Knallende Türen: Thurgau-Trainer wirft Stürmer aus der Kabine

EKLAT ⋅ Stürmer Thomas Studer gehört ab sofort nicht mehr zum Kader des HC Thurgau. Der 22-jährige Center verliess den NLB-Club auf eigenen Wunsch. Sein Abgang verlief alles andere als in Minne.
26. September 2017, 06:06
Matthias Hafen
Seit dem Cupspiel gegen Kloten figuriert Thomas Studer nicht mehr in der Aufstellung des HC Thurgau. Offiziell wird der Center krank gemeldet. Doch was viele nicht wissen: Sein Spind Nummer 56 in der Eishalle Güttingersreuti ist schon seit Tagen leer. Vergangenen Donnerstag verliess Studer die Heimstätte des Ostschweizer NLB-Clubs, bei dem er in diesem Sommer angeheuert hatte, mit Sack und Pack.

Nach unsteten Jahren mit mehreren Clubwechseln schien der 1,88 Meter grosse Mittelstürmer aus dem Nachwuchs des EHC Kloten im Thurgau seine neue sportliche Heimat gefunden zu haben. Und der HCT, auf der Suche nach genau diesem Spielertypen, liess sich die Verpflichtung Studers etwas kosten. Doch nach nur einem Meisterschaftsspiel entschied sich Studer nun, dem Profi-Eishockey den Rücken zu kehren.

Zum Abschied knallten die Türen. Stephan Mair hielt in seiner Trainergarderobe eine Standpauke, die trotz Schalldämpfung in den gesamten Katakomben der Weinfelder Eishalle zu hören war. Dann jagte er Studer mit eindeutigen Gesten aus der Mannschaftskabine. Selbst die anwesenden HCT-Spieler schauten einander verdutzt an. In dieser Heftigkeit schienen sie so etwas noch nie erlebt zu haben. Doch Mairs Ärger hatte seinen Grund.
 

"Er hat die Mannschaft im Stich gelassen"

"Just am Tag vor dem Cupspiel gegen Kloten hat er mir seine Absichten mitgeteilt", sagt Thurgaus Trainer. "Die ganze Vorbereitung war für die Katz’." Mair musste kurzfristig seine Sturmlinien umstellen. Und Zufall oder nicht: Die meist betroffene Linie kassierte drei der sechs Gegentore bei der 2:6-Niederlage gegen den NLA-Club. Besonders sauer stiess Mair auf, dass Studer in den Tagen danach bestgelaunt wieder im Training erschien. "Er hat die Mannschaft im Stich gelassen. Uns alle." Ausgerechnet ein Spieler, in den Thurgau viel Hoffnung gesteckt hatte.
 

Einst Captain von Klotens Elitejunioren

Studer gehörte beim HC Thurgau nicht zu den Topstürmern, verkörperte aber den Turm der hinteren Linien. Der Linksschütze war einst zwei Saisons lang Captain von Klotens Elite-A-Junioren. Auch gehörte der Bachenbülacher von der U16 bis zur U20 den Schweizer Nachwuchsauswahlen an, bevor für ihn die Luft international dünn wurde. Für Kloten absolvierte Studer insgesamt 15 NLA-Spiele, wurde aber immer wieder in die zweithöchste Liga abgeschoben, zu Olten und zum Partnerteam Winterthur. Vergangene Saison, mit einem Vertrag bei Winterthur definitiv in der NLB angekommen, wurde Studer nach nur sechs Spielen an Rapperswil-Jona ausgeliehen. Und nun geht die einst hoffnungsvolle Karriere ganz zu Ende. "Aus persönlichen Gründen", wie Studer sagt. Den HCT verlasse er nicht mit Groll.
 

HC Thurgau stimmt Vertragsauflösung zu

Der NLB-Club hat den Vertrag mit dem Stürmer aufgelöst – mit dem Vorbehalt, dass Studer in diesem Winter weder in der höchsten noch in der zweithöchsten Liga weiterspielen wird, wie Geschäftsführer Patrick Bloch sagt. Studers Platz in der Garderobe hat bereits Daniel Steiner eingenommen, der zuvor neben der Tür sass. Finanziell sei eine einvernehmliche Lösung gefunden worden, sagt Bloch. Thurgau bezahlte für Studers Transfer geschätzt mehrere tausend Franken Ausbildungsentschädigung. Dazu kommen ein paar Monatslöhne für nur ein Spiel. Ob und wie der Center ersetzt wird, hat der HCT noch nicht entschieden.

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