Herber Rückschlag im Wallis

EISHOCKEY ⋅ Der HC Thurgau verliert gegen den EHC Visp mit 1:4 und kann damit nicht an die erfolgreiche Phase der letzten neun Partien anknüpfen. Gegen die Walliser agieren die Ostschweizer 40 Minuten lang erschreckend passiv und harmlos und sind mit vier Gegentreffern noch gut bedient.
27. Oktober 2017, 22:53
Thomas Ammann/Visp
Thurgau startete mit einer grossen Portion Selbstvertrauen ins Auswärtsspiel gegen Visp. 20 Punkte und sieben Siege resultierten aus den letzten neun Partien Die viertplatzierten Ostschweizer waren gegen die achtplatzierten Walliser leicht zu favorisieren.
 
Doch es waren die Hausherren, die ab der ersten Minute die Gangart diktierten. Thurgau war kaum in Puckbesitz, verlor viele Zweikämpfe und leistete sich wiederholt Fehlpässe. Bei den Versuchen von Luca Hischier oder dem US-Amerikaner Dan Kissel brauchte es einen hellwachen Torhüter Janick Schwendener, um nicht früh in Rückstand zu geraten. Gegen Ende des Startdrittels erhöhte das Heimteam die Kadenz immer mehr und schnürte die Thurgauer regelrecht im eigenen Drittel ein. Doch mit etwas Glück und einem starken Schwendener retteten die Gäste das schmeichelhafte 0:0 in die erste Drittelspause.
 

Parati mit Bärendienst

Was sich im ersten Drittel bereits angedeutet hatte, wurde im zweiten Abschnitt immer offensichtlicher. Der EHC Visp schaltete und waltete nun nach Belieben, liess den Gästen keinen Raum und kombinierte sich im Minutentakt zu hochkarätigen Gelegenheiten. Tomas Dolana vergab die sichere Führung, als er vor dem leeren Tor einen Moment zögerte und Schwendener damit die Möglichkeit gab, mit einem sensationellen Hechtsprung den Abschluss zu parieren.

Aber ab Spielmitte war der Bann gebrochen und münzten die Walliser ihre drückende Überlegenheit auch in Tore um. Zuerst fand eine freiliegende Scheibe nach einem Gestocher den Weg ins Thurgauer Tor. Kissel liess sich als Torschütze feiern. Fünf Minuten später lenkte Patrick Parati einen Hischier-Querpass unglücklich ins eigene Tor ab. Und kurz vor Drittelsende luchste Mark Van Guilder Parati hinter dem Tor die Scheibe ab, bediente den freistehenden Kissel, der seinen zweiten persönlichen Treffer erzielte.
 
Der HC Thurgau spielte ungewohnt passiv, harmlos und unorganisiert. «Wir liessen in den ersten 40 Minuten jeglichen Biss vermissen», resümierte Trainer Stephan Mair nach der Partie. «Wir versuchten, die Probleme spielerisch zu lösen, anstatt kämpferisch dagegenzuhalten.» Dadurch habe man zu viele Zweikämpfe verloren und Puckverluste produziert.
 

Kindschi trifft im ersten Spiel

Erst im letzten Drittel zeigten die Ostschweizer mehr Kampfgeist. Auftrieb gab ihnen der Anschlusstreffer nach 65 Sekunden, als Simon Kindschi von der Strafbank kommend von Adrian Brunner perfekt lanciert wurde und alleine vor Joel Aebi zum 1:3 traf. Für Kindschi war es im ersten Spiel nach seinem Transfer vom HC Davos gleich das erste Tor. Danach gestaltete sich das Spiel etwas ausgeglichener – auch weil Visp einen Gang zurückschaltete. In die Nähe eines Punktgewinns kamen die Gäste jedoch nie. Der 4:1-Sieg nach Oliver Achermanns «Empty-Netter» war hochverdient und fiel sogar noch etwas zu knapp aus.
 
«Wenn ein junges Team einen Lauf hat, besteht immer die Gefahr, dass man nachlässig wird und das Gefühl hat, alles gehe von alleine», sagte Mair. Nun gelte es, wieder zum kämpferischen Spiel zurückzukehren. Am besten bereits morgen um 17 Uhr, dann empfängt Thurgau den HC Ajoie in der Güttingersreuti in Weinfelden. Es ist ein weiteres Spiel gegen einen Konkurrenten aus dem dicht gedrängten Mittelfeld der Tabelle. Ajoie ist in Form und holte zuletzt gegen das Spitzentrio der Swiss League sieben Punkte.
 
Visp – Thurgau 4:1 (0:0, 3:0, 1:1)
Litterna-Halle. – 2985 Zuschauer. – SR: Tscherrig, Micheli/Pitton.
Tore: 28. Kissel (Van Guilder/Altorfer) 1:0. 33. Hischier (Dolana/Camperchioli, Ausschluss Neher) 2:0. 40. Kissel (Van Guilder, Ausschlüsse Valenza, Kindschi) 3:0. 42. Kindschi (Brunner, Ausschluss Furrer) 3:1. 59. Achermann (ins leere Tor) 4:1.
Strafen: 7-mal 2 Minuten plus 10 Minuten (Valenza) gegen Visp, 7-mal 2 Minuten gegen Thurgau.
Visp: Aebi; Wolf, Heynen; Camperchioli, Nater; Wiedmer, Rampazzo; Kühni, Forrer; Kissel, Van Guilder, Altorfer; Dolana, Hischier, Furrer; Portmann, Achermann, Ritz; Valenza, Alihodzic, Sturny.
Thurgau: Schwendener; Küng, Parati; Kindschi, Wollgast; Schnyder, Wildhaber; Blaser, Kellenberger; Brunner, Braes, Descheneau; Arnold, Neher, Andersons; Loosli, Brändli, Steiner; Spiller, Bahar, Rattaggi.
Bemerkungen: 48. Timeout Visp. 57. Lattenschuss Portmann (V). Visp ohne Meili, Bucher (beide überzählig), Lindemann, Dubois, Burgener, Thibaudeau (alle verletzt). Thurgau ohne Seiler, Hänggi, Moser (alle überzählig).
 

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