Erfolg macht die Spieler des HC Thurgau sexy

EISHOCKEY ⋅ Der HC Thurgau spielt seine beste Saison seit dem Wiederaufstieg in die NLB. Das kommt den Club teuer zu stehen, wenn es um die Vertragsverhandlungen mit Spielern und Trainern geht.
10. Februar 2018, 12:31
Matthias Hafen

Matthias Hafen

matthias.hafen@thurgauerzeitung.ch

Die Spieler des HC Thurgau sind begehrt. Andri Spiller wurde bereits vom NLA-Club Kloten unter Vertrag genommen, Toms Andersons wechselt 2018/19 zum Ligakonkurrenten Langenthal. Und es ist damit zu rechnen, dass auch andere Schlüsselspieler den HCT verlassen werden Ende Saison. Insgesamt laufen noch zwölf Verträge aus – unter anderen jene der beiden Kanadier Cam Braes und Jaedon Descheneau sowie jener von Trainer Stephan Mair.

Der eigene Erfolg kommt den HC Thurgau jedenfalls teuer zu stehen. Wer jetzt um einen neuen Vertrag feilscht, kann guten Gewissens eine Lohnerhöhung fordern. Schliesslich zählt gerade im Sport das Leistungsprinzip. HCT-Geschäftsführer Patrick Bloch steht deshalb vor schwierigen Verhandlungen. Um das Kader qualitativ zu halten oder zu verstärken, wird der Club mehr Geld in die Hand nehmen müssen. Oder aber er setzt aufs Prinzip Hoffnung und hält wieder Ausschau nach neuen Rohdiamanten wie Braes, Descheneau, Andersons oder Spiller es waren.

«Geben nicht mehr Geld aus, als wir haben»

«Wir merken, dass es teurer wird für uns», sagt Bloch. Als ehemaliger Verteidiger versteht er die Begehrlichkeiten der Spieler. «Aber wir haben unsere Grenzen, geben nicht mehr Geld aus, als wir haben.» Ein Dilemma für den NLB-Club, der sich mit neuer Führung vom Beinahe-Ruin in finanziell ruhige Gewässer manövriert hat. «Wir hoffen, dass uns diese Saison hilft, für 2018/19 mehr Sponsoren und Saisonkarten zu generieren», sagt Bloch. Doch die Auswirkungen würden frühestens im August sichtbar. Bis dahin steht dem HCT nicht mehr Geld zur Verfügung als bisher. Zumal die Zuschauerzahlen mit dem sportlichen Erfolg nicht mithalten. In bislang 21 Heimspielen kamen durchschnittlich 1083 Zuschauer in die Güttingersreuti. Das sind pro Spiel 128 mehr als vergangene Saison. Der Erfolg macht den HCT anderweitig sexy. «Wir sind für die Spieler wieder eine interessante Adresse geworden», sagt Bloch, der auch zahlreiche Angebote von potenziellen Zuzügen auf dem Pult hat.

Jede Lohnforderung wird der Geschäftsführer trotzdem nicht erfüllen können. Deshalb fokussiert er sich auf die Besetzung von Schlüsselpositionen. Die Vertragsverlängerung mit den Trainern steht weit oben auf der Prioritätenliste. Dass sich der ehrgeizige Mair wegen ein paar Franken mehr einem anderen Team anschliesst, scheint unwahrscheinlich. Vielmehr muss der HCT dem Südtiroler eine Mannschaft zusammenstellen, mit der er sportlich weiterkommen kann. Dank des weiterlaufenden Vertrags von Goalie Janick Schwendener ist eine Voraussetzung dafür schon gegeben. In der Verteidigung haben nur Patrick Parati, Simon Seiler und David Wildhaber einen Vertrag für die kommende Saison. Mit Mike Küng, Simon Schnyder und Sacha Wollgast befindet sich der HC Thurgau im Gespräch. Ein Spieler des Typs Sami El Assaoui wünscht sich der Club, um die Defensive «böser» zu machen. Inwieweit der langzeitverletzte Romand seine Karriere nach durchtrennter Achillessehne weiterführen kann, steht aber in den Sternen.

Andere Clubs entdecken Braes und Descheneau

Im Sturm muss Thurgau mit den Abgängen von Andersons und Spiller rund 35 Tore ersetzen. Eine schwierige Aufgabe, weil die zwei ein Preis/Leistungs-Hit waren. So auch die Kanadier Braes und Descheneau, die sich mit der punktereichen Ausbeute der letzten Spiele in so manchem Notizblock der Scouts verewigt haben. Sicher ist: Der Ruf nach sportlichem Erfolg wird nach dieser Saison nicht leiser im Thurgau.


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