22 fatale Sekunden

EISHOCKEY ⋅ Gegen den Leader Rapperswil-Jona steigt der HC Thurgau unerschrocken ins Spiel. Die 1:0-Führung ist aber innert Kürze wieder vergeben. Am Ende resultiert mit dem 2:5 die vierte Heimniederlage in Folge.
20. Januar 2018, 05:20
Matthias Hafen

Matthias Hafen

matthias.hafen@thurgauerzeitung.ch

Können Sie sich noch erinnern? Weihnachten? Geschenke, Guezli, Glühwein? Es war das letzte Mal, dass der HC Thurgau ein Heimspiel gewinnen konnte. Am 22. Dezember besiegte er die Ticino Rockets 5:0. Seither setzte es vor eigenem Publikum vier Niederlagen in Folge ab – auch gestern beim 2:5 gegen den NLB-Leader Rapperswil-Jona. Die St.Galler revanchierten sich ihrerseits für die 5:6-Heimniederlage zu Beginn des Jahres. Hatte der HCT am 2. Januar das Glück noch auf seiner Seite, lag für ihn diesmal nichts drin gegen den Aufstiegskandidaten vom Zürichsee. Die Defensive war zu feh­leranfällig, das Powerplay zu schwach.

In der Tabelle schlägt sich Thurgaus akute Heimschwäche noch nicht nieder, weil die Mannschaft in diesem Jahr dafür jedes Auswärtsspiel gewonnen hat – egal, ob der Gegner Rapperswil-Jona, Langenthal oder Olten hiess. Noch belegt der HCT Platz sechs der NLB, spürt aber das wiedererstarkte La Chaux-de-Fonds im Nacken. Da kommt es gelegen, dass die Ostschweizer morgen Sonntag um 16 Uhr gegen Winterthur wieder auswärts antreten können.

Aus der frühen Führung kein Kapital geschlagen

Mit ein bisschen mehr Disziplin wäre gestern gegen Rapperswil-Jona mehr möglich gewesen. Als Andri Spiller den HCT in der fünften Minute mit einem Powerplay-Tor in Führung brachte, hatte Cam Braes bereits eine Grosschance vergeben. Ja, in der ersten Hälfte des Startdrittels waren die Thurgauer die Platzhirsche. Doch das änderte sich schnell. Innerhalb von 22 Sekunden drehte Rapperswil-Jona das Spiel dank Toren von Jan Mosimann und Sven Lindemann.

Jetzt lief Thurgau einem Rückstand hinterher. Und das kommt selten gut gegen den Leader. Denn auch wenn man das Gefühl nicht los wird, dass der langjährige NLA-Club nur immer das Nötigste tut für einen Sieg, so ist das Spiel der St.Galler trotzdem auf sehr hohem Niveau.

Das Powerplay bleibt der Pferdefuss

Zwar erspielte sich der HCT eine respektable Zahl von guten Chancen. Doch machte das Heimteam zu wenig daraus. Die Kanadier Braes und Descheneau tauchten immer wieder gefährlich vor dem gegnerischen Tor auf, vergaben aber beste Möglichkeiten. Es schien, als hätten sie ihr Zielwasser nicht getrunken vor der Partie. In Überzahl hätten die Thurgauer gleich mehrmals zurück ins Spiel kommen können. Dem Powerplay fehlte in den entscheidenden Momenten aber die Power. Da trösten auch Spillers beiden Treffer bei numerischer Überlegenheit nicht darüber hinweg. Das zweite HCT-Tor zum 2:5 fiel erst in der 43. Minute. Da war die Partie längst entschieden.

Vielleicht sollte der HC Thurgau vor dem nächsten Heimspiel gegen Ajoie am kommenden Freitag einfach den Mannschaftsbus packen und mit dem Team eine Stunde in der Gegend herumfahren. Damit es sich wenigstens so anfühlt, als würden die Thurgauer auswärts spielen.


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