Im Höhenflug

EISHOCKEY ⋅ Beim 4:1 in Biasca gelingt dem HC Thurgau der sechste Sieg in Serie. Damit erklimmen die Ostschweizer in der NLB-Tabelle wieder Platz vier vor Olten. Doch der Schein trügt.
07. Februar 2018, 05:18
Matthias Hafen, Biasca

Matthias Hafen, Biasca

matthias.hafen@thurgauerzeitung.ch

Dem HC Thurgau läuft’s rund. Auswärts gegen die Ticino Rockets reihte die Mannschaft von Trainer Stephan Mair bereits den sechsten Vollerfolg in Serie an­einander. Damit kann der HCT immer noch vom Heimvorteil im Playoff träumen, überholte er in der Tabelle doch das spielfreie Olten. Der aktuell vierte Platz trügt aber ebenso wie der 4:1-Sieg im Tessin. Die Differenz zum ­abgeschlagenen Tabellenletzten schufen die Gäste erst ab Spielmitte. Zuvor ging ihnen jegliche Souveränität ab, die sie in den vergangenen Partien ausgezeichnet hatte.

Der HC Thurgau spielte in Biasca eines seiner schlechteren Spiele – und das gegen einen Kontrahenten, der kaum mehr eine eingespielte Linie aufs Matchblatt brachte. Die Ticino Rockets, längst aus dem Playoff-Rennen der NLB raus, hatten schon zahlreiche Spieler zum Partnerteam Bellinzona aus der MySports-League entsandt, wo sie die Meisterschaft zu Ende spielen werden.

Ticino Rockets zu Beginn mit mehr Biss

Es spricht aber für den HCT, dass er auch solche Partien wie gestern in Biasca gewinnt. Denn auch wenn der Gegner spielerisch unterlegen war: laufen und checken konnten die Tessiner. Und sie hatten etwas, was den Thurgauern in den ersten Spielhälfte fehlte: Biss. Yoan Massiminos 1:0 in der 22. Minute – nach 42 Runden sein erster Treffer der Saison – war der Lohn für einen beherzten Auftritt des Heimteams. Man kann den Ticino Rockets vorwerfen, für die NLB nicht kompetitiv genug zu sein. Die Meisterschaft verfälschen sie aber nicht. Wie zuvor schon andere Favoriten, musste auch der HC Thurgau beissen, bis die drei Punkte im Trockenen waren.

Zwei Treffer und ein Assist von Captain Brunner

Entscheidender Faktor war Adrian Brunner. Der Stürmer, der den verletzten Patrick Parati als Teamcaptain ersetzt, erzielte bei Spielmitte das 1:1, als die Thurgauer die Rockets bilderbuchmässig auskonterten. Brunner war es auch, der das 2:1 sieben Sekunden vor der zweiten Drittels­pause einleitete. Es war ein Treffer zur genau richtigen Zeit, den Arnold realisierte. Und schliesslich gelang Brunner in der 47. Minute auch noch ein Shorthander zum 3:1. Wieder hatten die Thurgauer die inferioren Tessiner ausgekontert, diesmal in Unterzahl, weil Joel Moser auf der Strafbank sass.

Brunner, der in jedem Spiel vorbildlich ackert und rackert, wenn auch nicht immer mit gleich viel Glück, verdiente sich in Biasca den Titel des Matchwinners. Er gab auch nach einem harzigen Start nicht auf und suchte unermüdlich den Weg zum gegnerischen Tor. Andri Spillers 4:1 knapp drei Minuten vor Schluss besiegelte den Thurgauer Erfolg – und damit die erfolgreichste Serie auf fremdem Eis seit Jahrzehnten. Mittlerweile steht der HCT bei sieben Auswärtserfolgen nacheinander.

Happiges Schlussprogramm wartet auf Thurgau

In dieser Form ist dem HC Thurgau alles zuzutrauen. Auch, dass er sich nach dem Heimspiel am Sonntag um 17 Uhr noch gegen Rapperswil-Jona, Langenthal und zuletzt in La Chaux-de-Fonds durchsetzt. Doch das happige Schlussprogramm zeigt: Thurgaus aktuelle Tabellenposition trügt. Es sind noch grosse Spiele zu gewinnen, bis der Heimvorteil im Playoff Tatsache ist. Nur etwas scheint klar zu sein: Das NLB-­Team aus Weinfelden wird in jedem Fall ein unbequemer Playoff-Gegner sein. Egal, gegen wen. Egal, auf welchem Eis.


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