Eisern die Nerven behalten

EISHOCKEY ⋅ Der HC Thurgau gewinnt in Langenthal ein hochemotionales Spiel 2:1 nach Verlängerung. Die Ostschweizer werden dafür belohnt, dass sie in der Hektik cool bleiben.
05. November 2017, 21:48
Matthias Hafen
Selten konnte der HC Thurgau so beruhigt in die zehntägige November-Pause gehen wie in diesem Jahr. Als Tabellensechster mit 26 Punkten steht er so gut da wie lange nicht mehr zu diesem Zeitpunkt. «In anderen Jahren mussten wir jetzt schon den Punkten nachrennen», sagt Flügelstürmer Michael Loosli. «Dieses Jahr reüssieren wir regelmässig.» So auch am Samstag beim 2:1-Auswärtssieg gegen Langenthal. Loosli steuerte in der 25. Minute mit einem sehenswerten Weitschuss das 1:0 bei. «Ich dachte einfach, ich packe meine Chance und drücke ab», so Loosli.

Es ist die neue Art, wie die Spieler des HC Thurgau funktionieren. Mit den Erfolgen kommt auch das Selbstvertrauen. Und dieses verhalf ihnen in der Eis-halle Schoren zu zwei Punkten. Ebenso wie eine abermals grandiose Leistung von Goalie Janick Schwendener.

Descheneau nach Edmonton abgereist

Glück war auch ein bisschen dabei. Schon in der zweiten Minute prallte ein Schuss von Langenthals Kanadier Brent Kelly an den Pfosten. Kelly musste erneut auf seinen verletzten Sturmpartner und Landsmann Jeff Campbell verzichten. Immerhin stand Langenthal mit dem früheren HCT-Stürmer Eric Himelfarb ein zweiter Ausländer zur Verfügung. Dies im Gegensatz zu Thurgau, wo Cam Braes einmal mehr der einzige Import-Spieler war. Der zweite HCT-Kanadier, der rekonvaleszente Jaedon Descheneau, nutzt die Nationalmannschaftspause, um sich in Edmonton seine Zähne richten zu lassen. Er tut dies in seiner Heimat, weil der Fall seinen früheren Club betrifft. Morgen in einer Woche, bei Thurgaus nächstem Spiel zu Hause gegen die EVZ Academy, wird Descheneau wieder zurückerwartet.

HCT-Trainer Stephan Mair musste in Langenthal aber nicht nur auf Descheneau verzichten. Mit Simon Schnyder, Simon Kindschi und Daniel Steiner fielen drei weitere Teamstützen aus. Steiner fehlte der Mannschaft vor allem in den zahlreichen Überzahlsituationen. Mit einem nur halbwegs funktionierenden Po-werplay hätten die Thurgauer wohl alle drei Punkte mitgenommen. So aber mussten sie sich den Vorwurf gefallen lassen, zu viele Chancen vertan zu haben. Dafür zeigte der dezimierte HCT eine eiserne Disziplin. In der durch teils fragwürdige Schiedsrichterentscheide aufgeheizten Stimmung behielten die Gäste jederzeit die Nerven. Selbst durch den Ausgleichstreffer von Tom Gerber in der 45. Minute liessen sie sich nicht aus der Ruhe bringen.

Zweites Powerplay in Verlängerung genutzt

Zwar kamen die Ostschweizer danach gehörig unter Druck. Unter anderem überstanden sie eine 3-gegen-5-Situation, was in Langenthal nicht vielen Teams gelingt. Doch während die Berner immer wieder mit den Entscheiden des Referees haderten, dafür unter anderem zwei Zehnminutenstrafen kassierten, blieben die Thurgauer cool. Dies ermöglichte ihnen gleich zwei Powerplays in der Verlängerung. Das zweite nutzte Sacha Wollgast zum 2:1-Siegtreffer.

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