang an in den Weg – hielt dem Druck aber gerade einmal 47 Sekunden stand. Dann erzielte Verteidiger Jorden Gähler das 1:0 für die Gäste, weil er bei den Thurgauern in der Rückwärtsbewegung völlig vergessen ging. Es war ein Albtraum-Auftakt für den HCT, der nach einer teils begeisternden Vorbereitung mit viel Selbstvertrauen in die Saison stieg. Es war aber auch ein Auftakt, den die Mannschaft von Trainer Stephan Mair wiedergutmachen konnte. Und teilweise gelang das auch.

Denn Thurgau blieb zwar bis zum Ende torlos, aber nicht brotlos. Fast jeder der zwölf Stürmer hatte gegen Rapperswil-Jona eine Chance. Michael Loosli (19.) und Toms Andersons (58.) kamen einem Treffer am nächsten beziehungsweise scheiterten am spektakulärsten. Beide zogen solo auf Rapperswils Goalie Melvin Nyffeler los, blieben aber entweder an dessen Ausrüstung oder am Pfosten hängen.

Rapperswil lässt dem HCT weder Raum noch Zeit

Punkto Kampf und Einsatz konnte man den Thurgauern nichts vorwerfen. Sie spielen in dieser Saison wohl schlicht nicht auf gleicher Höhe wie Rapperswil-Jona. Die St.Galler  erstickten zahlreiche Angriffe des Heimteams schon im Keim. Den Thurgauern wurde im gegnerischen Drittel kaum Raum und schon gar keine Zeit gelassen. Und wenn der HCT einmal ein paar Sekunden gehabt hätte, machte er die Chance mit überhasteten Aktionen selber zunichte.

So zog Rapperswil-Jona im Mitteldrittel kontinuierlich davon. Jared Aulin nutzte in der      23. Minute eine der zahlreichen Überzahlsituationen der Gäste zum 2:0. Er profitierte davon, dass Thurgaus Neuzuzug Daniel Steiner im Boxplay der Stock brach. Steiner, im Stil eines Bulldozers, warf sich danach mit seinem ganzen Körper in die Bande, um einen Rapperswiler Aufbau zu verhindern. Es nützte nichts. Der Puck kam irgendwie zu Aulin in den Slot, wo Rapperswils Kanadier HCT-Goalie Janick Schwendener umspielte und den Puck backhand in den Netzhimmel beförderte. In der 34. Minute erwischte Sven Lindemann die Thurgauer Abwehr zum 3:0.

Gähler rächt sich an Descheneau

Doch der HCT kämpfte bis am Schluss beherzt, liess sich nicht gehen. Wenn man den Thurgauern etwas vorwerfen konnte, dann, dass sie zu sehr mit den Schiedsrichterentscheiden haderten. Am Ende sass der Frust so tief, dass Jaedon Descheneau Gegenspieler Sven Berger überhart in die Bande checkte. Daraufhin drehte Rapperswils Gähler im roten Bereich und rächte sich mit einem Stockendstich an Thurgaus Kanadier. Mehr als zwei Minuten musste er für den grössten Aufreger des Schlussdrittels aber nicht absitzen.

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