Topskorer wider Erwarten

EISHOCKEY ⋅ Er ist treffsicherer als mancher Stürmer. Doch Mike Küngs Leidenschaft gehört dem Verteidigen. Bei Thurgau bekommt der 22-Jährige Verantwortung – auch am Sonntag gegen seinen Ex-Club Langenthal.
06. Oktober 2017, 05:20
Matthias Hafen

Matthias Hafen

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@thurgauerzeitung.ch

Thurgaus Nummer 94 war im Heimspiel gegen Olten nicht zu sehen – aus gutem Grund. Mike Küng trug beim 3:2-Sieg das Trikot des Topskorers. Unverhofft, weil aussergewöhnlich für einen Verteidiger. Und für Küng eine Premiere. «Ich hätte nie gedacht, dass dies einmal der Fall sein wird», sagt der 22-Jährige voller Stolz. Ausschlaggebend war sein Pass zum 1:0-Siegtreffer von Tom Andersons in der Ajoie. Sein vierter Assist im vierten Spiel. Schon an diesem Sonntag, um 17 Uhr daheim gegen Langenthal, wird Küng den gelben Helm und das Spezialtrikot wieder los sein. Die Kanadier Cam Braes uns Jaedon Descheneau haben ihn in der teaminternen Skorerliste überholt. Doch das offensive Potenzial des früheren EVZ-Juniors bleibt bestehen. Im Schusstraining gehört er stets zu den treffsichersten Thurgauern.

Der Neuzuzug kommt deshalb regelmässig im Powerplay zum Einsatz. Vor allem aber bringt Küng Tempo ins Spiel der Ostschweizer. «Mit ihm haben wir einen Verteidiger, der den Puck schnell hinten rausbefördert», sagt Assistenzcoach Benjamin Winkler. «Das sieht nach offensiver Spielweise aus. Aber er hat keinen Auftrag, Druck aufs gegnerische Tor zu machen.» Nebst der schnellen Beine lobt Winkler die Lernwilligkeit der Nummer 94. Etwas, das Küng auch neben dem Eis auszeichnet.

Zweimal pro Woche auf die Schulbank

Zweimal pro Woche reist der NLB-Eishockeyaner direkt nach dem Training nach Luzern. Dort studiert Küng an der Fachhochschule Wirtschaft. «Ich brauche diesen kopflastigen Ausgleich zum Sport», sagt er. «Zudem weisst du nie, wann deine Karriere zu Ende ist. Deshalb brauche ich ein zweites Standbein.» Küng stiess in diesem Sommer von der EVZ Academy zum HC Thurgau, weil er mehr Verantwortung übernehmen wollte. «Bei der Academy gab es keine Rollenverteilung. Jeder kam gleich oft zum Einsatz.» Ein Graus für einen ambitionierten Spieler wie Küng. Beim HCT bekommt er nun die Chance, eine Rolle zu übernehmen, eine tragende dazu. Bislang erfüllt er die Erwartungen.

Eine Frohnatur in der Garderobe

Innerhalb des Teams ist Küng ein geschätzter Kollege. Er macht gerne Spässchen und bringt als Frohnatur gute Stimmung in die Garderobe. «Ich versuche immer, meine Mitspieler zu motivieren», sagt Küng. Nach den Siegen gegen Ajoie und Olten ist das nicht mehr so akut wie zuvor. Am Sonntag wartet mit Langenthal aber ein harter Brocken auf die Thurgauer. Küng spielte von 2014 bis 2016 selber beim SCL und ist überrascht, wie er unter dem neuen schwedischen Trainer Per Hanberg seine kanadische Spielweise beibehalten hat. «Wir müssen gewappnet sein», sagt Küng.


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